Berliner Frauenporträts
   Berliner Frauenporträts

               Anna Plume - Im Zweifel für die Wahrheit      !!!!!!!!!!                                                       

Im alten Atelier des Bildhauers Kolbe
19. November 2017
 
Das Einüben des geraden Weges
 
Staunen reicht nicht, verstehen ist wichtig. Schauen reicht nicht, erkennen ist besser. Vor sich hin zu leiden, ist ergebnisarm. Den eigenen Weg zu finden und zu gehen, das ist eine wichtige Entscheidung. Viel Arbeit ist kein Grund für Ablehnung, wenig Aufwand an Kraft und Ideen ist theoretisch interessant, praktisch ein Schlag ins Leere oder mathematisch formuliert eine leere Menge.
Derartige Gedanken gingen einem Philosophen durch den Kopf, füllten ein Buch und wurden von manchen gelesen. Sie blieben Theorie und hatten Glück, auf einen Leser zu stoßen, dem Handeln kein Fremdwort  und Theorie pur ohne Folgen ein Gräuel ist. Das Privileg dieses Handelnden sind seine raffinierten Interessen, seine Vorlieben und Individualaktivitäten. Er geht immer fein gekleidet, bewegt sich geschmeidig wie ein Gepard, hat einen sauberen Atem und einen klaren Blick. Erträge aus Arbeit kommen von anderen, die für ihn arbeiten und den Schweißgeruch auf ihrer Haut tragen, den er bei sich nicht erleben möchte. Leben heißt für ihn Bewegung, sich rühren im Bereich der Erotik, weil Gesundheit zu behalten durch körperliche Anstrengungen erreicht werden soll, die mit schönen Frauenkörpern freudvoll den Sinn des Lebens bereichern.
Über der Tür seines Wohnhauses hat er seine Weisheit in drei lateinischen Wörtern festgehalten.  Ahnungslose und Ahnungsvolle lesen dort:
Coito, ergo sum. Nichtlateiner finden in einem kleinen schicken Holzkästchen Handzettel auf imprägniertem Bütten. Dort lesen sie in etwas holprigem Deutsch aus dem Unterholz des Schöngeistes folgende Übersetzung: Wer sein Leben spüren will, der vögelt.
 
 
 
6. Oktober
Diese Welt ist ein Versprechen auf eine stabile Zukunft. Sie hat Hauptakteure in Amerika, Nordkorea, der Türkei und in vielen anderen Staaten. In solchen Testosteron verseuchten Gegenden dürfen die Männer den starken Larry spielen und bekommen häufigen Beifall von staatlich ungeprüften Weicheiern. Letztere sind nicht nur wabbelig und wenig standfest, sondern auch noch mental und emotional unterentwickelt nach dem Motto "Dumm bumst gut." Sie haben den Gürtel schneller geöffnet und die Knarre flotter gezogen, als die von ihnen so bezeichneten Anstandswauwaus.
Ihr Glück wird vollständig, wenn die Presse ihnen menschliche Verlustmeldungen frei Haus schickt. Leider ist einer von diesen Männern auch eine Frau mit Namen Theresa May, deren Pech es ist, von einem blondschopfigen Biertrinker nicht gemocht zu werden. Der schreibt zwar Gedichte, kann aber alles nur vom Zettel ablesen, während Frau May ihre Ahnungsangst in Hustenanfällen versteckt.
Eine seltsame Welt diese, in der machtlüsterne Muttersöhnchen den Zustand der Erde bestimmen. Da hat Deutschland es gut mit seinem Ex Schröder, der dem zweifelhaften russischen Staat dient, um dem deutschen Fiskus Einkommenssteuer in die Kassen zu bringen. Pecunia non olet. Wer dennoch das Gegenteil behauptet, der ist nur neidisch.
 
 
 
20. August 2017
 
Sprache trägt das Leben auf Händen
Auf Händen tragen, klingt so positiv, in den Krallen haben, bedrohlich. Wir leben wieder einmal in einer Zeit, der einige Politiker zugetragen wurden von den Winden der Verstandesarmut. Sie wurden fallengelassen aus den Wolken der Dummheit in Ländern wie Korea, Amerika oder der Türkei. Mentale Impotenz bedroht den Frieden der Welt zugunsten des Bestehens einer narzisstischen Machtgeilheit. Man lausche der Sprache, entlassen aus den verfaulten Mäulern des Türken, des Koreaners oder des Amerikaners. Dummheit wird zu Sprache, wird Blei an den Füßen der Geschichte, Gift in den Seelen der gefangenen Gläubigen. 
In den Spinngeweben verfluchter Wörter verfangen sich die falschen Vorstellungen vom friedvollen Bestand einer glückssuchenden Menschheit. Shakespeare hatte ein tödliches Gift für den tumben Wichser am eigenen Ich. Man nennt es Spott. Darum lasst uns den Kimchi Deppen, den Burger Mampfer und den Döner Verdrücker mit lautem Lachen auf jene Wolken pusten, die die Dummheit in den Staub der Wüsten oder die Kälte der Pole trägt. Dem blond gelockten Ichbefeuchter jedoch bleibe ein Grab in einer Gletscherspalte der Schweiz. Dort möge er die letzten Atemzüge durch die Löcher des Käse tun und nach tausend Jahren als Knochensammlung eines falschen Großtieres die Museen aller Versager beehren. Bis zur nächsten Großreinigung!
 
 
 
8. Juli 2017
"words can lie and also relax the mind."
Wie wahr, wie wahr, was ich vor Jahren in einem Dichtertext gelesen hatte! Den müssen viele gelesen haben, denn wie anders lässt sich die weltweite Schreibwut erklären? Häufig werde ich den Gedanken nicht los, es bei der Masse an veröffentlichten Texten mit Ergebnissen  frisch gebügelter Eigenliebe zu tun zu haben. Und worüber da geschrieben: Über Herzschmerzen am häufigsten, danach folgen Sachbücher über Krankheiten, Gesundheitspflege, Tierhaltung, Börsenwissen, Bösewichte, Kriege, Automarken, richtige Ernährung und immer wieder Autobiographien. Jeder der Schreibenden Ichbetrachter scheint sich wichtig, seine Erfahrungen wissenswert, sein Leben eine einmalige Angelegenheit, von der zu lesen, niemand versäumen soll. Geht man in ein Antiquariat, finden sich viele Bücher, die dem abgesteckten Themenrahmen entsprechen. Die Namen der dort zu findenden Verfasser kennt man häufig nicht mehr. Und dennoch glauben viele den Autorenversprechungen. Das Ich des Schreibers oder der Schreiberin macht neugierig als unbekanntes Wesen. Und man kauft fünf Bücher für 10 € und hat nach zwei Lektüren bereits ein Gefühl von schon mal gelesen. Man grübelt und erkennt so manchen Zeitgenossen wieder. Hätte einem vorher ein kompetenter Mensch gesagt, den Trump zu kennen, den Erdogan oder den Putin, man hätte die Finger von schmuddeligen Buchseiten gelassen und sich müßig auf eine Parkbank gesetzt und dem Summen der in der Linde Nahrung suchenden Flieger zugehört, wäre nach einer Stunde entspannt aufgestanden und hätte sich wie die eigene Kaffeemaschine nach einem Entkalkungsvorgang gefühlt.
 
 
 

 

13. Juni 2017

 

Tja! Das Leben der Kötaseurs
Manche Wohnbereiche sind ein Schlag des Schicksals, vor allem wenn es um das Verhältnis von Wohnungsgröße zur Hundegröße mancher Besitzer geht. Böse Zungen behaupten, dass Geldmangel den Kauf großer Hunde bedingt, denn die wärmen ihre Besitzer im Winter leichter als das sogenannte Kleinvieh, das zwar auch Mist macht, aber nur die Taschen des Bleichsüchtigen füllt. Große Köter, großer Mist. Da wird so mancher Freund der Fertignahrung aus den unteren Fächern bei Aldi den Verlust der Plastiktüten bedauern.
Die Gegenden, deren Häuser gelegentlich um den schönsten Garten in Wettstreit treten, liegen eher nördlich oder südlich. Ein oder zwei Autos schmücken die Einfahrten und auch Katzen den Garten. Gespräche finden meistens nach innen statt, von manchem auch Schweigestunden genannt, in denen die Wörter hinter delikaten Speisen verschwinden und dem Besitzer ein Erwähnen in der Statistik der Adipösen garantiert. Aber die Katzen, die kratzen ihr Kaka in den frisch geharkten Sand des Nachbarn, weil Schmutz eine Exportware ist. Abends dann werden die Picassos, Schmunzeln und Herbertchen zur Tür gerufen in schönstem Weichdeutsch, aus dem die Liebe zum Fellträger trieft. Wenn man in solch einer Gegend wohnt, dann weiß man um die kleinen schwarzen Tüten in den Händen der Kötaseurs, kennt die Namen und die Rassen der vierbeinigen Freunde auf den Sofas der Einsamen. Hat er keinen heiseren Kläffer, dann wenigstens einen Porsche oder Kinder und ein größeres Auto.
Es soll Untersuchungen geben über den Einfluss von Hund und Katze auf den Hausfrieden und das Glück der Einsamen. Mir können diese Lärm- und Schmutzmacher nur ein müdes Lächeln abgewinnen. Die Wildschweine in den Berliner Wäldern sind mir angenehm. Sie bellen nicht, grunzen nur leicht, wenn wieder einmal ein dummer Hund sich vor eine Duftwolke stellt und den Bello gibt, der so blöd ist und nicht bemerkt, dass die Wildsau sich für Köter nicht die Bohne interessiert.
 

10. Juni 2017

Zwetschgenkuchen, Schokolade und immer wieder Kekse. Eine Freundin klagt: Warum macht Kuchen dick? Macht er doch gar nicht, antworte ich und lache. Wieso? Schau mich doch an! sagte sie. Ich schaute und sah eine rundliche Frau vor mir mit sehr ansprechenden Speckröllchen um den Bauch. Du siehst doch zum Anbeißen aus, ehrlich. Ich will aber nicht, dass du mich anbeißt. Keine Sorge, tue ich nicht. Und dein Mann? Der ist schlank und kann essen, was er will. Der streichelt mir jeden Abend meine „wunderbare Haut“, wie er sagt, dreht sich dann auf die Seite und beginnt zu schnarchen. Und das lässt du dir gefallen? Was soll ich machen? Schaff dir einen Freund an. Ich kenne einen, der steht auf Speckröllchen und glatte Haut. Soll ich dir mal seine Smartphone Nummer geben?

Geerne, sagte sie sehr gedehnt, geerne. Werde ihn mal anrufen. 4 Wochen später traf ich sie. Sie strahlte und flüsterte: Das hat geklappt. Was? wollte ich wissen. Na, der Anruf, der war sehr erfolgreich. Wir haben uns schon zweimal getroffen. Na und? Der steht auf meinen Körper und knetet mich zwei Stunden. Dann küsst er mir auf den Mund, gibt mir einen Klaps auf den Po und verabschiedet sich.

Und was sagt dein Mann? wollte ich wissen. Der sagt neuerdings immer zu mir, dass ich gut röche und wo der Grund liege. Mein Masseur hat ein gutes Körperöl. Ich nannte ihm die Marke. Nicht lange, und er brachte dieses Körperöl mit nach Hause. Darf ich dich einreiben? fragte er. Geerne, sagte ich und zog mich aus. Erst streichelte er mir die Hüften, dann rieb er sie ein, nahm mich in den Arm und küsste mir den Bauch. Entzückt seufzte ich. Warum seufzt du? Ich freue mich über deine warmen Hände und über die ersparten 50 Euro, die ich meinem Masseur zahlen musste. Er starrte mich an und stotterte: Was hat der denn massiert? Alles, sagte ich, alles. Und das macht er sehr gut. Was meinst du, wie die folgenden Wochen aussehen werden? wollte ich wissen. Er freut sich, weil wir jetzt so viel Geld sparen können.

 

 

 

 

 2. Juni 2017

 
All die kleinen und großen Ganoven und Fieslinge
Gut, dass wir die Trumps haben, die Erdogans und die Le Pens. Sie reichen in der Regel des tristen Alltags, um den Frust über schlimmes menschliches Verhalten in dieser Welt abzureagieren. Ein Name reicht und schon schnaubt die Wutmaschine in uns, wünscht Tod dem Teufel und zerschlagene Kniescheiben dem Böswilligen. Das könnte reichen, um unserer eigenen Kritikfähigkeit genüge zu tun, wenn wir Unterdrückung, Verleugnung und debilen Größenwahn in unserer Kammer einsam beschimpfen. Nur dieser amerikanische Größenwahn des Sohnes eines Puffbetreibers oder die kleinbürgerliche Machtlust eines türkischen Honigverkäufers reichen nicht als Klagemauer. 
Der Blick in eigene Familien erschüttert die triste Seele des Selbstzufriedenen öfter als man glaubt. Wenn man zum Beispiel erfährt, dass ein eigener Onkel für die angestellte Tante nie die Rentenversicherung bezahlt. Sie erfuhr dies, als sie ihre Rente beantragen wollte und man ihr mitteilte, sie habe keinen Anspruch. Sie war enttäuscht, weinte, weil sie sich betrogen fühlte um die Früchte ihrer Arbeit. Und der Onkel? Der, so wurde berichtet, zeigte keine Regung. Seine Frau hatte diese Maßnahme des Nichtzahlens vor langer Zeit von der Idee zur Sparsamkeit in die Praxis des reich werdenden Kaufmanns hinübergeführt.
Als ich dies aus der Vergangenheit meiner Familie hörte, war ich erzürnt. Selbst die Tatsache, dass dieser Onkel mit seinem Mercedes tödlich verunglückte wegen seiner schlechten Augen. Er hatte ein Vorfahrtsschild nicht gesehen. Dieser Umstand brachte ihn um das Leben, das er noch mit seinem Reichtum genießen wollte. Und wie das Schicksal spielt: Diese Tante bekam die Rente einer alten Freundin, die mit der Rente ihres Mannes ausreichend versorgt war. So gibt es neben allem Bösen auch noch das Gute. Das lässt für die Menschheit hoffen bei allen Affentänzen der bekannten und weniger bekannten Egomanen im öffentlichen Leben.
 
15. Mai 2017
 
Es klingelt
Manchmal gibt es Überraschungen, die von der Unterbrechung eines laufenden Vorgangs zum Staunen führen, zu Gedanken an etwas, die davor noch kein Thema waren. Es klingelt also. Der Blick aus dem Fenster zeigt ein unbekanntes Gesicht. Ich öffne die Tür und frage: Ja bitte? Die Frau, schlank und mit kurzen dunklen Haaren, ruft mir vom Gartentor aus zu: Wir sind wieder da mit Äpfeln und Kartoffeln!
Ich komme zu ihnen, sage ich, wechsle die Schuhe und gehe zu ihrem VW-Bus. Die Frau ist im Wagen, nennt zwei Apfelsorten, Gala und Boskop, und sagt ferner, die Kartoffeln seien festkochend. Fünf Kilo, bitte! Sie wiegt sie mir in einem durchlässigen Säckchen aus geflochtenen Kunststofffasern ab. Die Waage ist eine Handwaage, wie sie nach dem Krieg die Schrotthändler hatten. Sie hängt den Sack an den Haken und bestimmt das korrekte Gewicht, hoffe ich. Von den Äpfeln möchte ich nur Boskop. Ich zahle fünfzehn Euro für Erd- und Himmelsäpfel. Wir kommen in ein Gespräch. Ich freue mich in kurzen Sätzen über die Wiederkehr des so schönen Ostens. Sie kommt aus Rheinsberg, das ich von Tucholsky kenne, der das Schloss in einem seiner Romane als Kulisse hat. Dort sei ich gewesen und reise jetzt so gerne in den Osten. Sie reist lieber nach Bayern. Jetzt sei sie in Lissabon gewesen. Ihre Töchter wohnen in Berlin. Wir sprachen über manches und auch über Bir. Ihr Mann trinke Bier nur zu besonderen Anlässen. Warum wir darüber sprachen, weiß ich jetzt nicht mehr. Klar wurde mir, der Gesprächsstoff mit ehemaligen Bewohnern der DDR ist immer wieder vorhanden, und wenn es nur um Mietpreise und Reisen geht. Eine Frage stellte ich mir, als die Frau davongefahren war: Warum sprach sie von wir, wenn sie alleine war? War es Angst, war es Bescheidenheit oder wollte sie die Äpfel und Kartoffeln zu ihrer Reisegruppe zählen? Seltsam, dass der Plural in diesem Zusammenhang in mir ein wenig Verwirrung gestiftet hatte. Der Boskop schmeckt übrigens gut.
 
 
 
5. April 2017
 
Deutschland ein Abzockerstaat?
Manchmal platzt mir der Kragen. Zum Beispiel bekam ich gestern Zinsen auf meinem Konto ausgewiesen, genau 1,50 €. Sah gut aus in Zeiten zinsschwacher Verhältnisse. 1,50 €. Wow! Und dann die Überraschung: Von diesem riesigen Ertrag zog der Staat fast 45 Cent Steuern und andere Abgaben ab. Der sogenannte Soli z. B. ist die größte Frechheit. Damit muss die sparsame Bevölkerung vermutlich die überhöhten Gehälter solcher Leute wie Pofalla, Dobrind und anderer geistiger Kleingewerbetreibender bezahlen. Ich finde das Alimentieren von Schmarotzern verwerflich. Geldertragssteuern sind eine Seite des Wegelagererverhaltens verbeamteter und  gewählter Korintenkacker. Ich mache einmal eine kleine Rechnung auf: Nehmen wir an, ich habe 1000 €. Von diesen tausend Euro kaufe ich für 400 € unterschiedliche Waren. Die enthaltenen Mehrwertsteuern liegen bei ca. 70 €, großzügig gerechnet. Zu meinen Geschäften muss ich mit dem Wagen fahren. Das sind für Einkäufe in meinem Fall 100 km, wofür ich 8 l Benzin benötige. Bei einem Preis von 1,30 € pro l zahle ich ungefähr 4,50 Steuern. Das sind bis jetzt ca. 75 €. 300 € spare ich. Mein kleiner Zinsertrag wird wieder besteuert. An Jahreszinsen bekomme ich 1,50 €. Davon kassiert der Staat ein Viertel. Ich habe gespart und werde bestraft. Meine Steuern für Kapitalertrag sind höher als die Mehrwertsteuer. Das nenne ich eine Strafe. Spaßeshalber stelle ich mir vor, ich kaufe für 50000 € Aktien von Mercedes. Ich habe zwar nicht so viel Geld, doch stelle ich es mir vor. 700 Aktien kann ich je nach Kurssituation dafür bekommen. Daimler zahlt pro Aktie 3,25 € Dividende, und das ergibt eine Bruttoeinnahme von 2275,00 €. Von diesem Betrag zieht das Finanzamt mehr als ein Viertel ein. Das sind vielleicht 600 €. Ich freue mich nicht. Stelle ich mir vor, ein Mensch kauft für 500000 € Aktien, dann muss er 6000 Euro Steuern und Abgaben zahlen. Für sein Geld musste er schon Steuern zahlen als Arbeitnehmer. Das war sicherlich eine ganze Menge. Bei mir war es genau so. Meine Lohnsteuer beträgt 30 %. Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, in diesem Lande ausgeraubt zu werden. Von der Sozialhilfe zu leben, ist sicherlich der einfachere Weg. Also Freunde, werden wir Benefizer, wie sie in England heißen. Das hört sich im Deutschen doch positiv an, oder?

 

 

 

 

 

21. März

verblühende rosen
so kann es sein: ein mann kauft fast verblühte rosen, große rosen, rote rosen, rosen ohne duft. er besucht seine mutter und schenkt ihr die blumen. hocherfreut nimmt sie den strauß entgegen, wohl wissend um die nachlassende kraft der blüte. der nicht mehr kräftigen farbe. alles verblasst, auch die beziehung des unverheirateten mannes. er ist allein und sucht im dunkel von von fehlender nähe die wärme eines weiblichen körpers.
eine krasse situation, die eine ahnung wiedergibt von den beziehungsschwierigkeiten des modernen menschen, der zwischen fastfood und lärmender straße sein ich zu entdecken sucht und dabei auf große schwierigkeiten stößt. nähe wird, so scheint es, als bedrohliche situation empfunden, deren bloße präsentation den menschen zu fluchtgedanken tendieren lässt. die vorstellung, jemand könne sich nicht entscheiden zwischen geist, körper und sosein des gegenüber generiert angst vor verlusten, wiederkehrenden verlusten, in denen die trauer über vergeblichkeit des glücklichen seins als nukleus angelegt ist, als explosive ladung für die eigene suche nach selbstvollendung durch den anderen.
cassavetes werk über eine zweierbeziehung ist fast vierzig jahre alt und in seiner schaffensleitenden idee hochaktuell. es gibt ein beispiel für öffentlich glückssuche, nämlich die des österreichisch bauunternehmers richard (mörtel) lugner. jener ist ist von der überzeugung eingefangen und in seinem handeln gesteuert, reichtum könne glück kaufen, glück, das auf zwei beinen sich bewegt und weiblich ist. ein trugschluss, die unerträgliche leichtigkeit des seins im reichtum als die lösung aller emotionalen defizite zu erhoffen. derartige erwartungen lassen sich nur schwer einfordern, denn sie machen ihre infizierten zu opfern einer permanenten ruhelosigkeit. ein junges beispiel ist der gedankenlose zustand des amerikaners mit dem blondhaar des 70jährigen. man nennt ihn jetzt präsident von amerika. seine soziale entourage wird beengt durch die kälte des zentral regierenden materialismus.
quod est demonstrandum.

 

 

 

 

 

 

4. März 2017

 

Der Lärm der Stille

Ich hatte ein Brummen im Ohr, hörte viele Geräusche durcheinander und fühlte mich irgendwie genervt. Das hat mit dem Leben in der Großstadt zu tun, dachte ich. Nicht alle meine Freundinnen und Freunde litten unter Lärmbefall. Welche Ursachen meine Lärmempfindlichkeit hat, wusste ich nicht. Ich ging auch nicht zum Arzt. Einen Tinnitus hatte ich auf keinen Fall.

Ich suchte nach Befreiung von dieser Lärmlast und ließ mir ein Kloster in einiger Entfernung empfehlen. Innerhalb von drei Tagen hatte ich mir einen Teil meines Urlaubs geben lassen und fuhr mit dem Auto mehr als 200 km. Empfangen wurde ich an einem großen, schweren Tor von einer jungen Nonne. Namen und Adresse musste ich auf einen Vordruck schreiben. Sie überreichte mir ein Informationsblatt und führte mich zu einer Klause, in der nichts als ein Bett, ein Schrank, ein Sessel und ein Tisch mit einem Stuhl standen. Als hinter mir die schwere Zellentür ins Schloss gefallen war, umgab mich eine eiserne Stille. Anfangs empfand ich sie als bedrohlich, weil ich gar nichts hörte. In dem Sessel sitzend lehnte ich den Kopf nach hinten und starrte an die weiße Decke. In einer Ecke hatte sich eine kleine Spinne inmitten ihres Netzes eingerichtet. Nichts hörte ich, keine Vogelstimmen, keine Menschenstimmen, kein Hundegebell, auch kein Flugzeug, nichts. Mir dämmerte, dass das Nichts, das Klangnichts wirklich existiert.
Nach einer Woche fühlte ich mich einsam, weil kein Bild und kein Geräusch mich von mir ablenkten. Ich saß stundenlang, bewegte mich kaum. Irgendwann hörte ich etwas. Es musste mein Blutkreislauf sein. Aus meiner Bauchgegend kamen Geräusche wie aus einem Gärungskessel, mein Skelett machte leise Knackgeräusche. Ich glaubte sogar meine Haare wachsen zu hören und das nächtliche Mahlen meiner Zähne.

 

Von Tag zu Tag wurden die bedrohlichen Geräusche lauter und stiegen an zu einem kakophonischen Lärm. Der war weder harmonisch noch für mich in den Einzelgeräuschen  zu orten. Mir wurde unheimlich vor dieser verborgenen Geräuschwelt. 
Einen Tag später verließ ich das Kloster. Kaum war ich wieder in der Außenwelt, als die Summe der Geräusche des alltäglichen Lebens mir ein Lächeln ins Gesicht zauberte. Wie wohltuend war ein Autohupen gegen die Knackgeräusche meines Skeletts.

 

 

 

28. Februar 2017

The World in Trouble
Es ist nicht nur England, das die Denkmöglichkeiten so mancher Europäer ins Wanken bringt mit Fragen nach dem Sinn aller zu erwartenden Ereignisse. In Polen sitzt auch eine Politikerin auf einem fetten Stuhl, der sie beim Lesen falscher Geschichtsbücher trägt. Dann gibt es noch das Ungarnland, das wunderbaren Räucherkäse produziert und einen Orbanisten als Politiker hat, der den Bürgern das Atmen schwer macht. Das merkt nicht jeder. Denn so mancher hält für frische Luft, was der Gestank aus den Särgen verschimmelter Nazis ist. Und dann erst die Franzosen, in deren Land eine schwadronierende Schweinebacke gelbhaarig von politischen Verbesserungen faselt und einen Menschen wie Trump zu den homo sapiens zählt, obwohl dieser nur ein Wegelagerer ist, dessen einziger Wunsch die Mehrung des eigenen Reichtums scheint, den er in einigen Jahren in vergilbter Unterhose genießen möchte.
Richtig, die Welt zeigt im Augenblick einige geistige Müllhalden, auf denen sich auch in Deutschland verwirrte Menschen wie Frauke, na wie heißt sie gleich?, ach ja, Petry!ihre mentalen Diäten verschafft. So mancher kennt diesen Familiennamen aus anderen Kontexten, der bei den Anglern regelmäßig gebraucht wird: Petri Heil! rufen sie, wenn sie sich einen guten Fang wünschen. Wer bei diesem Wunsch Böses denkt, könnte sich im Moment noch irren. Langfristig weiß man nie, oder?

 

 

26. Februar 2017

 

Zwillingsschmerzen


Manche Erfahrungen und Informationen hinterlassen nur einen schlechten Geschmack in Mund und Verstand und verschließen Gehörtes mit dem Satz: Das darf doch nicht wahr sein! Ich hatte mich beschäftigt mit zwei Romanen. Der eine beschäftigte sich mit dem Verlust einer frühen Liebe. Das war nicht mehr als ein Rückblick auf das Leben eines Versagers, der sich selbst nie richtig entscheiden konnte. Der andere noch zu vollendende Roman hatte im Zentrum des Betrachtens die Trauer eines Ichs über eine Fehlverwendung des eigenen Spermas: Ein Mann hatte eine Frau geschwängert, die ihm nach der Entbindung offenbart, sie sei lesbisch. Aus diesem Erlebnis gewinnt der Erzähler eine enorme Fabulierlust über Penisstolz und Spermaverlust. Das ist Stoff, aus dem unter bestimmten Sprachumständen Langeweile beim Leser generiert wird. 

Was mir jedoch das echte Leben offerierte, war die Erfahrung eines Zwillings mit ihrem Parallel-Ich, ihrer Schwester. Eine unrühmliche Rolle in dieser Zweierbeziehung spielt eine Psychotherapeutin. Die Rolle ist so erstaunlich autoritär unmenschlich, dass mir als dem Zuhörer sofort der Gedanke kam, der Frau die Approbation zu entziehen und sie weit weg irgendwo in Australien in der heißen Sonne dieses Landes anzusiedeln. Was hatte bei der Schwester vorgelegen? Sie habe, so meine Informantin, eine absolute Entscheidungsschwäche gehabt, die es ihr unmöglich gemacht hätte im Leben selbst-organisiert zu leben. Die von der Schwester aufgesuchte Psychoärztin habe nach eingehender Diagnose zwischen den Schwestern eine Kontaktsperre verhängt, weil sie glaubte einen unguten, zu starken Einfluss der mich informierenden Schwester erkannt zu haben und aus der Beziehungsabstinenz eine wirkungsvolle Therapie abgeleitet hatte. Jahrelang sahen die Schwestern sich nicht. Zu Ohren kam meiner Information, dass nach Jahren keine Besserung eingetreten sei und das Leben ihrer Schwester immer noch von den früh diagnostizierten Unfähigkeiten bestimmt sei. Dann sei der Tag gekommen, an dem sie von der tödlichen Krankheit ihrer Schwester erfahren habe. Kein Besuch wurde von der Therapeutin erlaubt. Hartherzig hielt sie die Kranke isoliert bis zu deren Tod. 
Als sie mir davon erzählte, flossen ihr einige Tränen über die Wangen. Meine Schlussfolgerung: Die erwähnte Therapeutin muss eine Hexe sein, ein menschenunfreundliches Wesen, das von den Aufgaben des Arztes nichts weiß, nur von ihrer eigenen Omnipotenz.

 

24. Februar 2017

 

Wasser mal weich, mal hart, mal schmutzig, mal ...
Der Sohn einer Freundin hat ein Problem mit Wasser. Wann immer seine Mutter den Achtjährigen unter die Dusche oder in die Badewanne bittet, flüchtet er und ruft um Hilfe. Er scheint eine panische Angst vor Wasser zu haben, hält es für zu hart oder zu weich. Schwimmen lernen möchte er nicht. Das Wasser sei ihm zu hart. Woher diese Reaktion? Als Dreijähriger ist er einmal ohne Angst von einem Dreimeterbrett ins Wasser gesprungen und auf dem Bauch gelandet. Das hat ihm wohl sehr weh getan. Seine Haut war gerötet und er schrie laut. Schimpfte mit seiner Mutter und seinem Vater. Der wiederum war rigoros und sagte: Stell dich nicht so an! Die Mutter geht etwas sanfter mit ihm um und versucht ihm die Reaktionen von Wasser zu erklären:
Wenn Wasser sich hart anfühlt, dann hat das etwas mit der Geschwindigkeit des Berührenden zu tun, wenn es sich weich anfühlt auch. Also, im Schwimmbad, bewegst du dich langsam. Was fühlst du? Natürlich weiches Wasser. Du musst dich langsam bewegen, sonst gehst du unter. Du kannst dich nicht an weichem Wasser festhalten. Im Sommer, sagt der Sohn. Im Winter doch, dann ist es Eis. Und was ist härter? fragt die Mutter, wenn du aus drei Metern Höhe auf Eis springst oder auf nicht gefrorenes Wasser? Ihr Sohn lacht: Mama, du hast keine Ahnung. Eis ist kein Wasser. Doch, sagt die Mutter. Na, Mama, geh doch mal zur Eisdiele und bestelle eine Kugel Wasser!
Sie lachte und rief: Schluss jetzt, denn Logik ist zu schwer für dich! Ihr Sohn wurde wütend. Du bist unlogisch, schimpfte er. Hör mal zu, sagte die Mama: Was ist der Unterschied zwischen Fleisch und Wurst? Da gibt es keinen. Und, fragte die Mutter: Wenn einer Holz bestellt, lieferst du dann Sägespäne? Du bist doof, Mama. Mit dir will ich nicht mehr quatschen. Was, fragte ich meine Freundin, hast du nun gewonnen. Eine Einsicht. Und dein Sohn? Auch. Welche? Logik ist nicht gut in MutterKind- Gesprächen. Geht einfach nicht.

 

 

21. Februar 2017

 

Was ist mit uns Frauen los?
Gibt es diese Ergebenheit der Frauen nur in Russland oder gibt es sie auch hier? Noch scheint es so, dass Frauen sich in Deutschland gegen Männergewalt wehren. Dort, wo die konservativen Seelen wieder mehr und mehr den Puls der Zeit bestimmen, lässt sich anderes vernehmen. Die russischen Frauen finden häusliche körperliche Züchtigung nicht mehr verachtenswert. Das zumindest signalisiert die Initiative einer Politikerin im Reiche des Herrn Putin, wenn diese fordert, körperliche Gewalt durch Ehemänner in einer häuslichen Gemeinschaft nicht mehr unter Strafe zu stellen. Oder eine Türkin äußerte bei einer Kundgebung zu Gunsten des Herrn Erdoban, einer müsse das Sagen haben nach Allah und den Ehemännern. Das sei eben der verehrte Herr Erdoban im großartigen Türkenland. Täuscht nicht alles, werden sich die Bewohner der Türkei für ihre eigene Unmündigkeit entscheiden. Hat das nicht alles mit einer Form von Masochismus zu tun, der nach der Mensch das Leiden als Wohltat empfindet? Nun, zugegeben, in der käuflichen und geschenkten Erotik ist das Fesseln eine der häufigen Übungen, auch das Auspeitschen. Schmerz und Bewegungsunfähigkeit werden als angenehm empfunden. Denkt man weiter, gelangt man auf kürzestem Wege zum blonden Donald, dem momentanen Präsidentendarsteller in den Vereinigten Staaten von Amerika. Da gelingt es doch einem mental sehr eingeschränkten Mann in den Siebzigern, die Frauen neben sich als Staffage zu benutzen oder als Lügenautomaten, wenn man an die Sprecherin denkt. Noch gibt es eine Melania, die jener Dealer zu seiner Ehefrau gemacht hat und gleichzeitig zur schweigenden Dekopuppe. Über vielen dieser Beispiele steht der Begriff neue Freiheit. Die Umkehrung mancher Werte scheint auf dem Weg zu sein.

 

Der Teufel greift in das tägliche Leben der Welt ein/ 3.2.2017

 

Als ich Kind war, hatte ich kein Verhältnis zum Teufel, denn er war für mich schlichtweg eine Erfindung malerischer Fähigkeiten kunstbegabter Menschen. Alle bösen oder zu lieben Menschen hatten für mich nur eine Macke. Ich wollte sie nicht ernst nehmen und hielt sie für sehr vergänglich. Mittlerweile muss ich meinen Irrtum einsehen. Ich sehe sie und höre von der Kohorte des Trumps aus Amerika und seinen Ebenbildern auf dieser Seite des Atlantiks, die Le Pens , Orbans und den grauhaarigen Holländer mit dem Wahrnehmungsfehler. 
Auf den von solchen Kreaturen gepflasterten Wegen bewegt sich zur Zeit eine Menge von Vertretern der Unmoral. Es sieht so aus, als hätten die narzisstischen Herrschsüchtigen Bewegungen erfunden, die der Volksgesundheit abträglich sind. Man schaue ins Internet und gebe Wörter wie Sex und Ficken ein. Unendliche Webseiten offerieren schlüpfrige Angebote voller Fotos von Menschen, deren liebste Beschäftigung das Zeigen ihres nackten Körpers ist. Nimmt man sich die Freiheit und öffnet eine oder mehrere dieser Seiten, hagelt es Stunden oder Tage später Angebote von Körperkontakten. Der Wortschatz der offenen Unterhosen breitet sich aus und schreit: Wir wollen gefickt werden! Fick mich, ich brauche eine harte Hand! Bei mir gibt es alles von Schwanzlutschen über Natursekt bis  Peitschenhiebe. 
Erstaunlich ist diese konzertierte Aktivität schon, scheint sie doch nichts anderes zu wollen als die Gesundheit der Bevölkerung zu schädigen. Die Zeitungen schreiben vermehrt von Geschlechtskrankheiten. Der lesende Mitbürger hat sicher von den Geschlechtskrankheiten des Philosophen Nietzsche gehört. Er war nicht der einzige, dem das Gehirn aufweichte und im Gemütsdämmer vermoderte. Ein Witzbold sagte mir, Trump müsse den Verfall der Kulturen studiert haben, um daraus Strategien für sein Handeln abzuleiten.
Unabhängig von der enormen Verbreitung der Sexsucht findet sich eine immer stärker werdende Lust am Töten. Das haben die Attentate und Kriege der letzten Jahre und Jahrzehnte gezeigt. Woher weiß man von diesen Taten? Es sind die Medien, die sich häufig nicht scheuen von Gewalttaten zu berichten. Der Tod ist der Stoff, aus dem die Schäume sind, die auf den Lippen der lustvoll geifernden Kreaturen entstehen, die geboren wurden, um Chaos in die Welt zu bringen. Jeder einzelne Mensch in Europa und Amerika, in Russland und Asien, sollte sich wehren gegen die Verrohung der Welt. Fick dich! sagten die Englisch Sprechenden. Genau, lasst die geistigen Schrottverwerter nicht erstarken! Zeigt ihnen die kalte Schulter, auf dass sie an ihrer Ablehnung erfrieren.

 

 

 

 

 

 

 

28. Januar 2017

 

Essen wärmen
Manche mögen es heiß, manche warm, manche kalt. Zu tun hat das mit persönlichen Zeitvorräten oder Einstellung zum Essen. Viele Menschen schlagen sich mit Stullen durchs  Leben, andere mit Hamburger. Dann gibt es da die Nudel- und Pizzafreaks. Schnelle Fertignahrung kann man an Kiosken kaufen, viele selbst zubereiten. Doch es gibt auch solche, die sich und ihrer Familie Essen für einige Tage kochen. Da kann es dann mal passieren, dass ein Sohn sich seine Nahrung aufwärmen muss und keinen sauberen Topf findet. Kalt essen möchte er nicht, abwaschen auch nicht. Es ist Winter, also kann man sein Essen nicht in die wärmende Sonne stellen. Was könnte ein fauler Sohn tun? Richtig! Er sucht sich den Föhn der Familie und hält ihn 15 Minuten über die Mahlzeit. Wenn die Mutter nach Hause kommt und nach der Freude am Essen fragt, bekommt sie als Antwort: Kalt hat es nicht so gut geschmeckt. Warum nicht? ist die Frage. Und die Antwort: Der Föhn war nicht heiß genug. Ja gibt es denn so was?
Oder folgender Fall: Einem Nachbarn hatte man den Strom gesperrt, weil er die Rechnungen nicht bezahlt hatte. Da er einen Elektroherd hat,  konnte er seine Kochstelle nicht nutzen. Also kaufte er sich bei einem Discounter Dosennahrung. Zuhause musste er feststellen, dass kalte Dosennahrung nicht schmeckt. Er nahm seinen Campingkocher für Gas, stellte ihn wegen der Helligkeit in die Nähe des Fensters und entzündete die Flamme des Kochers. Leider hatte er die Nähe der Vorhänge zum Fenster übersehen. Ein leichter Windstoß brachte sie in die Nähe des Kochers, dessen Flamme sie entzündeten. Mit Mühe konnte er die Flammen löschen. Das Luxusmenü schmeckte ihm nicht, weil er den Fensterbereich seiner Wohnung reinigen musste. Was sagt uns das? Wer mit dem Feuer spielt, dem vergeht der Appetit.

 

 

 

 

 

 

23. Januar 2017

 

Alles verloren

 

 Ich schaue in meine weitere Nachbarschaft und pflege meine Träume, Urteile und Vorurteile. Bekannt sind überall irgendwann Schwierigkeiten unter Nachbarn, auch in Großstädten oder dort besonders. Es gibt keine öffentlich zugängliche Statistik. Vielleicht bei der Bildzeitung. Nur notiert dieses Blatt ausschließlich jene Vorfälle von allgemeinem Interesse. Dazu gehören heftiger Streit mit Todesopfern oder Verletzten. Schön ist es für die Journalisten, wenn im Zentrum der Berichterstattung ein Promi steht.

In meiner Nähe ging es nicht um einen Promi, sondern um einen Mann mit besonderem Gebaren. Er stand sehr gerne in seinem Garten, angezogen mit einer roten Jacke, auf dem lichteren Haar einen schwarzen Hut mit breiter Krempe. Er liebte sich als Experten, stellte sich nach hinten gebeugt an irgendeine Stelle in seinem und hielt die gestreckte Hand weit von sich entfernt, als wollte er die Größe des Gartens vermessen und den Pflanzen befehlen zu wachsen. Das ging einige Monate gut, bis sein gelegentliches Personal ihn schimpfend verlassen hatte.

Als ich die Tage nachmittags nach Hause kam, führten  ihn zwei Personen ab. Ich verstand das alles nicht, bis eine Bekannte mir erzählte, dass er total verschuldet sei. Er habe sich das Haus gekauft und dann für etwas mehr als 200 000 Euro Umbauten vornehmen lassen, Tiere eingekauft und sie auf seinem Grundstück angesiedelt. Eine Vogelgesellschaft lärmte fast jeden Tag ab dem frühen Morgen und beehrte die Nachbarschaft durch ihre Verdauungsspuren. Post stapelte sich in seinem Briefkasten, den er nur noch in den Mülleimer entleerte. Man vermutete, er erhielte hauptsächlich Mahnungen. Mit niemandem sprach er, sein Auto war beschlagnahmt und das Grundstück verwahrloste. Bis man ihn am Ende abholte. Er wurde in eine Anstalt verfrachtet. Man sagte, er sei manisch depressiv geworden über seine kaufmännischen Misserfolge und habe vermutlich als Therapie den Kaufrausch entdeckt. Was er nicht verstand, war der Wunsch der Geschäftspartner, bezahlt zu werden. Ich erinnere mich an sein Schimpfen, als man ihn abholte.

Vor kurzem wurde sein Haus versteigert. Für relativ wenig Geld, weil Haus und Garten so heruntergekommen waren. Die Nachbarn und Kaufleute wissen nicht so recht, ob sie diesen Menschen verachten sollen. Allgemein gilt die Volksmeinung: Wenn ich kein Geld habe, kann ich mir auch nichts leisten. Irgendwie richtig, diese Vorstellung. Aber, wo leben wir denn? Genau: Im Zentrum des Warenversprechens: Kaufe und du bist glücklich!

23. Januar 2017

 

 

 

 

18. Januar 2017

Ich sage es einmal so: Mit solch einer Floskel fangen viele private Wahrheiten an, von den die sie äußernden Menschen hoffen, sie im Fegefeuer der denkenden Sucher wiederzufinden. Ich sage es einmal so: Ich gehöre zwar nicht zu ihnen, dennoch hoffe ich auf die Gültigkeit meiner Wahrheiten. Zum Beispiel diese: Nachts ist es kälter als draußen. Schwamm drüber: Das ist ein Witz. ä
Eigentlich meine ich die jetzige Welt, viele Menschen mit tätowierter Ratlosigkeit im Kopf. Da steht zum Beispiel auf dem linken Unterarm: Deine Faust gehört dir. Oder auf dem Rücken eines Adipösen: Lass dich nicht von links überholen! Eine junge Frau hat auf ihrer linken Schulter einen Penis tätowiert. Daneben stehen drei Wörter: Lass jucken, Knacker! Die Vielsprachigkeit dieser Welt ist umwerfend, wenn man Tätowierungen einbezieht. Zum Beispiel der kleine Skorpion auf der Pobacke eines schlanken Mädchens. Die Aufforderung scheint klar: Stich mich, wenn du dieses Bildchen siehst. Manche Menschen haben die Fotos ihrer Helden und Heldinnen  auf Arme, Hände oder sogar auf einer ihrerWangen verewigen lassen. 
Berühmt war - lange ist es her - der Fastslogan "I like Ike." Gemeint war damit der amerikanische Politiker Eisenhower, dem die Deutschen vermutlich viel zu verdanken haben. Als Tätowierung fand sich diese verkürzte politische Meinungsäußerung auf vielen Unterarmen. Raucher setzten dazu noch die Zigarettenmarke Marlboro. Diese Glimmstengel hatten einen hohen Modewert, denn sie zeigten Vorlieben für Amerika, dem Land so vieler Träume.
Neuerdings ändern sich die Vorlieben in Abneigungen. Die ganz Wütenden mit Vorlieben für eingeritzten Körperschmuck lassen sich begeistern für politische Aussagen der besonderen Art. So sah ich das Photo eines auf dem Oberarm tätowierten Anus. Darunter stand nur ein Wort: Trump. Das Foto zeigte einen weißen Amerikaner, der eine Daueraussage in Kurzform machen wollte. Die meisten Tätowierungen zeigen, wie die Cartoons, kleine Trump-Köpfe mit viel Kopfhaar. Einigkeit besteht also, den größten Schattenwurf nicht als Denkerkopf zu sehen.
Private Wahrheiten? Sie sind es zweifelsohne, solange das Hirn des Taktierers nicht pathologisch untersucht ist.
Ich persönlich lehne Tätowierungen als Hautverschmutzung ab. Kritik auf Papier ist mir lieber, auch Träumereien sind es. Kommt in die totgesagte Welt und schaut! Die Menschen schlafen nicht, auch wenn es so scheint.

 

Freitag, der 13. Januar 2017 - nicht mehr lange bis zur Zerstörung der gegebenen Ordnung

Vom Leben der Reichen und Armen, der Verletzten und Gesunden. Eine kurze Erforschung der Welt im Jetzt des beginnenden Jahres 2017

 

Irgendwo muss man ja anfangen. Also, warum nicht bei der Französischen Revolution? Wenn wir Heutigen darüber lesen, denken wir an Frieden, an Freude und weniger an Eierkuchen. Die Straßen waren gepflastert mit Leichen, die Krankenhäuser wohlgefüllt. Krankenkassen gab es nicht. Überleben konnte der Leichtverletzte oder der mit einem Beutel voller Geld für die Ärzte. Danach gab es schlechte und gute Zeiten, immer wieder Kriege, weil die Waffenproduzenten viele Menschen ernähren mussten. Die Landwirtschaft erzeugte Nahrung für viele und nicht für alle. Die schlimmsten Kriege sind noch in der Reichweite unserer Erinnerung, nämlich der I. und der II. Weltkrieg. Die Kriege mussten sein, denn es galt Land zu verteilen und Kraft und Führungsstärke zu zeigen. Seit 1950 ging es bergauf für so ziemlich viele Menschen. Es gab Nahrung und Arbeit für fast alle, ein gewisser Wirtschaftsminister Ehrhard träumte in der Adenauerära vom Reichtum für viele. Die Menschen wurden dicker, weil sie mehr Auto fuhren und zu viel aßen und Alkohol tranken.

Die professionellen Geschichtsschreiber schrieben von reichen Zeiten, von einer Epoche des allgemeinen Wohnstandes im Zentrum von Europa. Man hörte viele Menschen lachen, sah viele Zeitgenossen reisen und sich die Welt durch eigene Erlebnisse in die individuelle Erinnerung zu holen.

Alles war gut, wie eine gewisse Nina Ruge regelmäßig im Fernsehen feststellte. Aber nur für die Industriestaaten, in deren Zentrum das reiche Deutschland steht, vielleicht auch für das verschwindende reiche Amerika. Russland wurde reicher, jedoch nicht reich. In Afrika liebten viele Herrscher den eigenen Reichtum, vergaßen jedoch ihr Volk. Und selbst ihr Vergessen vergaßen sie. Und dann kam die Zeit der kleinen Regionalkriege und eine erneute Völkerwanderung von Süd nach Nord. Viele wollten und wollen dort hin, wo die Kochtöpfe voll sind und die Häuser warm. Die in den warmen Häusern wollen immer mehr ihre Gemütlichkeit nicht teilen und haben das Wort Hetze entdeckt. Das Fremde macht ihnen Angst. Teilen wollen sie ihren Wohlstand nicht. Teilen wollen sie ihr Glück nicht. Das Wort Nächstenliebe ist ihnen immer weniger bekannt.

Inmitten der Schar der Grollenden finden sich Putins und Trumps und Erdogans und Orbans und skrupellose Banker wie der Schweizer Ackermann. Alle sind rücksichtslos und werden es mit vielen anderen wohl schaffen, dieser Welt die Vorzüge des Mittelalters erneut deutlich zu machen. Warum sollte nicht alles zerstört werden.?Neu anzufangen, war schon immer ein besonderes Vergnügen.

 

 

 

 

12. Januar 2017

 

Nennen sie es Aldi-Denke ode auch Geiz. Zu beobachten ist der Drang der in Deutschland lebenden Menschen, möglichst billig oder auch preiswert einzukaufen.Geschenkt ist meistens noch besser. Die Verschenkenden werdenn nicht immer geliebt, meistens für doof gehalten. Die Frage ist: Wie kommt es zu solcher Denke, die nur den eigenen

Vorteil sucht? Zum Beispiel beobachtete ich bei H & M und bei Kik Frauen, die sich Textilien aussuchten. Es ging ganz konkret um ein Sweatshirt, aus Synthetik zwar, aber nur 4,50 € teuer Die Kundin beklagte sich über den Preis, wollte nur 2,50 € zahlen. Sie suchte an dem Teil herum nach Fehlern, fand jedoch keinen.Schließlich legtte sie 3,50 € auf die Theke und weigerte sich mehr zu zahlen. Die genervte Verkäuferin gab ihr das Sweatshirt für ihren Preis und entließ die Kundin mit einem"Schönen Feierabend, auch!".

Diese Begegnung war bei Kik. Eine ähnliche hatte ich bei einem schwedischen Textilhersteller.ei H & M fragte ich eine Kundin nach den Gründen für ihren Rabattwunsch.

Ihre Antwort war: Die verdienen eh zu viel! Ich wollte von ihr wissen, was für sie zu viel sei. Jedes Jahr Millionen. Eine Diskussion warn nicht möglich über Lohnkosten und Investitionen.Die Kundinn wollte auch nicht wissen, was die Textilarbeiter in Pakistan für ihre Arbeit bekommen.Das interessiere sie nicht, denn sie bekomme auch nichts geschenkt.

 

In dieser Äußerung zeigt sich der zunehmende Egoismus in der heutigen Welt. Jeder denkt an sich, an sich und immer noch an sich.

Wird man derartiges Verhalten ausrotten können? Vermutlich nicht. Zu dieser Erkenntnis kommt man, wenn man die Geschichte der Welt erforscht. Es gibt immer wieder ein Auf und Ab zwischen Reichtum und Armut.

 

Zur Zeit krönt sich der irdische Egoismus mit einem Kasino-Betreiber in der Neuen Welt. Raffen ist Ziel und Methode. Zwischen alles Gesagte werden Nebelkerzen geworfen, um den klaren Blick der Menschen unmöglich zu machen. Er lässt die Kugel rollen und sagt vor dem Ende einer jeden Runde: Nichts geht mehr!

Wie schrecklich das alles, wenn die Blinden (in diesem Fall die amerikanischen) einen Oberblinden zu Hüter der Farben aufrufen. Es darf abgeräumt werden!

 

5. Januar 2017

 

Kinder und die Zukunft
Wir sind erschüttert beim Anblick von Fotos aus Krisengebieten, Fotos mit Kindern in Notsituationen, mit flüchtenden Kindern, frierenden Kindern, weinenden Kindern, hungernden Kindern, einsamen  Kindern. Es gibt Meldungen von Morden, grausamen Morden an Kindern, von Kriegern, deren Wut sich an Babys und Kleinkindern entlädt, jener menschlichen Altersstufe voller Einsam- und Hilflosigkeit. Das sind Szenen aus Kriegszeiten, deren Verursacher Putin oder Assad oder IS heißen. Eine der schlimmsten Bühnen dieser Welt. Ein zur Zeit in den Kinos laufender italienischer Spielfilm zeigt die sogenannten Verrückten in einer sogenannten normalen Welt. Sein deutscher Titel: Die Überglücklichen. Komik und Trauer bestimmen die Geschichte. Dem Kinobesucher wird mit Erschrecken deutlich, nicht erkennen zu können, wer die Normalen und wer die Verrückten sind. In manchen Zuschauerköpfen rumort es, wenn sie an Trump, Putin, Erdogan, Stalin oder Hitler denken. Sollten unter den die Macht suchenden Politikern vielleicht eine große Anzahl Verrückter sein? Wer den unsteten Blick eines Herrn Putin oder das malade Geschwätz des blonden Trump erlebt, dem öffnet solch ein Film die Augen. Wie ist es denn mit Frau Merkel? Ich glaube, man kann sich in diesem Fall beruhigt zurücklegen, denn Angela Merkel ist eine Wohltäterin, auch wenn man ihr Machtgelüste nachsagt. Doch seien wir mal ehrlich: Kann man ohne einen gesunden Machtinstinkt führende Rollen einnehmen? Die Antwort liegt nahe: Man kann es nicht. Beispiele hierfür sind in Deutschland z. B. Per Steinbrück oder Friedrich Merz.
Bei allem Interesse an sozialpsychologischen Beobachtungen im Bereich Politischer Leitfiguren, sollte ein Blick in die eigene Nachbarschaft von Straße oder Stadt nicht fehlen.
Wie leben die Menschen dort? Haben sie Kinder oder keine und warum? Interessant sind die Dinks, die Doppelverdiener, deren Interesse an einem Kind gleich null ist. Ihr verdientes Geld dient nicht der sozialen Stabilisierung der menschlichen Gemeinschaft durch Kindererziehung, es schafft ihnen Repräsentationswerkzeuge wie teure Autos, Häuser, luxuriöse Urlaube und Tiere für die Freizeit. Da gibt es zum Beispiel viele Reiter, die den Sinn eines Pferdes in bloßer Freizeitgestaltung sehen. Zum Beispiel berichten sie von der Neugier ihrer Pferde, von der Anhänglichkeit. Solche Menschen betreiben die Umwertung von Werten, indem sie das Tier über den Menschen setzen und ihr Tun als legitim ansehen. Riding a horse is good for me, wie sie in ihrer Weltläufigkeit gelegentlich formulieren. Pferde gehorchen und Hunde auch. All diese Feststellungen weisen auf eine verkappte Herrscherhaltung hin. 

Kinder? Nein, die sind zu anstrengend. Wie soll denn dieser Planet Erde gerettet werden? Die einzige Möglichkeit bieten menschenliebende Kinder, oder? Manchmal ertönen Stimmen, die die Weiterbesiedlung der Erde durch Roboter favorisieren. Doch der Kinobesucher kennt den Film "Terminator". Maschinen, so lernt er, können genau so brutal sein wie Menschen oder sogar brutaler. Also, was tun? Bessere Programme entwickeln? Besser! Die Menschen werden hybrid ausgestattet mit normalem Bewusstsein und mit einer Programmierung für Krisenfälle. So äußerte sich sintemalen ein Wissenschaftler. Wer weiß, was alles möglich sein wird.

 

 

4. Januar 2017

Wir Berliner haben unseren Müller. Den Regierenden Bürgermeister. Er ist ein Mann, vor dem man keine Angst haben muss. Er wird niemanden einsperren lassen, nur weil er ihn verspottet. Spott erträgt er nach dem altberliner Motto: Mir kann keener! Anders ist es da bei den Putins, den Erdogans, Xing Xan Dings im weiten China. Wer dort nicht zum Lachen in den Keller geht, dessen Überlebenschancen sind vermutlich geringer. Von Erdogan bekommt man fast stündlich die Zahlen der Verhafteten. Erst wenn seine Gefängnisse voll sind, wird er eine Zeit lang Pausen einlegen. Sein Freund Putin wartet schon auf ihn in seiner Moskauer Gartenlaube. Dort werden sie weltbewegende Gespräche führen, werden Regeln festlegen für all die Nebenmenschen zu ihnen. Niemand wird bellen dürfen ohne Genehmigung. Wo käme man hin, wenn jeder Hund etwas zu bellen hätte. Vielleicht wird Erdogan auch von diesem russischen Herrscher lernen, wie man Stimmen zum Schweigen bringt. Plutonium soll da gut und täterbefreiend helfen können. Eigentlich ist die Idee zu einer Festigung dieser Männerfreundschaft als gut zu betrachten, denn sie umkreist die Aktionsfelder zweier egomanisch ausgerichteter Spätgeburten.
Der größte chinesische Staatenlenker der Jetztzeit spricht gerne von demokratischen Bemühungen, zumindest hört man da öfter von. Durchgehen lässt er nix. Lange Gefängnisstrafen oder den Tod verwahren seine Richter immer in der Schatulle des hohen Gerichts. Wen es bald wieder treffen wird, weiß nur so mancher im Land des Glutamats. Ordentliche Aburteilungen verstärken den guten Geschmack der Rechtssprechung.
Soll man sich also nicht sorgen um eine moralische Verseuchung der Menschheit? Noch nicht! Wir Berliner haben unseren Müller. Dessen Mühlen mahlen zwar langsam, aber sie sind in Bewegung, die Räder. Unser Müllermeister als bewegter Mann. Wie schön!

 

31. Dezember 2016

Zu allerletzt !!!

Sie beugte sich über mich, drehte meinen Kopf leicht zur Seite und küsste mir länger auf den Mund. Nach einiger Zeit drehte ich meinen Mund zur Seite und atmete ganz tief durch. Was ist los? wollte ich von ihr wissen. Ich wollte dir nur zeigen, wie ich dich liebe. Und darum nimmst du mir fast den Atem ? Ich wollt deinen Atem trinken, weil ich dich liebe. Und wer sich liebt, darf sich küssen, nicht wahr? Ja, warum jetzt auf einmal?  Wieso jetzt? Die Welt ist so schlecht. Wir müssen ihr gute Menschen schenken, die man zeugt mit viel Liebe. Solche Menschen müssen der Welt helfen, nicht die bösen, hinterhältigen wie dieser Tunesier, der auf einem Berliner Weihnachtsmarkt 12 Menschen umgebracht hat, einfach so. Und wie sollen wir beiden Frauen ein Kind zeugen ohne Mann? Gar kein Problem. Ich habe schon einen Freund gefragt, der mit einem von uns schlafen würde, um ein Kind zu zeugen. 
Er hätte morgen Abend Zeit. Und, möchtest du mit ihm schlafen? Wenn ich soll, dann mach ich das. Und ich? Du schaust zu. Was ist das denn!? Wir wollen doch keine Peepshow veranstalten. Dann schlafen wir halt jeder mit ihm. Bei einem von uns wird er wohl einen Treffer landen.
Zwei Tage später war diese Zeugungsarbeit Geschichte. Wir beide hatten das Gefühl, getroffen worden zu sein. Wir saßen abends lange gemeinsam auf der Couch und sprachen über Kindererziehung und wie das so sein müsste mit der richtigen Erziehung. Einen Monat später erfuhren wir, dass wir beide schwanger sind. Geil, sagte meine Freundin, ich werde jetzt unseren Vater anrufen und ihm die freudige Nachricht überbringen. 
Der freute sich wirklich, kam sofort vorbei und plante mit uns die richtige Erziehung. Wir müssen gute Menschen aufwachsen lassen, solche, die andere Menschen lieben und nicht hassen, sagte er bedeutungsvoll, als sei diese Art Erziehung etwas Besonderes. Tu nicht so wichtig!, prusteten wir beide gleichzeitig.

Ihr habt  recht. Wir sollten uns auf das Wesentliche konzentrieren! Und was schlägst du vor? Wir nehmen uns zusammen eine große Wohnung, in der zwei Kinder mit uns leben können. Meine Freundin und ich stimmten begeistert zu, umarmten uns und legten uns gegenseitig die Hände auf den Bauch. Der Erzeuger saß daneben und lächelte freudig erregt vor sich hin. Wer hätte gedacht, dass wir drei einmal so viel für die Verbesserung des menschlichen Lebens tun würden? Tja, sagten wir beiden, wer hätte das gedacht?

 

 

4. Dezember

 

All die Autos gehen mir auf den Senkel

Ick weeeß nich, sagte eine Nachbarin die Tage, all diese Autos gehen mir auf den Senkel. Dit waan noch Ceiten, als die Ossis warn, wo se hinjehörten, nämlich hinter de Mauer. All die stinkichten Papprenner reichten. Die warn ja drüben. Der Todesstraifn hat ja doch den Jestank absobiet. 
Irgendwie hat sie recht. Man kann hingehen, wo man will. Fast überall stehen die Autos der Tagesparker, im Englischen vornehm Commuter genannt. Da wo die Fahrer herkommen, steht keine der Stinkekisten. Sie lassen sie immer in der Nähe von Bahnhöfen stehen, verschwinden anonym und räumen ab dem späten Nachmittag ihre Bodenverdichter zurück in ihre heimische Schlafsiedlung. Die lange kalt gewordenen Motoren stinken ganz gewaltig. Manche Fahrer oder Fahrerinnen lassen ihre Blechknutsche warmlaufen und erfreuen mit dem Tankstellenparfüm die Umwelt.
Doch nicht nur der Stinkfaktor bringt Rage in die Seelen mancher Bewohner, die gerne in der Fußgängerumgebung ihres Ortsteiles flanieren, auch die Dreistigkeit, mit der so mancher Ignorant bevorzugt fetter Karren seine Poposchubse an unmöglichen Stellen parken.
Meine erste Forderung: Alle fetten Vierradler sollten verboten oder superhoch besteuert werden. 
Meine zweite Forderung: Jeder auffällige Fahrer muss mindestens 6 Wochen pro Jahr Sozialarbeit leisten.
Meine dritte Forderung: Parkstrolche sollen ihr Fahrzeug für ein Jahr verlieren. Die Autos sollen beschlagnahmt werden und auf eigens für diesen Zweck geschaffenen Plätzen abgestellt werden. Die Gebühren trägt der Besitzer des Fahrzeugs.
Meine vierte Forderung: Pro drei oder vier Personen in einer Familie darf es nur ein Auto geben. Ohne Ausnahme.
Die Städte müssen frei werden für Fußgänger! Elektroautos sind keine Lösung, denn der Strom muss erzeugt werden. Wie? Das ist bekannt.
In schmalen Straßen muss es generell Parkverbot geben. Immer und überall in Großstädten und Kleinstädten.

 

27. November

 

 

Steter Tropfen höhlt die Erinnerung

Jeder, der irgendwo Prozente bekam, war auch gleichzeitig Empfänger von Glücksgefühlen. Lange her, dass es diese Gefühle gab durch den freundschaftlich gemeinten Abzug eines bestimmten Prozentsatzes von dem Verkaufspreis einer Ware. Im Laufe einiger Jahrzehnte haben sich die Produkte verändert, die Waren wurden flüssiger und nicht preiswerter, sondern teurer, je mehr Prozente sie hatten. Beeinflusst wurden Lebern in den Körpern von Genießern oder auch nur Druckbetankern, wie die Quartalssäufer genannt werden, Herzen in ihrer korrekten Funktion oder Blutkreisläufe. Prozente werden zu Beobachtungsfeldern von schreibenden Selbstversuchern. Geschrieben und phantasiert, resümiert oder gewarnt wird über die das Leben verändernden Prozente aus der Flasche. 

Warum nur macht das Saufen so viel Spaß, erheitert der Teufel aus der Flasche den Bedrückten und führt ihn in das Paradies der Verzückten? Weil es Freude macht, ist eine häufige Antwort oder weil es entspannt. Oder die Antwort von Menschen, die sich bei Verbotenem ertappt fühlen: Was soll die Frage? Ich kann doch machen, was ich will. Etwas grob betrachtet nahmen Prozente früher etwas. Heute geben sie etwas. Dazu gehören Freude und Arbeit oder auch veränderte Krankenstatistiken. Alkohol macht den Menschen auf seltsame Weise zu unterschiedlichen Funktionen fähig. So kann er krank sein, einen Beruf haben, in seinem  Wesen gestörter Mensch sein durch psychische Deformationen, die ihn zum Schläger oder Psycho machen. Diese Erkenntnisse können Freude machen, zeigen sie doch, wie sich die  Zeiten verändern und die Menschen. Berlin ist in dieser Hinsicht ein Trendsetter: Bibo, ergo sum. Ich saufe, also bin ich. Na, ist das etwa nichts?

5. November

 

Das Weinen der Kinder und die Strategien der kalten Herzen

Ich hörte die Tage lautes und leises Weinen. Kinder entließen ihr Unglück durch Tränen, unendlich viele. In anderen Räumen saßen derweil die Strategen des Teufels. Der Pferdefüßige hatte sie in die Welt gesandt um Kummer und Elend den irdischen Lebewesen zu bringen durch unwürdige Kreaturen, deren Herz den eigenen Schlag nicht mehr hören. Dafür nehmen sie alle Aufforderungen zur Förderung der Ungemach wahr. Sie töten oder lassen töten, denn ihr Hass ist ein glühendes Höllenfeuer. Es verbrennt jeden Andersdenkenden. Ich fühle mich unglücklich in der momentanen Welt.
Ich sehe ein Bild in der Zeitung. Es zeigt ein farbiges Foto mit farbigem Tod. Viele Menschen liegen in einem Schlauchboot, tot wie man nur tot sein kann. Ihre Kleidung zeugt von der Hoffnung der Flüchtenden. Diese Hoffnung ist mit ihnen gestorben, weil ihre Körper die Lasten der Entbehrungen nicht mehr tragen konnten. Tausende Kilometer entfernt schimpfen die tiefgekühlten Herzen sächsischer Menschen über die, die nur überleben wollen und teilhaben am Leben in ihrem Bundesland. Nicht in der Champagnerwelt der verwöhnten Welt, nicht in den Trump Towers der blinden Egomanen. "Es ist ein Weinen in der Welt, als ob der liebe Gott gestorben wär, und der bleierne Schatten, der niederfällt, lastet grabesschwer." (Else Lasker-Schüler)

 

 

4.November

Putins schöne Waffen

Der gepflegte Mann aus dem Osten residiert knapp 1800 km von Berlin entfernt. Er engagiert sich in Syrien, indem er todbringende Waffen einsetzen lässt. Alles im Kampf gegen das Böse. Schon lange konnte der sportliche Mann seinen Jagdinstinkt ausleben und der Wildnis und Wildheit ein menschliches Gesicht geben. Sein neuester Liebesbeweis für Deutschland sind angebliche private Briefe russischer Schönheiten. Die jungen Frauen sind seine Charme-Armee, mit der er Deutschlands Männer einfangen möchte für die Versorgung seiner einsamen Schönen.

Vielleicht sollen sie ihm auch die privaten Gemächer in unserem Lande öffnen. Das ganze vielleicht ein moderner Spy Service? Schickt er nicht seine Hacker auch los, ihm überall die Türen zu öffnen?

In Berlin sollen einige seiner Talente aus dem Hackerreich residieren.

Hier einer der Briefe seiner weiblichen Erotikarmee, die sich als suchende Einsame ausgeben. Ich bekam ihn vom Mann einer Bekannten:

 

Hallo reizende Unbekannter,Ich bin froh, dass Sie suchen nach erneuten und ansprechenden Umgangen. Haben wir beide haben viel gemeinsam, ich bin auch auf der Suche nach neuen gefestigt Liebesverhaeltnis mit einem guten Herr. Ich werde versuchen, fuer Sie Traumpaar sein. Hier ist kleine Informationen ueber mich: Mein Name ist Katerina. Ich bin nicht junges Ding, aber in besten Tagen. Jetzt ich bin vereinsamt, und ich moechte eine neue Verhaeltnis zu anfangen, ich bin bereit fuer gesamt von sich selbst zu widmen. Ich bin lebensfreudig, und ich bin Wort geben, dass ich Ihnen nicht stumpfen und probieren Sie Ihr Lebenshaltung zu zieren. Ich liebe zu experimentieren, ich hasse Beschraenkungen und moegen das Leben in lebhafte Farben. Bedauerlicherweise ohne liebevoll passioniert Herr das Leben ist unvollkommen. Deshalb ich Ihr schreibe. Bitte du uns ueber sich selbst, ueber dir Liebhaberei und Belangen. Ich warte auf Ihre Briefe! Ihre lieblich Fraulein Ekaterinushka.

 

 

 

 

 

 

3. November

 

Hinter den Mauern von Berlin

Nehmen wir an, wir hätten die Möglichkeit durch Mauern zu lauschen und wichtige Informationen zu bekommen. In Berlin wären das Gespräche über Krankheiten, Geld,Reisen und vielleicht auch über Politik. Sicherlich ließen sich erotische Spiele belauschen oder auch Streitereien. Thematisiert würden zur Zeit die Handlungen von Personen in Berlin, vermehrt vielleicht das Ringen um Verständnis für solche Personen wie Putin oder Trump. Ob wir Erkenntnisse vermittelt bekämen über die Gründe des Handelns jener Menschen, deren potentielle Entscheidungen 1800 oder 6000 km entfernt von Berlin gefällt werden. Zugegeben, das Handeln solch mächtiger Menschen bereitet immer wieder Sorgen, wenn eine gewisse Unsicherheit besteht über die jeweilige intellektuelle Geistesausstattung, wenn man vermuten kann, dass bei Trump und Putin das Handeln gesteuert wird von geschädigten Seelen. Salopp gesprochen: Beide sind bekloppt. Es geht die Angst um vor schädlichen Entscheidungen.
Hinter Berliner Mauern passiert vieles, was schwer verdaulich wirken kann. Die Stadt wirkt auf den ersten Blick gutmütig, lauscht man den Berliner Stimmen, deren Wortschatz über Wörter wie icke oder keener kann oder pass uff hinausgehen. Leider ist sie nicht so harmlos wie mancher zu glauben scheint. Die Erdbeben in Italien, das Politikersprech in manchen Ländern. Berlin, so scheint es, liegt auf der Achse des Bösen. Am heutigen späten Nachmittag schien eine Generalübung für apokalyptische Situationen in der Hauptstadt stattzufi

nden. Der Himmel dunkel, viele Autos mit 
Blaulicht und Sirenen, Unfälle, Hysterie wegen so vieler Umleitungen. Berlin nimmt teil an der Wertschätzung für Schreckliches. Dunkeldeutschland hat sich vergrößert.

 

 

 

 

17. Oktober

 

Unweit meiner Wohngegend wohnt ein älterer Herr, dessen Lebensgeschichte voller unerfüllter Träume ist. Er scheint eine verborgene Liebe zu haben. Ich habe versucht diese Spätphase eines Lebens kurz einzufangen:


Schwarzer Sturzflug

 

Auch dieser alte Knabe turtelt seinen letzten Herbst,
in seinem Garten steht der Nebel wipfelhoch.
Das Krähenpack zerhackt mit fiesem Stimmbruch
alten,  morgendlichen Traum von Liebe.
Er kennt noch nicht die Endlichkeit des Seins.
Aus seinen Augen fließen Trockentränen.
Er wär' so gerne melancholisch voller Sehnen.
Nichts geht mehr in den grauen Tagen.
Was von ihm bleiben wird, ist dieser Faulgeruch.
Die Krähen fallen lüstern laut von Bäumen.
Ihn wird die Zukunft selten nur erwähnen.

 

11. Oktober

 

Nackte Tatsachen
Jawohl, ich bin eine Großstädterin, lese täglich den Tagesspiegel und erfahre vieles aus der Stadt und über Menschen. Wenn ich durch die Stadt gehe, entdecke ich Sexshops, erotische Werbung und Sexwörkerinnen. Auffällig ist der Beschäftigungsgrad in der Kurfürstenstraße, nicht sehr weit entfernt von dem berühmten Konsumtempel KadeWe. Ansonsten könnte man glauben, in dieser Stadt spielen Kneipen, Cafes und Restaurants eine größere Rolle als körperliche Ertüchtigungen im Unterkörperbereich. Das ist ein Irrtum, denn Berlintouristen sind auch nicht ohne und lassen es in ihren Hotelbetten häufig krachen.
Über allem Tun in dieser Stadt schwebt der 24-Stunden-Markt des Internets. Eine der erfolgreichsten Sparten ist diejenige mit Sexangeboten. Alles verläuft so schön anonym, jede schlichte Nachbarin kann sich ihre Sextoys, jeder Mann seine Bettpuppe bestellen. Fast niemand wird davon erfahren, was sich wie und wo in den Betten abspielt. Wer einmal einige einschlägige Seiten angeklickt und geöffnet hat, sieht nacktes Fleisch frei Haus und Geschlechtsteile in vielen Variationen. Seitdem ich mich mehrere Male zu den Sexbrowsern gesellt habe, weiß ich, wie effektiv die sogenannten Cookies sind. All die Werbung für den Sex und die potentiellen Gespielinnen und Spielfreunde hat jeder Glücksraumbesucher den Meldern, Cookies genannt, zu verdanken. Anonymität ist in diesem Bereich ein selten eingelöstes Versprechen. Wer einmal in geklauten Daten erscheint, der hat so wenig zu lachen wie Mista Trump, der Wettkampfgefährte  der Amerikanerin Hillary Clinton.
Das deutsche Reich der Schattenwelten ruht auf Servern, europaweit verteilt. Jede IP-Adresse hinterlässt Spuren. Da sollte sich doch so mancher fragen, ob er seinen erotischen Bedürfnissen nicht doch besser im klassischen Bordell nachgeht. Berlin hat alles zu bieten von der Schwiemelecke bis zum Swingerclub für Einbeinige, wie es in einer sehr komischen Werbung hieß. Wenn also ihr Nachbar oder die Nachbarin spät nach Hause kommt, muss sie oder er nicht in der Kneipe gewesen sein. So mancher solide wirkende Mitmensch kann auch ein wilder Spätdienstler sein.

 

 

8.Oktober

 

Jedem Land sein eigenes Volk?

Sichtbar und immer wieder erneut zu spüren ist die Vernazifizierung menschlicher Gehirne. In Deutschland macht sich die Gegend um Sachsen immer mehr auf den Weg von der Bedeutung der Blutreinheit eines Volkes zu reden.Die Farbe Braun wird nicht als Erkennungsmerkmal diskutiert, dafür aber die Sauberkeit eines der eigenen Rasse dienenden Verhaltens gegenüber Ausländern. Einige Phrasen dreschende Dummköpfe werden der Öffentlichkeit immer wieder medial nahe gebracht. Das ist erschreckend. Nur, noch erschreckender ist die virenhafte Verbreitung der Dummkopf-Denke, deren Nutzer meistens nicht einmal sich selbst erkennen können. Nehmen wir Orban oder Trump oder Pofalla, diesen Schwachmaten. Polnische Konservative suchen nach einem Weg zurück ins Mittelalter. Das nächste Gesetz wird vermutlich das öffentliche Auspeitschen von Widerspenstigen einführen wollen. 

Nun ahnte so mancher immer schon, in England eine Wiege des konservativen Handelns und Denkens zu erkennen. So weit, so gut. Das Konservative hat dem Engländer so manches Gute beschert. Tradition half immer wieder das Alte zu bewahren und nicht der Architektur mit der Abrissbirne den Garaus zu machen, wenn Häuser alt waren. Das ist immer noch so und dient dem allgemeinen Wohlbefinden in Orten im Süden oder Westen des Landes. Auch der Osten hat viele Schönheiten zu bieten und dokumentiert die Fähigkeit des Engländers, die Geschichte vieler Menschen in der Gestaltung von Ortschaften zu zeigen. Nur, diese Lust am Erhalten findet ein erstaunliches Betätigungsfeld im Bereich des Zusammenlebens vieler Menschen aus unterschiedlichen Ländern. Es schien immer wunderbar geklappt zu haben mit dem Zusammen und dem gemeinsamen Arbeiten und Leben. David Cameron hat in seiner naiven Ratlosigkeit eine Lawine xenophobischen Verhaltens losgetreten. Seine Nachfolgerin im Amte des Prime Ministers heißt Theresa May, deren erstaunliche Fähigkeiten der Volksbetörung in der Stabilisierung volksorientierter Floskeln und Traumdeutungen liegt. England dem Engländer! Kein englischer Arbeitsplatz soll von Ausländern besetzt werden, wenn sich dafür ein Ausländer findet! Vor diesem Hintergrund erhebt sich die Frage: Wovor hat der durchschnittliche Engländer Angst? Verlust an Arbeit kann es nicht sein, denn in Londons Innenstadt betreiben die in sich ruhenden Engländer die Förderung des Umsatzes englischen Biers. Bei dieser Art Pausengestaltung lebt das zwischenmenschliche Gefühl und das Englischsein unter Engländern wieder auf. Die Frage ist: Wer will diese splendid Isolation? Vielleicht nur die, welche von der einstigen Größe des englischen Weltreichs träumen. Man kann diesen Frust verstehen, die angebotenen Lösungen zur Stärkung des englischen Selbstbewusstsein sind jedoch trügerisch. So wird die Frau mit der Betonfrisur und dem ausgeprägten Interesse an schicken Schuhen nicht das Heil für ihr Land verkörpern können, genau wie die bewusstseinsgetrübten Deppen von der AfD ihrem Lande keinen Gefallen tun mit ihren Phrasen.

 

 

1. Oktober

 

Die große Täuschung

Man denkt, wenn man in Berlin lebt, sei man ganz in der Nähe der konstruktiven Macht. Ist man das? Nein, man ist es nicht. Es gibt hier die Namen mit Weitklang, aber nicht mit Wohlklang. Die Menschen mit Wollen, aber nicht mit Visionen. Hoffnung vermittelt so leicht keiner aus CDU und SPD  oder den Grünen. Das liegt daran, dass sehr viele Politikmacher den aufrechten Gang nicht verlieren wollen und nicht den Mut haben, immer die Dinge oder Probleme beim Namen zu nennen. Der gute Herr Gabriel zum Beispiel kann sich nicht zu der Erkenntnis durchringen, Waffen als Mordinstrumente zu bezeichnen. Für ihn sind sie Wirtschaftsgüter, deren Verkauf den Wohlstand seines Landes mehrt. Was soll er machen, der Arme: Ihm zu vertrauen, grenzenlos, scheint unmöglich. Sarah und Dietmar von den Linken haben die Notwendigkeit eines Klassenstandpunktes erkannt. Nur ahnen sie immer noch nicht, wie wenig hilfreich wohlfeile Formulierungen sind. 

Angela Merkel, einst in den Verdacht geraten, als letzte Rache der Stasi an der Zerstörung des kapitalistischen Systems zu arbeiten, entpuppt sich als planlose nette Dame, die aus pastoralem Bewusstsein heraus die Welt in Deutschland zu einem Auffangbecken für Notleidende erklärt. Dieser kapitale Fehler wird sich hoffentlich nicht zerstörerisch in den  Gedärmen unser aller Heimatland auswirken. Es scheint logisch, begrenzten Ressourcen nicht allzu viele Zuwanderer zuzumuten, obwohl mehr Menschen als gedacht sich vor sogenannter Überfremdung fürchten. Politikerinnen mit Wortfindungsschwierigkeiten sprechen schon einmal von Umvolkung und suhlen sich historisch in der verbalen Schweinebrühe von dazumals.

Insgesamt scheint es schwierig für den Wählenden in Berlin, die fehlende Peilung bei sogenannten Wahlsiegern zu erkennen. Der immer verschmitzt grinsende Regierende Bürgermeister Michael Müller hielt in einem Brief schriftlich fest, es sei richtig ein Baugelände hinter der Schaubühne für knappe 500 000 € zu verkaufen an einen Investor, der freies Land umwidmet und zu Bauland macht, auf dem teure Wohneinheiten entstehen für liquide Käufer besserer Wohnungen. Wenn man bedenkt, dass Herr Müller Sozialdemokrat ist, versteht man den Frust von Wählern, die in ihrer Sozialdemokratie unerwartet neoliberales Denken entdecken. Boris Johnson aus London lässt grüßen.

 

 

24.September

 

 

Was ist los in dieser Welt?

Homo homini lupus. Frei übersetzt: Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf oder Menschen achten sich nicht gegenseitig24, besonders, wenn sie beide aus unterschiedlichen Ländern kommen. Von Hobbes in die Welt gesetzt wurde diese Feststellung vor ungefähr 350 Jahren. Schaut man sich die Entwicklung auf dem Planeten Erde an, lassen sich nicht allzu viele Veränderungen entdecken. Eine große Völkerwanderung ist zu beobachten, bedingt durch Kriege, Hungersnöte und Ängste vor Verlusten. Ein Blick nach Ungarn, Frankreich, Holland oder England lässt erkennen, wie verbreitet immer noch die Angst vor dem Fremden ist. Orban demonstriert staatlich legitimierte Ablehnung durch seine Gewaltandrohungen gegen alle, die nicht in Ungarn geboren sind. David Cameron flüstert der englischen Queen Vorurteile, wenn er pauschal z. B. alle Nigerianer als Betrüger bezeichnet. Man sollte es nicht glauben, dass ein so zivilisiertes Land wie England neuerdings Aversionen gegen Ausländer entwickelt. 
Im Internet fand sich das Gedicht eines Polen in deutscher Übersetzung. Es zeugt von einer neuen europäischen Volkskrankeit, der Angst vor dem Fremden, auch wenn man schon lange mit diesen Menschen aus der Fremde zusammengelebt hat und ihren Wert für das eigene Land eigentlich kennen müsste.

 

die möwen schreien es in den tag
    ⁃    an der themse -

 

die möwen, sie schreien in den tag,
ihr kakophones papperlapaaaap.
sie reden mit sich und dem dunklen fluss 
vertreiben die ruhe mit ihrem gruß.
sie fliegen und stürzen gefährlich nah
vorbei an einem schlendernden paar.
der mann erschrickt, die frau weicht aus.

von ferne winkt ihr altes zuhaus,
ihr schönes polen, ihr weites land.
und aus den fenstern ertönen rufe:
verschwindet von hier in eure fremde!
wir lieben nur uns und inselglück.
heil england dir und deinen mannen!
bald werden wir eure seelen verbannen.
wir sind das land der angeln und sachsen.
räumt euer haus und lasst uns zurück.

Die Tage wurde in der Zeitung eine Notiz veröffentlicht:  Wer soll in England noch putzen, wenn unsere polnischen Mitmenschen das Land verlassen. Ja, wer? Vielleicht wird Reinigen eine neue Einnahmequelle für arbeitslose Engländerinnen. Was für ein Schmarren!

 

21. September

 

 

Der Tod und das Lädchen
Herr W. ist ein Mann ohne Eigenschaften, könnte man denken. Herr W. steht jeden Morgen früh auf und öffnet um 6 Uhr morgens seinen Kiosk. Er verkauft Zeitungen, Zigaretten, Getränke und auch Essbares wie Brötchen, Bockwürstchen und Kekse. Den Müden verkauft er auch einen Kaffee. Er hat zwei Kaffeemaschinen, wie man sie auch zu Hause hat. So ist sein Kaffee immer frisch. Die Milch in Herrn Ws. Kaffee kommt aus Dosen. Zucker gibt es löffelweise. Seine Tasse muss jeder selbst mitbringen. Herr W. verachtet Müll verursachende Pappbecher. Manchmal hat Herr W. Zeit für ein Gespräch über Politik oder Sport, auch über seine zwei Katzen. In letzter Zeit ärgert er sich über die  Menschen mit den Bierflaschen in der Hand. Die trinken nicht gegen den Durst, die wollen betrunken werden, sagt er immer wieder. Die Kettenraucher sind ihm auch ein Dorn im Auge, genau wie die Parteienwerbung mit den falschen Versprechungen oder den gehässigen Parolen. Zum Beispiel: Deutschland den Deutschen. Wir sind doch eine viel reisende Nation, glaubt er. Kein Franzose sagt: Frankreich den Franzosen. Sie freuen sich über Besucher in ihrem Land. 

Herr W. lebt für sein Lädchen. Sein Leben sind die Kunden, deren Lächeln ihm das Leben versüßen. Herr W. wird bald 65 Jahre alt. Er fragt sich, ob er weitermachen soll. Irgendwann, sagt Herr W., muss ich lernen, was Muße ist. Ich bin nicht sicher, ob er das mit der Muße ernst meint. Herr W. geht nicht zum Sportplatz und fährt akuch nicht in Urlaub. Letzteres hat nie Eingang in seine täglichen Gespräche mit Kunden gefunden. 
Vor einer Woche erzählte mir Herr W. von einem Bruder, den er bald besuchen wolle. Nur vier Tage wolle er bleiben. Länger könne er sein Geschäft nicht allein lassen. Er bat mich, ihn in dieser Zeit zu vertreten. Da ich zusagte, fuhr er gestern nach Aachen zu seinem Bruder. Jetzt stehe ich am Schalter seines Kioskes. Herr W. rief heute schon zwei Mal an und fragte nach dem Rechten. Hat mich schon jemand vermisst, wollte er wissen. Ich bejahte die Frage, um ihm eine Freude zu machen. Der Kiosk ist Herrn Ws Leben. Ich habe Heimweh, sagte er zum Schluss seines Anrufes. Ich lächelte in mich hinein. Oh, sagte ein junger Kunde, sie sind ja gut gelaunt! Ich glaube auch, antwortete ich und aß einen Schokokuss. Möge Herr W. so schnell nicht aufgeben. Er würde schnell sterben ohne seinen Dienstleistungsbetrieb.

 

 

14. September

 

Drogen und Araber in Berlin

Berlin ist die deutsche Hauptstadt, Berlin sollte das Zentrum der Welt sein. Ist es aber nicht, das Zentrum, die Hauptstadt allemal. Hier wird sehr viel Geld ausgegeben für die Gehaltszahlungen an die politischen Akteure und Diener vieler Herren und Damen. In Berlin werden auch immer wieder sehr viele Drogen verkauft. 

Es wird gesagt, die Araber  hätten ihre Finger im Spiel. Sie bewegen sich scheinbar unbehelligt auf den Straßen dieser Stadt nach ihren eigenen Gesetzen. Beliebt machen sich solche Menschen nicht. Auf diesen Straßen macht auch ein gewisser Herr Müller Werbung für seine Wiederwahl. Wenn man ihn anspricht zu Themen wie Rauschgift und auch öffentliche Sicherheit, lächelt Herr Müller sein verkniffenes Lächeln und sagt wenig. Dabei wird er weder von Arabern noch von anderen Ethnien gewählt. Denen geht der Herr Müller am Gesäß vorbei. Die leben in Berlin wie in einer Exklave ihres Landes. 
Der Herr Müller will wiedergewählt werden. Das will auch die Frau Müller, weil sie sich an das hohe Gehalt des Bürgermeisters gewöhnt hat. Auch isst Frau Müller gerne Fallafel. Schon aus diesem Grunde muss man die Araber in der Stadt behalten. Sie geht gerne auf den Türkenmarkt. Da sei immer so viel los, gutes Essen, bunte Stoffe und viel Musik. Dass die Araber unweit, so am Görli, dem berühmten Park für Drogen, Junkies und Schmuddelwessies, ihre Drogen verscherbeln lassen, gehört zur Folklore. Sollen die Junkies doch abkratzen! Jeder weiß in diesem Land, wie gefährlich Drogen sind. Lassen wir daher den Herrn Müller einen freundlichen und nicht wissen wollenden Menschen sein.
Der Herr Müller geht auch gerne ins Olympiastadion, wenn die international gemischten Mannschaften für und gegen Berlin spielen. International ist wichtig oder doch nicht? Der Neuer ist jetzt Kapitän der Nationalmannschaft und nicht der Boateng. Der sollte noch ein bißchen üben, wie man Kapitän ist, sagt auch der Regierende Bürgermeister. Die dunkle Hautfarbe spielt da keine Rolle. Berlin ist weltoffen für alles und alle. Das weiß jeder, sagt der Herr Müller auf der Straße beim Wahlkampf. Schließlich arbeitet er auch gerne im Roten Rathaus, da,  wo früher die Sozis aus der SED ihre Soljanka in der Kantine aßen. Zeiten ändern sich, sagen die Menschen auf den Straßen. Ich ändere mich nie, sagt der Herr Müller. Ich habe nichts gegen Joints und auch nicht gegen Joint Ventures. Zusammen ist man stark. Das sagt doch jeder, sagt der Herr Müller. 

 

10. September

 

Die Welt als Wille und Oberfläche

Schön ist es, so scheint es, die Welt nur leicht anzukratzen und die Oberfläche als das Nonplusultra der menschlichen Existenz. Eine nicht unbekannte deutsche Wochenzeitung würdigt den Ruhm der Oberfläche in ihrer neuesten Ausgabe vom 8. September. Gewöhnt sind wir alle an unsere berühmten Models, deren Lebenswunsch es schon als Junges Mädchen war, ihre Hülle zu Markte zu tragen. Heidi Klumm steht zur Zeit noch im Vordergrund und klummisiert die Welt mit neuen schönen Menschen, die sie in Wettbewerben durch die Höllen der Selbstdarstellung marschieren läßt, um ihnen schließlich die Türen der öffentlichen Wahrnehmung zu zeigen. Per aspera ad astra nannten die Lateiner das Fegefeuer auf dem Weg zur Eitelkeit.
Und Die Zeit, was macht sie in dieser Woche? Sie stellt einen jungen Mann vor, der angeblich sehr berühmt sein soll. Nur, der wirkt sehr normal, so wie ein Kaninchen unter vielen Kaninchen. Was ihn von manchen unterscheidet, ist bei seinem Anblick die Erinnerung an James Dean, an den Schauspieler also, der mehr konnte als sein befleischtes Skelett in die Welt zu strecken. Der neue junge Mann heißt Lucky. Damit man ihn einordnen kann in die Welt der Passämter bekommt er den sogenannten Mittelnamen. Und der ist Blue, sozusagen out of the blue. Und wer erinnert sich nicht an die berühmte Zigarettenmarke Lucky Strike, das ist die, vor der der Lungenkrebs auch nicht Halt machte. Der junge Mann raucht nicht, zumindest auf den Fotos. Doch eins unterscheidet ihn von manchen anderen: Er trägt Markenkleidung, Markenuhren, Markenfrisuren, Markenschmuck, den von Eli Halili. Wer immer das ist. Licky, der junge mit der schnieken Frisur scheint happy. Er ist nicht nur Modeständer, er spielt auch rein zufällig in einem Film mit. Bald kommt die erste CD seiner Band heraus. Das klingt alles so zufällig, so nebenbei passiert. Was für eine Täuschung! Lucky scheint ein Clown und Klon zu sein. Er ist eine Retortenfigur, ein Machwerk der Werbung, bereits berühmt, obwohl er noch gar nicht lebt. 
So ist die Welt, die macht die Dichtung zur Wahrheit, unterstützt mit scheinbaren Reportagen das Werden einer menschlichen Wirklichkeit und kassiert ganz nebenbei für das Erwähnen von Produktnamen eine fette Werbeprämie. Money makes  the world go round, makes the world go round! Lucky goes happy.

 

6. September

 

 

Der Mann aus dem Schatten und mit der erfundenen Geschichte 

Eine meiner Freundinnen erzählte die Tage von einer anderen Freundin und deren Wiederentdeckung eines lange verschollen geglaubten Freundes. Sie regte sich auf  über einen Besucher dieser Freundin, der nach Jahren als Greis in deren 
Haus kam und nicht wieder verschwinden wollte. Eine irre Geschichte sagte sie und berichtete von dieser Wiederentdeckung einer alte Freundin.
Der Mann sei wieder bei ihr erschienen nach 45 Jahren und habe ihr gestanden, unsterblich in sie verliebt gewesen zu sein. Sein Zustand halte immer noch an und er wolle bei ihr bleiben und mit ihr leben. Und was denkst du, sagte sie, hat diese Freundin getan? Sie hat ihn aufgenommen mit seinem kleinen Koffer und eingeladen, seine Füße fortan unter ihren Tisch zu stellen. Gehässig wurde sie ein wenig, als sie von dessen Männlichkeitswahn erzählte. Er sei am ersten Abend in ihr Schlafzimmer gekommen, habe seine Feinrippwäsche ausgezogen und sei zu ihr ins Bett gekrochen. Du, habe sie zu ihm gesagt, weißt du von deinem Mundgeruch? Wieso fragte er zurück, riechst du nicht nach Schweiß. Triumphierend nahm er sein Gebiss aus dem Mund und eilte ins Bad.  Dort reinigte er mit einer Handbürste seine 3. Zähne und kam freudestrahlend zurück. Das fand die Freundin alles sehr komisch und konnte sich in diesem dentalen Moment nicht daran erinnern, ihn jemals in ihrem Bett gehabt zu haben. Meinst du wirklich, wir sollten es miteinander versuchen? Schau dir einmal dein Entsorgungshähnchen an! Er habe an sich hinuntergeblickt, habe sich erschrocken geschüttelt und dann wieder seine von  vielen Wäschen ergraute Unterhose angezogen. Stell dir vor! sagte meine Freundin, ihre Freundin habe sich dann in ein anderes Zimmer begeben und ihn zurückgelassen. Beleidigt sei er gewesen und habe laut gerufen: Du weißt ja nicht, was Liebe ist!
Als sie am anderen Morgen aufwachte, glaubte sie ihn verschwunden. Mitnichten, er lag auf ihrer Wohnzimmercouch und schlief mit seiner rechten Hand in der Unterhose auf der Couch. Ihr Hund habe vor ihm gelegen und ihn freundlich angeschaut. Diese zwei hatten sich gefunden. Die Freundin meiner Freundin lachte laut, während er nur verständnislos in die Luft schaute. Zornig habe er wiederholt gerufen: Du weißt ja nicht, was Liebe ist!

 

 

 

 

 

3. September

 

 

Gemüse ist mein Fleisch

Früher waren wir froh, wenn wir mal ein Kotelett bekamen, sagte meine Tante Berte und meinte mit früher die Zeit nach dem zweiten Weltkrieg. Ich mochte dieses Fleischstück aus der Pfanne nie, daß in Ei und Panade gewälzt die Pfannen beschmutzte und die Küchen für Stunden mit einem eigenwilligen Fettgeruch parfümierten. Ich komme gottseidank in einer Zeit aufgeklärten Denkens in den Genuss guter Küche, die ihre Produkte solchen Menschen wie Yotam Ottolenghi 
oder  Jamie Oliver verdanken. Der Fleischer an der Ecke, so weit es ihn überhaupt gibt, kann mit seinen Sonderangeboten nicht mehr die Rezeptwünsche der Hausfrauen oder -männer verhunzen. Kein fetttriefender Braten wird mehr die Töpfe in der Spülmaschine den Nahkampfgelüsten der Spülmittelhersteller aussetzen. Unser Fleisch heute heißt Gemüse und trieft nicht mehr von den Überfütterungsmethoden der Massentierhalter. Keine fette Bratwurst kommt mehr auf meinen Tisch, nur weil der Satz meiner Großmutter das Kochverhalten in der Küche versaut hatte. Dieser Satz bestimmt heute noch die Fettbäuche und Speckhüften der Mitmenschen: Denk dran: Je mehr Fett, desto besser der Geschmack.
Diese Aversion gegen ein Übermaß an tierischem Fleisch ist ein Produkt aus der Abneigung gegen industrielle Tiertötung und der Geschmacksfreude an vegetarischen Gerichten. Als Kind aß ich Fleischprodukte, deren Formen nicht mehr an tierischen Ursprung erinnern. Sobald ich ein geschlachtetes Tier sah, verlor ich für Wochen den Appetit an Wurst. Heute ist die Vorliebe für gut gewürztes Gemüse auch eine ästhetische Entscheidung, deren Nebeneffekt auch ein gutes Gewissen ist, nicht den Mord an Tieren zu unterstützen.
Wenn man Ottolenghis Kochbücher liest, lernt man mit den Augen zu schmecken. Von guten Fotos unterstützte Vorfreude führt jede Abneigung gegen ein Übermaß an Fleisch zu geschmacksintensiven Esserlebnissen. Ich empfehle Nudelgerichte und vorher die Lektüre des Kochbuchs JERUSALEM.

 

27. August

 

Der goldene Füller


Es gibt einen ehemaligen Politiker und jetzigen Wichtigtuer, der von einem, der es wissen muss, als das größte Arschloch in der Stadt seines Arbeitsplatzes bezeichnet wird. Dieser Mensch, dieses A., nannte vor nicht langer Zeit einen sehr engagierten Politiker, den Herrn Bosbach, einen Menschen mit einer Fresse, die er nicht mehr sehen könne. Der Herr Pofalla oder das gA kaufte sich auf Staatskosten einen goldenen Füller. Er ist nämlich der Meinung, seine Unterschrift sei so bedeutsam, dass ihr ein goldener Fülle gebühre. Leider bestellten sich auch einige andere MdBs einen goldenen Füller der Firma Montblanc. Bei ihnen war es wohl nur die Eitelkeit, die zu diesem kleinen Verschleudern von Staatsknete führte. Manche Menschen sprachen von der Verschwendung von Steuergeldern. Immerhin kann solch ein Füllfederhalter zwischen 600 und 1300 € kosten. Unter den genannten Neubesitzern dieses wertvollen Schreibwerkzeugs befinden sich Namen mit kurzer und langer Halbwertzeit. Der Herr Pofalla wird bald vergessen sein. Seinen Füller sollte man nach dessen Ableben dem Museum des Bundestages übergeben, damit ein gewisser Donald Trump bei seinem nächsten Touristenbesuch nach seinem 90. Geburtstag vor Augen geführt werden kann, womit Teufel Dokumente unterschreiben. Er hatte ja, wie es scheinen wird, die Wahl in den States verloren. 
Protzen scheint ein Lieblingsverhalten von Politikern aus einfachen Verhältnissen zu sein. Man denke nur an Erdogan, den Türken, und dessen Stadtschloss mit den 1000 Zimmern. Und um noch einmal auf Trump zurückzukommen. Dessen Maisonette Wohnung in einem seiner Hochhäuser zeigt dessen Verhältnis zu überdekorierten Wohnverhältnissen. Dominante Farben sind Gold und Silber, bei den Stoffen konnten sich die Händler für Brokatstoffe austoben. Wuchtige Möbel signalisieren Bedeutungsschwere. Bedeutung benötigt der unförmige Mann mit der Kunstfrisur. Er wird trotz allen Eigenlobs nicht genug sehr geschätzt, denn seine Kleidung signalisiert eine Vorliebe für Talmi. Ärgerlich ist die Tatsache, dass Trump von Deutschen abstammt. Sein Verhalten buchen die meisten Deutschen ab unter Degeneration und seufzen dankbar: Gut, diese Familie in frühen Jahren exportiert zu haben. So isses!

 

 

25. August

 

Die Domina

Irgendwie finden wir sie alle gut, diese nicht mehr so hübsche Frau mit dem Drang zur Wahrheit, dem Wissen um alles, was Frauen betrifft und die weiblichen Wesen wichtig ist. Sie ist immer noch viel gefragt in Talkrunden zu speziellen Frauenthemen und jeder erinnert sich an mindestens eine Veranstaltung, in der nicht die große Alte mit dem vehementen  intellektuellen Punch in die Gehirne gedanklich unsortierter Männer oder auch Frauen zielte. Sie schien unantastbar und moralisch integer bis zu ihrem Prozess wegen Steuerhinterziehung. Sie ist keine Unberührbare mehr. Niemand hatte wohl genau gewusst, welche Art Geschlechtsleben diese Frau hat, ob sie Hunde liebt oder Katzen, den Fetisch verehrt oder einfach nur nullogam ist.

 

Da erdreistet sich doch jetzt eine Frau, deren Vergnügen es war, von der Schwarzer begehrt zu werden, ihre Enttäuschungen und Schmusestunden in einem vermutlich sehr erfolgreichen Buch der Öffentlichkeit vor Augen zu führen. Jawoll, unser aller Alice ist auch empfindsam in der Liebe, vor allem, wenn ihr Werben nicht sofort erhört wird. 


Nur das eigene Bild der Schwarzer Lady von sich scheint vermutlich ein anderes zu sein, zumindest das für die Öffentlichkeit. Sie und Gefühle!? Igittiba! Das geht überhaupt nicht. Sie ist die tapfere Emma mit der Kampfeslust einer Brigade. Sie ist die Ratio schlechthin. Und wenn sie einmal ihren Körper gespürt haben sollte, dann, ja dann war das ein einmaliger Ausrutscher, der unnotiert in die Erinnerungsschublade gehört und nicht in die Regale der Buchhandlungen. Wer bei diesen Gedanken an Feigheit denkt? Es geht im Prinzip um das Recht an eigenen Emotionen. Ihr, der Schwarzer, gehört es. Sie dominiert die Regeln, nicht andere.
Wenn das alles so stimmt, dann war es wohl nix mit der Schwarzerschen Lust an der Emanzipation der Frauen? Alles Schwarzer oder was?

 

 

10. August

 

Die Inflation der falschen Symbolik

Liebesschlösser! Was für ein Wort mit einer ganz dünnen Bedeutung. In einer Welt voller vergeblicher Sinnsuche versuchen viele junge Leute ein eisenhartes Denkmal ihrer noch im Reifestadium befindlichen Loveaffair zu schaffen. Das Ganze soll möglichst für einen Appel und ein Ei zu haben sein für Sven und Merle aus Göttingen oder für den neuen deutschen Hans und die Marie. Marmor, Stein und Eisen bricht, aber unsere Liebe nicht. So sang der früh verstorbene Drafi Deutscher und mit ihm verblich auch seine Liebe. Sein Liebesschloss hängt noch immer an einer Berliner Brücke und spricht damit den Schlagerbehauptungen Hohn.
Nicht, dass man den Geringverdienenden keine schwer wiegende Symbolik gönnt. Wären da nur nicht zu viele, die nur nach Berlin fahren und ihren Schlossschrott hier an Brücken entsorgen. Dieser in der Masse schwere Quatsch sollte verboten werden! Und das auch, obwohl der selige Drafi Deutscher vielen Verliebten in die Seele legte, Liebe und Eisen seien im Bruchsoll verbundene Verwandte. 
Es klingelt in vielen Ohren und so mancher ordnungsliebende Mensch trägt ein fröhliches Lächeln im Gesicht, wenn er von den kritischen Stimmen im  Berliner Senat hört, die das Entfernen nutzloser Vorhängeschlösser von den Brückengeländern fordert. Schüler einer deutschen Kunstarbeitsgruppe hatten die glorreiche Idee, alle Schlösser von Brücken zu entfernen, die mit der Absicht angebracht wurden, unbedeutenden Zeitgenossen eine Liaison  zu widmen. Geplant wird von jenen kreativen jungen Menschen, die entfernten Schlösser einer Gießerei zu übergeben, die aus Verschlossenem ein offenes Kunstwerk gießen soll. Gut so! Kunst im öffentlichen Raum kann eine Wohltat fürs Auge sein, blecherne Schlossrhetorik meistens A Pain  in the Arse, wie es kürzlich ein englischer Tourist unweit des Bode Museums formulierte. Berliner dürfen hoffen und mit Drafi, dem Deutschen, in den berühmten Schlager einstimmen: Marmor, Stein und Eisen bricht ...

 

3. August

 

Eine Seele aus der Eiszeit oder der flötende Nachbar

 

So beginnen seine Gespräche oft: Was sagte mein Freund, als ich ihn fragte, wie es war, als er sie auf den Mund küsste. Och, ich habe sie nicht verstanden, denn sie hatte mir ihre Oberschenkel auf die Ohren gedrückt. Ja so war er! Oder auch nicht. Wenn er von seiner Mutter erzählte, die dem Vater in einer Kellnerinnen-Verkleidung immer das Essen servierte. "Sie hatte eine weiße, kurze Latz-Schürze um und trug darunter einen weißen BH. Unter der Schürze hatte sie eine weiße, seidene Unterhose. Sehr kurz. Der Vater saß am Tisch und schaute sie an, wenn sie ihm Schnitzel mit Blumenkohl servierte. Er und seine Geschwister schauten zu, sahen und hörten wie er aß und der Mutter nach dem Serviergang einen Klaps auf den Po gab. Danach durften sie sich an den Tisch setzen und auf ihre Mutter warten, die zwischenzeitlich eine Kittelschürze über ihre Serviererinnenkleidung gezogen hatte. Wenn sie fragten, warum sie dem Vater häufig Schnitzel mit Blumenkohl servierte, winkte sie immer ab: Das versteht ihr noch nicht.
Diese etwas schlüpfrige Geschichte erzählte eine Bekannte meiner Freundin. Was ist los in solch einer Beziehung? wollte ich erfahren. Meine Freundin wusste nicht viel, machte sich aber einen Reim auf die spießbürgerlichen erotischen Spielchen. Die Elemente zum Erzeugen erotischer Spannung finde sie absolut bieder. Mehr Kommentar war ihr die ganze Familienkomödie nicht wert. Nur noch eins, sagte sie, nur noch eine kurze Feststellung zu erotischen Küchenspielen: Der ganze Klimbim mit erotischer Unterwäsche und Küchenumgebung hat seine Ursache in der verklemmten westlichen Welt, die geprägt ist von klerikaler Einflussnahme in frühen Jahren. Ich erinnere nur an den Missbrauch in Internaten, an die Sexmeilen in Großstädten und die Pornofilm-Inflation im Internet. Das alles zeigt die Deformation des Sexlebens in der westlichen Gesellschaft. Punkt. Schluss!

 

 

 

30. Juli

Sie und ich

Als ich gestern vor dem Spiegel stand und meine ersten grauen Haare zählte, wusste ich, dass ich noch bis drei zählen kann. Meine Zeigefinger streiften durch meine dunkelblonden Haare und ließen Schluchten in meiner fülligen Haarpracht entstehen. Sobald ich den Bewegungsablauf unterbrach, fielen sie in sich zusammen. Und ich auch. Da klingelte es kurz und knapp. Dann öffnete jemand das Türschloss und ließ meine Wohnungstür leise ins Schloss fallen. Das musste meine beste Freundin sein, die als einzige einen Schlüssel zu meiner Wohnung hat Sie kam ins Zimmer und umarmte mich von hinten, drückte mir einen Kuss in den Nacken. Überrascht drehte ich mich um und empfing sofort noch einen Kuss auf meinen Mund. Was ist los?, lachte ich, hast du irgendwo etwas gewonnen. Ja. Und was ist das? Mmh, sagte sie, es ist eine Erkenntnis, nämlich die, dass ich dich liebe. Und darum küsst du mich auf den Nacken und den Mund? Ich war so etwas von überrascht! Gut, sie war schon lange meine Freundin, aber Körperkontakt hatte ich mir immer wieder verboten. Irgendwie passte diese Art Liebessehnsucht nicht zu meiner Vorstellung von Frauenfreundschaft. Bis heute. Dieser Überfall und Einfall in meine bisher verborgenen Gefühle jagte mir Wärme in die Wangen und in den Bauch. Ich erlaubte mir, was ich mir bisher immer wieder verboten hatte, legte meinen Arm um ihren Hals und küsste sie für einige Minuten. Beide waren wir sprachlos, beide waren wir Single. Vielleicht wegen dieser versteckten Sehnsüchte. Wir legten uns schweigsam ins Bett und streichelten unsere Körper so lange, bis wir vor Erschöpfung einschliefen. Im Bad gingen wir gemeinsam unter die Dusche und stand Brust an Brust für zehn Minuten unter einem angenehm warmen Wasserstrahl.
Nach dem Bad trockneten wir uns gegenseitig ab. Schweigend. Ich ahnte nun meine geheimen Sehnsüchte und sie auch. Sollten wir uns offenbaren oder abwarten, ob diese Art der Begegnung nur ein Strohfeuer war.
Sie war es nicht. Wir wissen fortan von unserer lesbischen Beziehung und wollen sie versteckt, aber intensiv leben. Auf diese Weise lernen wir beide kennen, was körperliche Liebe ist. Die lange gepflegte Sehnsucht nach einem Freund war wohl mein Irrweg, auch die nach dem männlichen Glied. Der sanfte Körper meiner Freundin wird das mich wärmende Tuch werden. Ich werde glücklich sein, bin ganz sicher.

 

 

26. Juli

 

 

 

Amazonien
Ich weiß jetzt endlich, warum der größte Online-Händler seinen Laden Amazon nennt. Der gleichnamige Fluss in Südamerika ist der größte in der Welt, was den Wassertransport betrifft. Eben diesen Fluss hat sich der Besitzer Jeff Bezos ausgesucht, um mit dessen Namen seine Ambitionen deutlich zu machen: Die größten Online-Umsätze zu erzielen, wenn möglich die größten auf dem Planeten Erde. Das ist ein Anspruch, der aufzugehen scheint, wenn man Paketzusteller aller Firmen beobachtet. Sie tragen eine Unmenge Päckchen und Pakete aus, auf denen der Name Amazon deutlich zu sehen ist. So überschwemmen immer mehr Zustellungen aus Bezos großem Wasser die großen und kleinen Welten hier und dort. Die Geschäfte in Städten und Dörfern klagen über Umsatzrückgänge und so manches Geschäft schließt.  Das ist die eine Seite, die andere ist die landschaftliche Veränderung in der Nähe von Autobahnen. Große Lagerhallen säumen die Schnellstraßen dieses und anderer Länder. Der Blick der Vorbeifahrenden fällt auf hohe Wände einer zunehmenden Versandgigantonomie.  Viele Menschen wollen schnell und preiswerter einkaufen, kaum einer möchte lange warten in dieser sogenannten subito-Welt. "Ich möchte haben, aber sofort!" Dieser ungeschriebene Slogan der schnelllebigen Welt bestimmt das neue Leben und die Alltagshetze. Die Menschen senden sich Handy-Botschaften. Wer länger für eine Antwort braucht, ist nicht gut angesehen. Lame Duck! ruft man ihm zu. In der Lieferwelt ist Schnelligkeit ein guter Service. Ginge man zum lokalen Verkäufer, bekäme man auch manches. Nur, die Lager der Onlinehändler sind größer und die angeschlossenen Händler stehen immer bei Fuß.
So ist die schöne neue Welt gleichzeitig ein super Marktplatz und eine von der Eile getriebene. Opfer werden gefordert: Kreislaufprobleme, Herzinfarkte und Umweltverschmutzung, um nur einige zu nennen. Bezos wird vielleicht bald die Welt regieren mit seinen Quadrocoptern, auch Drohnen genannt, ausliefern und vielleicht Terroristen im Vorüberfliegen unschädlich machen. So ist das mit dem Amazonas, wenn er sich in einen Lieferriesen verwandelt.

 

 

21. Juli

 

Wenn Dummheit weh täte, gäbe es im Moment viel Geschrei

 

Zum Beispiel in der Türkei oder manchen deutsch-türkischen Großstädten, wo Aggressionen losgetreten werden durch Erdogan und seine Schergen. Amerika scheint vom Rinderwahnsinn heimgesucht zu werden, denn es gibt zu viele Menschen mit einer masochistischen Neigung zu dem Schwätzer Trump. Was ist los in der Welt, dass die Giftspritzer wieder und wieder  lizenzfrei ihrem Affen Wasser geben dürfen, dass ein Orban geradezu klug und moderat wirkt, ein Boris Johnson schmerzfrei als Politangestellter durch Länder tingeln kann? Warum lieben die Menschen vermutlich vermehrt die stark wirken wollenden Männer? Alle Flüchtlinge rein ins Land und beantragen, was Küche und Bank zu bieten haben. Ich denke, bei allem Verständnis für die Notwendigkeit von Freiheit sollte der Zuzug von Flüchtlingen genau kontrolliert werden, denn woran erkennt man einen bösen Menschen? Viele verstellen sich. Viele auch nicht. Vorsicht ist geboten, das zeigen die Ereignisse in Nizza und Würzburg. Sollte man die Mörder des eigenen Volkes noch finanzieren? Nein, das auf keinen Fall.
In dem Roman 1984 beschreibt George Orwell eine menschliche Gemeinschaft, in der  es eine sogenannte mind control gibt und eine Sprache, die Newspeak genannt wird. Eine Gedankenpolizei überwacht das Denken der Menschen. Der Roman erinnert in der dargestellten Gesellschaft an den momentanen Zustand in der Türkei. Ähnliche Situationen gibt es in manch anderen Ländern. Herr Erdogan praktiziert nach einem vermutlich durch seine Mitwirkung ausgelösten Putsch die Realisierung ähnlicher Verhältnisse wie in 1984. Alles schon einmal gewesen im Deutschland unter dem Österreicher Hitler, in Russland unter dem derzeitigen Präsidenten Putin. Der Konservative Trump in Amerika trompetet ähnliches Gedankengut ins Land. Schrecklich, wie positiv die Ratlosen auf das Gebell eines Großunternehmers reagieren. Wie kann man das Denken der Menschen in die für sie vorteilhafte Richtung lenken? Nicht wie in Orwells Roman. Das Leben dort provoziert nur schädliche Reaktionen, die der Zerstörung des Planeten Erde zuarbeiten. Trump? Nein! Erdogan? Nein! Putin? Nein! Wen denn, was denn? Freiheit natürlich und keinen Autokraten. Nein, nein, nein!

 

19.Juli

 

Meine Freundin und ich: Da ist gut Kirschen essen.

Die Erdbeerzeit geht so langsam zu Ende, die  roten Johannesbeeren werden langsam aber sicher von den Vögeln abgeräumt. Auf dem Markt gibt es derzeit viel Obst. Mein Lieblingsobst sind zur Zeit die Kirschen. An sie habe ich viele Erinnerungen, gute und schlechte. Dazu gehören der Ärger meiner Mutter, die den Saftflecken auf meiner Kleidung den Garaus machen musste und viel Mühe aufzuwenden hatte. Die schönsten Erinnerungen habe ich an die selbst in Nachbars Garten gepflückten süßen Früchtchen. Meine Freundin Petra und ich liebten das gemeinsame Kirschenessen. Wir lutschten das süße Fruchtfleisch bis auf den Kern ab und spuckten diesen dann so weit weg wie es ging. Der Sieger im Weitspucken bekam die letzten 10 Kirschen. Ich habe auch ekelige Erinnerungen an Kirschen, besonders an jene, in denen sich fette Maden befanden, die mir einen Schauder den Rücken hinunterlaufen ließen und den Appetit für einige Tage verdarben. Wenn wir ganz schräg drauf waren, luden wir Freundinnen zu einem Wettbewerb im Kirschkernspucken ein. 
Daran dachte ich, als meine Freundin mich die Tage einlud zu einem Fest der besonderen Art. Ich war gespannt auf das, was mich erwartete. In ihrem Garten saßen zwei alte Freundinnen von früher. Auf dem Tisch stand eine große Schüssel. Dann können wir ja anfangen, sagte die Gastgeberin, ging zum Gartentisch und hob das Tuch von der Schüssel. Wir mussten lachen, als sie jedem von uns eine kleinere Schüssel mit Kirschen füllte. Hier aufstellen, rief sie und führte uns zu einer Linie. Von hier aus spucken! Jedem von uns reichte sie ein farbiges Stäbchen. Die Farben rot, grün, blau und gelb markierten anschließend den weitesten Spuck. Jeder musste seine neue Weite markieren bzw. den weitesten Spuck. Irgendwann, wahrscheinlich angelockt von unserem lauten Gelache, kam ihr 13jähriger Sohn und sagte: Was macht ihr denn hier? Sport, war ihre kurze und knappe Antwort. Warum solch einen? Weil wir dir zeigen wollen, was es heißt, wenn man mit einem Menschen gut Kirschen essen kann. Ihr spuckt aber. Sollen wir die Kerne mitessen? fragte sie ihn. Nö, antwortete er. Siehste, lachte sie.

 

13. Juli

 

Der Mensch und die Politik: May Day, May Day!

Sind Politiker oder Politikerinnen bessere Menschen als andere, solche die helfen und zum Positiven hin verändern wollen? Oder sind sie genau das Gegenteil, nämlich im normalen Leben Erfolglose, deren einziges Trachten es ist, die Pfründe im politischen Alltag für eine wunderbare Geldvermehrung zu nutzen? Weltweit geht das häufig eine zeitlang gut, in diesem Lande auch. So bleibt manchmal mehr an den meist schwarzen klebrigen Fingern der Politaktiven hängen als der Öffentlichen Hand gut tut. Sintemalen hatte ein gewisser Herr Möllemann den Freiflug gewählt, um nach einem kräftigen Aufschlag für immer seine finanziellen Untaten zu vergessen. Großbritannien zeigt der Welt derzeit als Dessert zum Brexit eine Auswahl tugendloser Politstrategen, deren Reden allein jeden Menschen mit Abscheu erfüllen und Fluchtgedanken entwickeln lassen. Einer von denen ist der berühmt-berüchtigte Boris Johnson, der als Londoner Bürgermeister gelernt hat, reiche Hände zum eigenen Nutzen und Frommen zu schütteln, Aktionen für den Brexit zu starten und ansonsten mehr Interesse an gutem Essen und Krocketspielen zu entwickeln. Oberabtörnend ist jener schleimige Farage, der die Stirn hatte die Partei der Ukip zu gründen und nach siegreichem Fahnenwechsel das Weite zu suchen, denn er wolle endlich mehr Zeit für sein Leben haben. Kaputtmacher verlassen das Boot, bevor  sie mit ihm untergehen. Ein gewisser Michael Gove gab seinem angeblichen Freund Johnson den Judaskuss und überließ ihn ganz schnell seiner privaten Einsamkeit. Dort kann er dann ohne Konsequenzen seinen Spielgelüsten nachgehen und einige neue Gedichte schreiben. Boris, der blonde Londoner, liebt Sprache und Literatur.

Das Spiel ist gelaufen oder rien ne va plus, wie der Croupier im Glücksspielhaus ruft, wenn nicht mehr gesetzt werden kann. Jetzt wird eine Frau Prime Minister. Ihr Name ist Theresa May. Sie ist verheiratet mit einem Großunternehmer im Sicherheitsbereich, wie man im SPIEGEL lesen konnte. May ist noch Ministerin des Innenministeriums. Aus diesem Hause sollen profitable Aufträge an ihren Mann gegangen sein. Seine Unternehmen sorgen u. a. mit körperlicher Gewalt dafür, dass alle ungeliebten Ausländer die Insel für immer verlassen. Theresa May wird also Prime Minister. Nicht nur ihr Händchen soll eiskalt sein, auch ihr Herz. Damit sie die Schmerzen ertragen kann, die ihr die rücksichtslose Entfernung ungeliebter Objekte aus England auch in Zweifelsfällen zufügen,  greift sie - wie zu lesen ist - zum Alkohol. Schöne neue Welt. Alle Polen sollen gehen, die Engländer putzen jetzt wieder selbst. Theresa May wird dafür sorgen, dass Fremdlinge fernbleiben und die Firmen immer wieder ihren Blutzoll kassieren können.
Sind Politiker nun Gutmenschen oder Großmäuler und Nutznießer. Wer weiß? Wir in Deutschland haben unseren CSU-Zausel aus Bayern. Der wird immer wieder sein kritisches Seehofergewölle durch den Äther schicken. Wir können dann lernen, zwischen gut und böse zu unterscheiden. Nicht wahr?

 

11. Juli

 

 

 

Wie jede Großstadt bietet Berlin Ärgernisse und Freuden. Gestern am frühen Morgen lockte ein besonderer Ort: Das Georg Kolbe Museum im Westend. Nach der Renovierung ein besonderes Raumerlebnis. Das alte Atelier wurde zum luftig lichten Raum voller Spannung zwischen dem Raum und den ausgestellten Werken. Ein Besuch ist dringend zu empfehlen und auch anschließend der im Cafe K.

 

Foto siehe 1. Seite

 

9. Juli

 

Katzen, Hunde, Vögel und Fische
So viele Menschen haben Haustiere. Ich habe keine. Zum Beispiel die Katzen in meiner Nachbarschaft. Sie fangen Mäuse, das ist gut. Leider fangen sie auch Vögel oder räubern Nester aus. Elende Kreaturen diese. Könnte sie verfluchen, wenn ich morgens ihre Opfer auf Wegen oder Rasenflächen entdecke. Ich muss gestehen, ich freue mich klammheimlich, wenn eines dieser Biester überfahren wird. Was mich ärgert, ist der Schmutz, den ihre Überreste verursachen. Am Ende bleiben auf den Straßen nur ein paar Fellreste übrig. Wenn ich dann die Menschen erlebe, die Katzen als Kuscheltiere halten und sie durch Bett und Sessel toben lassen, vergeht mir jedes Verständnis. Überall die Katzenhaare, selbst in den Keksschalen, die sie für Besucher auf den Tisch stellen. 
Hundebesitzer sind ganz anders. Sie führen meistens ihre mehr oder weniger geratenen Köter aus und entsorgen in schwarzen Beuteln die  Reste von Hundenahrung. Am schönsten finde ich die Hunde der englischen Königin, denn die haben Stil und Anstand. Die schlimmsten Tölen sind die im Wedding oder in Moabit, sehen häufig grausam aus und dumm, entsprechend der Intelligenz ihrer Besitzer. Fass, Wotan fass! oder Komm her Zeus!. Tja, so ist das mit der Bildung. Namen werden aus schwachen Bildungserinnerungen geboren.
Dann lieber Vögel, wenn es nicht gerade Hähne oder Pfauen sind, jene Lärmschläger aus modernen Gärten, deren Besitzer ihr Bioverständnis auf die Gartendeko übertragen. So mancher Mensch hat einen Vogel, dem er täglich Futter geben kann um an  diesen Flattermännern oder -frauen ersatzweise Sozialverhalten zu üben.
Fische haben manche immer noch in kleinen Aquarien oder als Fischstäbchen im Gefrierfach des Kühlschranks. Ja, Deutschland ist tierliebend, sei es am Dönerstand, oder im Hause der CURRYWURST. Manchmal auch dort, wo manche Leute Pflanzen setzen und andere ihre Köter kacken lassen.

 

 

29. Juni 2016

 

Die Grenzen der Ichs

Schon seit Jahrhunderten konnten die Menschen immer wieder die UNBERECHENBARKEIT der Handlungen ihrer Spezies erleben. Man nennt ihn den homo sapiens, den mit dem Verstand, und erlebt ihn immer öfter als homo ludens, als den, der mit der Gewalt spielt und falsche Träume sein Handeln bestimmen lässt. Sie lieben, meist vorhersehbar durch Blicke und Verhalten. Sie verachten und hassen, was die immer häufiger zu beobachtenden Gewaltausbrüche bei Attentaten und Kriegen deutlich machen. Es macht sich Angst breit vor all dem zerstörerischen Egoismus, Furcht vor all den Rücksichtslosigkeiten ohne Sicherung durch mögliche Selbstkritik. England, Deutschland oder Russland zeigen immer wieder die hässlichen Gesichter der sogenannten Alpha-Menschen, Lebewesen ähnlich jenen künstlich geschaffenen Figuren in dem Roman "Brave New World" von A. Huxley. Es gibt nur einen großen Unterschied, die lebenden Figuren können gefährlich werden. Namen wie Boris Johnson in England oder Björn Höcke in Sachsen stehen für unkontrollierbare Lebewesen mit Machtanspruch. Putin und Trump, Besetzungen im großen Politischen Welttheater nicht zu vergessen.
Die Tage traf ich in einem Cafe in  Berlin-Kreuzberg einen Mann meines Alters. Wir kamen ins Gespräch über Politik und Gewalt und über Menschen, deren öffentliches Auftreten Grund zu der Annahme geben, sie könnten die sich verbreitende Angst vor dem Fremden und möglichem sozialen Abstieg zur Agitation nutzen, wie sie von Le Pen in Frankreich und Wilders in Holland praktiziert werden. Boris, der frühere Londoner Bürgermeister, ist sich seit langem nicht zu schade Lügen strategisch zu nutzen.
In diesem Zusammenhang wurde mir ein interessantes neurologisch- soziales Projekt vorgestellt. Es gibt, sagte mir mein Gegenüber, Bestrebungen, durch  rechnergesteuerte Kontrolle gefährliches menschliches Versagen zentral zu beobachten und bei Bedarf zu neutralisieren. Ungeheuerliches erfuhr ich. In geheimen  Versuchen werden  Neugeborenen Minirechner im Gehirn implantiert, deren Aufgabe es ist, die neurologisch messbaren Ströme aufzuzeichnen und mit Modellvorstellungen zu sozialem Verhalten abzugleichen. Impulse greifen ein ins Verhalten. Bei großer Gefahr für viele Menschen könne ein Gehirn durch heftigen Stromstoß deaktiviert werden. Das heißt nichts anderes als einen gefährlichen Menschen um sein Leben zu bringen.

Ich staunte. Zustimmend nickte ich. Aber was sagen unsere Gesetze dazu? Die, so mein Gegenüber, werden entsprechend der politischen Situation an die jeweiligen Gegebenheiten angepasst. Ich äußerte Zweifel an der Genehmigung solcher Versuche, weil sie gegen freiheitliche Vorstellungen seien. In dem Gesicht meines Gesprächspartners sah ich ein breites Grinsen. Das sei, sagte er, dIe Erfindung des Zentralcomputers als Kontrollinstanz der Einzelwesen.

 

25. Juni 2016

 

Aus meinem Briefkasten: Raffen und nicht teilen

"Ich bin es leid, von meinem bisschen Einkommen noch Geld abzugeben an Notleidende. Was kann ich dafür, wenn einer nicht genug Geld hat, um sein Leben zu finanzieren. Hätte früher darüber nachdenken müssen, dass das irdische Sein kein Ponyhof ist, auf dem jeder einen Stall findet und sein tägliches Brot. Wenn ich die Bettler sehe vor den Lebensmittelläden oder an der S-Bahn, dann werde ich wütend. Anstatt zu arbeiten in Rumänien oder Bulgarien oder einem der anderen ArmeSchluckerStaaten, sitzen sie kostenlos in unserer Sonne und machen ein Hungergesicht. Ne, mit mir nicht!
Wir Deutschen müssen sparen. Wir verdanken es nur unserem Fleiß und dem Glück der Tüchtigen, dass es uns gut geht. Ich will keine Schnorrer in diesem Land, weder aus den Warmduscherländern noch aus Tschtschenien. Was ich habe, verdanke ich meinem Fleiß. Wo immer ich günstig einkaufen kann, tue ich es, bei Aldi oder Kik oder Adler. Neulich sagte mein Nachbar, die für Kik arbeitenden Menschen verdienten so wenig, darum sind sie so arm. Ich bitte sie, hätten die in der Schule aufgepasst, bräuchten sie jetzt nicht unsere Klamotten zu nähen! Für die Hauptschule hätte es gereicht. Ja und für die vielen Toten vor einiger Zeit kann ich doch nix. Die sollen nicht mit Feuer spielen. Wenn ihnen die Arbeit zu schlecht ist, können sie doch flüchten und bei uns Sozialhilfe beanspruchen. Wenn sie sich ordentlich benehmen, habe ich nichts dagegen. Irgendeiner muss doch Sozialhilfe bekommen. Wo soll das Geld sonst hin. Sehen sie, ich bin ein sozialer Mensch. Damals gab es viele Tote. Das tat mir leid. Ich schrieb einen Brief und trauerte mit den Menschen: 

Liebe Arbeiter und Arbeiterinnen für Kik. Ich bedaure, dass sie einige Angehörige verloren haben. Zwei Wochen lang werde ich eine Kerze ins Fenster stellen. Die wird für alle Toten leuchten. Ihre Nelly Kürten aus Berlin"

 

Diesen Brief bekam ich vor drei Wochen. Er macht mich ein wenig ratlos.

 

 

22. Juni 2016

 

Das Schaumbad

Liebe Mitmenschinnen, ich stelle mir Heidi Klum bei mir in der Badewanne vor, inmitten ihres Schaums, den sie mit Hilfe ihrer zarten Hände erzeugt hat, nachdem ich ihr entsprechende Wässerchen und Pülverchen ins Wasser gegeben hatte. Sie ist extra ohne den Sohn des Malers gekommen, diesen Schnabel, der zu seinem Geburtstag einen Gutschein für drei Jahre mit Heidi bekommen hatte. Sie war also die Bezahlung für den Kauf zweier Gemälde bei dem berühmten Pinselschwinger, dessen künstlerische Laufbahn in einem Burger Restaurant begann, als er auf eingefärbte Leinwände zerbrochenes Porzellan klebte. 

Vergessen wir den Schnabel, die  schlechten Gemälde voller Küchenabfälle und die süße Heidi. Sie war nicht lange bei mir. Ich durfte in dieses von Heidi abgekühlte Wasser steigen und gab mich erfrischenden Träumen hin. Immer schon wollte ich mal in Heidis Nähe sein, weil ich wusste, dass wir beiden Schaumschläger gut zusammenpassen. Nicht etwa, weil ich mich für Frauen interessiere. Tue ich ja, aber nicht körperlich, nur geistig. Spaß beiseite!  Es geht mir nicht um die Schönheit, nein, es geht mir um den guten Geruch. Ich als Berlinerin habe das Gefühl, dass mir in dieser Stadt so manches stinkt, was vielleicht damit zusammenhängt, dass der Regierende Bürgermeister Müller heißt und sehr kurzatmig wirkt, auch ländlich sittlich. Seit mich das alles und so täglich immer wieder beleidigt, dämmert es mir. Gegen Müller oder was hilft nur der gute Geruch. Ich schäme mich fast zu gestehen, wieviel Geld ich für diese olfaktorischen Erlebnisse ausgebe. Eine Menge Knete, das ist sicher. Jetzt rieche ich wieder häufig gut. Deswegen kam auch die Heidi in meine Badewanne. Was sagen sie? Sie sei nicht des Duftes aus meiner Tube wegen gekommen? Das kann nicht sein, weil ich im Haus das beste Parfüm habe und andere Duftwässerchen. Zufall? Die Heidi nutzt auch die gleichen Körperreinigungsmittel. Der gute Geruch führt uns zusammen. Das ist doch klar,oder?

  

 

19. Juni 2016

Verrücktheit als heilbare Kreativkraft

Stellen sie sich vor, sie haben Kopfschmerzen und Seelenpein. Das scheint ein Problem für eine Menge Menschen. Sagt ihnen jemand, sie sollen zur Apotheke gehen und sich dort Gedichte kaufen, um ihre Probleme lesend zu heilen, würden sie diesem Menschen wohl gerne einen Vogel zeigen. Was haben psychische Störungen mit Gedichten zu tun? Diese Frage ist wohl eine sehr heutige, teilt man nicht in unserem ehrenwerten Kulturkreis Sachbereiche nach materiellen Kriterien oder Anwendungs- und Entstehungsbereichen ein. Demnach findet man heutzutage Mittel gegen Krankheiten in Apotheken oder Drogerien. Die Gestalter der Abhilfen von ernsthaften oder eingebildeten Krankheiten sind Chemiker oder Pharmazeuten. Ich war so frech, in einer Apotheke Gedichte gegen Kopfschmerzen zu verlangen. Die Apothekerin lächelte und reichte mir die Apothekerzeitschrift mit einem süffisanten Lächeln. Dieses Mittel ist kostenlos. Ihr Gedicht finden sie auf Seite 18.
Wie schön zu wissen um den Irrtum dieser Frau. Sie hielt mich vermutlich für einen Menschen mit Sockenschuss. Ich habe keinen, denn schon zu Dantes Zeiten wurde Literatur als Heilmittel besonders in Apotheken verkauft. Seit Jahrhunderten schon hatten Dichter das Verfassen von Lyrik als Heilmittel erkannt, besonders bei seelischen Bedrängungen prosaisch begabter Wortsetzer. Das Lesen lyrischer Werke wurde auch zum Heilmittel, denn in fremden Wortkeimlingen entdeckte so mancher Seelengepeinigte seine eigenen Schreckensbilder, die ihm Unruhe und Kopfschmerzen bereiteten. Auf diese Weise wurden er oder sie ferngehalten von autodestruktiven Aktivitäten. Der Schütze aus Orlando hatte sicher keine Therapie dieser Art genossen, weil er ein ruhender Vulkan war. Besser hätte er einen Text geschrieben wie manche altvorderen Dichter.


Gesang einer gefangenen Amsel
 
Dunkler Odem in grünem Gezweig.
Blaue  Blümchen umschweben das Antlitz 
des Einsamen, den goldenen Schritt 
Ersterbend unter dem Ölbaum.
Aufflattert mit trunknem Flügel die Nacht.
So leise blutet Demut,
Tau, der langsam tropft vom blühenden Dorn.
Strahlender Arme Erbarmen
Umfängt ein brechendes Herz.

 

Georg Trakl schrieb sich in diesem Gedicht im Jahre 1913 seine Bedrückungen von der Seele. Die Wirkung der kreativen Wortschöpfung hielt nicht lange an. Er suchte und fand immer neue Wortwelten. Am Ende half nur noch Kokain, das ihn schließlich um sein Leben brachte, genau im Jahre 1914.

 

 

17. Juni 2016

 

Maschinendienst
Ich erinnere mich an die alte Schreibmaschine meines Großvaters. Sie war eine Adler aus dem Jahre 1940. Aus heutiger Sicht wirkt sie wunderbar antik. Damals war sie eine der neusten Errungenschaften in den modernen Büros des Landes. Und vor allem musste man auch körperliche Arbeitet leisten. Sportlich sah sie aus, war es aber nicht, sondern ein schneller Weg zu einer Sehnenscheidenentzündung im Handgelenk. Heute gibt es nur noch Sehnenscheidenentzündungen durch Tätigkeiten, die dem eigenen Wohlbefinden dienen, was immer man auch tut. 
Es fängt an beim Barrenturnen, geht über das Sahne- und Cremeschlagen bis hin zu Handbewegungen, deren einziges Ziel es ist erotischen Ersatz zu liefern. Das ist das Damals im Gestern und im Heute. 
Was die Schreibmaschine betrifft, ist die hyperaktive Beschäftigung von Hand und Verstand verschoben in den Bereich bloßer Bedienerfunktionen. Rechner sind vorgesteuert durch Programme, die den Nutzer zurechtstutzen auf Handlangerniveau. Er schreibt und die Maschine korrigiert, er drückt hier und dort, die Maschine reagiert. Hat er nur geschrieben, liefert ihm ein Drucker einen Text oder schickt diesen durch unsichtbare Leitungen in entfernte Welten. Der Mensch kann sich fühlen wie ein Gott, hat aber eher die Nähe zu einem Primaten.

Diese allgemeine Veränderung der Nutzerbeanspruchung ist eine Reduktion auf operatives Handeln, das in der Arbeitswelt die Entlohnungskosten reduziert. Die Köpfe all dieser Maschinenwelten werden zu einer hoch bezahlten Elite. Dem Rest der Beschäftigten droht ein Leben wie jenen Lebewesen in Massentierhaltungsställen.
Es scheint nicht ungeschickt zu sein, diesen Zustand als Oligarchie der Wissenden zu bezeichnen. Was nach Freiheit und Arbeitserleichterung aussieht, ist tendenziell ein schleichender Verdummungsvorgang.
Im Erotikgewerbe wird es ähnlich sein: Liebedienerinnen und -diener werden ersetzt durch Roboter. Speed-Dating wird zum Robot-Sex-Shopping. Wahrscheinlich innerhalb von Stunden geliefert durch Amazon-Drohnen. Schöne neue Welt.

 

 

12. Juni 2016

 

Die wirklichen Geräusche und der Deckelsound

 

Ich und viele andere haben den Ohrenstöpsel entdeckt, jenen Schmuck des bescheiden schönen Menschen, mit dem er signalisiert, zu welcher Preisklasse er fähig ist. Früher verpasste dem Homo Erectus der HNO-Spezialist Wattebremsen gegen Ohrenschmalz oder kleine Cotton Balls zum Schutze eines empfindlichen Gehörgangs. Es gab keine große Auswahl, weil Ohrenleiden Kennzeichen von Warmduschern waren, also jenen Menschen, die empfindsam durchs Leben stapfen.
Doch, es gab Ohrenklappen gegen scheuende Sanftmenschen. Für Privatpatienten fanden sich Mützen mit Ohrenklappen. Schmalztriefende Ohren sieht man heute selten.
Besonders Wertvolles scheint die Farbe der Kabel zwischen Maschine und Menschenohr zu signalisieren. Weiß kommt aus Amerika, produziert von einem Hersteller für Alter-Egos, die sogenannten I-Produkte. Die Kabel zwischen Phone und Ohr sind immer weiß. Durch sie fließt das klangvolle Glück der überflüssigen Stunden. Man nennt das Transportierte Musik. Sie geht von zerstörerisch zu erholsam, kann geistvoll sein oder dumm, überflüssig oder hilfreich. 

Sie muss auf einen großen Bedarf gestoßen sein, diese kleine Maschine mit den großen Fähigkeiten, diese Privatdisco und Telefon, Fernschreibmaschine und Fotoatelier in einem. Häufig gebraucht wird dieses Gadget (Neudeutsch auch Getschett) als Privatdisco und geleitet mit seinen Darbietungen den Nutzer mit straßenfernen Geräuschen von A nach B. Das bedeutet eine Abwesenheit der kakophonen Klänge, die den Tag zerschneiden in akustische Fetzen. Ein Handy mit Musikspeicher ist sozusagen ein Freund der Ohren und damit gleichzeitig der Seele, die von den gräuslichen Geräuschen des Tages verschont bleiben. Kein Hupen mehr, kein Hundegebell, keine schreienden Mitmenschen. Überhaupt und so entzieht einem die Taschen-Jukebox all den Geräuschmüll des täglichen Lebens. Das scheint sinnvoll und hilfreich für das Seelenleben, das dem Schönen verpflichtet ist. Einerseits! Doch gefährdet dieser antikakophone Schutzwall dem einzelnen auch den Sinn für Aufmerksamkeit im öffentlichen Raum. Opfer sind zu beklagen. Weil manche das Hupen eines Autos nicht hörten, wurden sie überfahren und dem weiteren Leben entzogen.
Trotz all dieses möglichen Verdrusses habe ich meinem Handy auch 500 Megabyte Musik anvertraut. Von Chopin bis Udo Lindenzwerg steht meinen Ohren manches zur Verfügung. Das von mir so gehasste Hundegebell entfällt auf dem Wege durch die Stadt. Ich werde abgelenkt und schwimme auf den Wellen des Glücks. Nur einmal ließ mich diese Glückswelle in einen Hundehaufen treten. Ich hörte es nicht. Nur Zuhause befiel mich die Wut über die kackenden Kläffer angesichts meiner Fußdeko.

 

 

 

 

09. Juni 2016

 

Das Cafe als Ort der Ordnung und des Müßigganges

Lebensgefühl kann man in Berlin an vielen Orten tanken. Und nicht nur das. Man kann sich zur Schau stellen, seine neuesten Klamotten zeigen. H & M geht gar nicht, zu piekfein auch nicht, denn angeben oder auf sparsam machen geht nicht in Zeiten der Flüchtlingsströme. Und - mal ganz ehrlich, nur im Cafe zu hocken, um zu hören, wie die Zeit durch den Raum wispert, das ist abartig. So viele sitzen da, haben ihr Handy oder ihren Laptop wichtig neben sich stehen, trinken einen Pimm's oder einen besonderen Kaffee, dem man den tollen Geschmack des Trinkenden ansieht. Ja, klar, Kaffee kann auch so teuer sein, um Maria oder Otto Normalverbraucher eine Chance zu geben, einen stilvollen Eindruck zu hinterlassen, einen Eindruck, der Spuren im Gedächtnis anderer Besucher hinterlässt. Zu solchen Bedeutungssuchenden gehöre ich nicht, glaube ich. Ich bin der Mensch oder die Menschin, die bescheiden die Zeit verstreichen lässt und mit einem dicken Paket voller kluger Gedanken nach Hause geht. Mein Handy lege ich nicht auf den Tisch, denn es ist ein altes, klappbares von Samsung, das nur noch eine Erinnerung an eine verflossene Moderne ist.

Handys sind Überlebensmittel. Wer eins hat, das funktioniert, der kann sich eine Hänsin im Glück nennen. So wie ich.  Cafe!!! Vor 5 Tagen war ich in meinem Lieblingscafe, der Mutter Fourage in Wannsee. Ich saß alleine in der fast hintersten Ecke an einem der Gartentische und trank ein Glas Wein des Winzers Clemens Busch. Die Bedienung schaute mich lächelnd an, so als wollte sie sagen, ich sei ein Connaisseur. Vielleicht bildete ich mir das auch nur ein. Man weiß ja nie, welche Streiche einem die eigene Einbildung spielt. Ich saß also da, lächelte die Sonne verbissen an, weil sie mich blendete. Ich sah keine scharfen Umrisse mehr, eher Schattenrisse von Menschen. 
Ganz plötzlich hörte ich lautes Geschrei. Die Serviererin stritt mit einem Mann an einem Tisch, weil er vermutlich seine Rechnung nicht bezahlen konnte. Als mir der Lärm zu laut wurde, mischte ich mich ein und fragte nach dem Grund der Auseinandersetzung. Die Serviererin erklärte mir, ein Tischnachbar habe sich über die Sprache des Mannes beschwert, die er, der Tischnachbar, nicht verstehe und zu laut finde. Im übrigen seien wir in Deutschland und für Flüchtlinge sei nicht überall Platz, vor allem nicht in seinem Lieblingscafe. Und woher kommen sie? fragte ich ihn. Aus Polen, antwortete er. Und mein Deutsch ist sehr gut. Ach so, sagte ich. Wissen sie eigentlich, dass sie einen polnischen Akzent haben. Er lachte mir frech ins Gesicht. Stimmt nicht, ich komme nicht aus Polen, ich komme aus Ungarn. Ach du liebe Neune! rief ich, ein Ungar, der in Deutschland ausländerfeindlich ist. Bin ich nicht, sagte er, ich möchte nur für Ordnung sorgen. Sie doch auch, oder? Sonst wären sie nicht an diesen Tisch gekommen.

 

 

05. Juni 2016

 

Ich und Lady Hamilton

Tja, das hätte so mancher nicht gedacht, dass so eine wie ich plötzlich wie Lady Hamilton sein möchte, auch weil viele Männer in mir eine Emanze sehen. Aber Männer, was wissen die schon? Wenn sie in den Spiegel schauen, sehen sie immer einen Helden oder Schlappschwanz. Wer sie sind oder was, darüber machen sie sich keine Gedanken. Frauen sind da anders. Die benötigen ihr Spiegelbild. Als ich von der Wörlitzer Ausstellung über Lady Hamilton las und einige Gemälde sah mit der .Darstellung ihrer Person, wurde ich irgendwie neidisch. Mein derzeitiger Lebensabschnittspartner sah die aufgeschlagene Zeitung auf dem Tisch, nahm sie zur Hand und las den längeren Artikel. Als er fertig war und seine Augen mich leuchtend ansahen, sagte er: Meinst du nicht, dass du eine moderne Lady Hamilton sein könntest? Willst du mich veräppeln? wollte ich von ihm wissen. Er meinte es bitter ernst und klopfte mir auf den Po. Denkst du nicht, dein Gesäß sei auch von edler Form? Ich ging zum großen Flurspiegel und betrachtete meine Sitzrundungen. Du hast Recht, sagte ich, in meinem Rock lagert eine Menge verführerisches Körperglück. Ja, sagte er, sag ich doch. 
Ich verschwand schnell in meinem Zimmer und nahm einige lange nicht gesichtete Koffer vom Schrank herunter. Hier träumte Kleidung aus alten Zeiten vor sich hin. Einen Rock nach dem anderen legte ich auf mein Bett. Vier sehr schöne Kleider fand ich wieder. Ich war froh, nie zugenommen zu haben. Als ich mich so anschaute in meinem BH und meinem Spitzenschlüpfer, war ich nicht entsetzt, sondern erfreut. Meine Haut wirkte glatt, denn ich war noch nicht 50. Mein Busen war füllig und nicht fett, mein Kinn straff und die Haare immer noch dunkel, obwohl einige graue Linien sich breit machten. Ich zog mir ein weites Kleid an mit erfreulichem Ausschnitt und Schuhe mit hohen Absätzen. Mein Lippenstift machte mein Mund zu einem Kunstwerk und die Schminke verwandelte mein Gesicht in ein schwach gebleichtes Gesicht aus Renaissancezeiten. Ich stellte meine Stereoanlage auf voll Lautstärke und öffnete weit meine Zimmertür. Mein Freund eilte herbei, schlug die Augen vors Gesicht und rief: Meine Lady Hamilton! Vor Freude nahm er mich in den Arm und tanzte durchs Wohnzimmer. Etwas außer Atem hielten wir nach 20 Minuten oder mehr inne und schnauften. Etwas atemlos stellte ich fest, dass die alten Zeiten vorüber seien. Er atmete tief durch und nickte nur.
Am darauf folgenden Abend verabredeten wir uns in eine Disco für Leute über 40. Wir waren pünktlich und saßen bereits an der Bar, als unsere Bekannten durch die Tür kamen. Der Freund meiner Kollegin staunte mich an. Kennen wir uns? Ja, sagte ich? Wusste ich's doch, du erinnerst mich an Anneliese Rotenberger. Ich erstarrte. Rotenberger? Ein Foto aus den fünfziger Jahren fiel mir. O Schreck! So sollte ich aussehen? Ich fing mich blitzschnell und stellte trocken fest: Und du erinnerst mich an Peter Alexander oder vielleicht auch an Rudolf Schock. 

Er starrte mich fassungslos  an.

 

02. Juni 2016

Das Böse kommt auf leisen Sohlen und frisst meistens Kreide, bevor es anfängt, die Menschen zu belügen

Wie immer sie sich nennen, sobald sie den Anspruch erheben, mit Volkes Stimme zu sprechen oder nur der Wahrheit zu dienen, sollte man sie im Regen stehen lassen. Wie immer sie heißen, ob ihre Familiennamen mit einem H anfangen oder mit einem P, ob sie fromm reden oder poltern, man sollte vorsichtig sein und das Weite suchen. Dort nämlich kann man sicherlich die richtigen Antworten eher finden als in den Mündern und Hirnen der volkstümlich erscheinenden, die in ihrer Mörderseele die Liebe zum Guten entdecken. So sagen sie, wenn sie die Wahrheit vergewaltigen, das Gute als Schlechtes darstellen, die Fremden als Störenfriede und das Böse nur im Fremden sehen.
Wie kommt das, fragte mich heute jemand, dass parallel so viele sogenannte Berufene auftreten und für das Wohl aller sprechen, und das, so scheint es zu gleicher Zeit? Das könne doch nur gesteuert sein. Welch ein Irrtum! Als könne solch eine komplexe Anzahl Menschen in unterschiedlichen Ländern in eine Richtung gesteuert werden. Leicht wäre solch eine Bewegung zu beenden mit der Vernichtung einiger konzertiert agierender Störenfriede, Hassprediger, Reichtumsuchende, Machthungrige oder Selbstüberschätzer? Es gibt vielleicht nur eine einzige Antwort: Wenn alle das Heil in der Abschottung und der Vertreibung suchen, dann kann es nur die Angst vor dem Verlust des eigenen kleinen Vermögens oder auch größeren sein. Nicht teilen wollen, was man mühsam errungen hat. Ängste der Menschen werden von Dumpfbacken in vielen Ländern geschürt, sei es Deutschland, Amerika, England, Frankreich, Russland usw.. Namen zu nennen, scheint völlig überflüssig zu sein. Es gab so viele in Deutschland und anderen Ländern. Man muss nur hören können und sehen, um dieser Art Rattenfänger nicht hinterherzulaufen.

 

 

30. Mai 2016

 

Couch oder Coach
Die Franzosen waren es nicht, die Engländer waren es, die einem Sitzmöbel den Namen Couch gaben, um so manchem unpoetischen Zeitgenossen das Reimwort autsch in den Mund zu legen, wenn er in England auf Antikem seine Sitzfläche lagern durfte. Verwechselt wird dieser Begriff gelegentlich mit dem Wort Coach, das einerseits eine Art Reisebus beschreibt oder auch Menschen, die ausgewählte
Zeitgenossen mit einem Wissen ausstatten wollen, das sie dem Anschein nach haben. Nun ist die Lernpraxis vieler Lebender aber von Erlebnissen geprägt, die der Berufsbezeichnung Coach eine gewisse Komik zuweist, weil diese Art Trainer aus einem Überfluss an unerfreulichen Misserfolgen sprachliche Anleitungen drainieren, mit denen die Welt der Antwort auf Fragen suchenden Lernbegierigen überschwemmt wird. Ich muss gestehen, in meinem Leben einige Coaches erlebt zu haben, deren Bezahlung der Überfüllung eines Gülletanks gleicht. Viel von dem angeblich nicht stinkenden Geld fließt durch dunkle Kanäle in ein großspurig auftretendes Unternehmen. Der in seinen Shakespeare verliebte Engländer spricht im Falle des Coaching von Much Ado About Nothing. Manches Mal wird ziemlich viel hohles und geschwollenes Wort den Ohren Wissbegieriger zugemutet, die ein ehrliches Interesse an der Wissens- und Ehrfahrungssteigerung haben und sich nicht nur Takten sondern ganzen Opern von Plattitüden stellen müssen. Gekommen waren sie mit ehrlicher Lernlust, gefahren sind sie mit der Erkenntnis, daß manche Köche viel Brei kochen, der schon vom Ansatz her nichts anderes verdient als das epitheta ornans überflüssig. So habe ich erfahren von einer Lehrerfortbildung, bei der Modellstunden präsentiert wurden und Gespräche zum selbstständigen Lernen. Staunend erfuhren die meisten Teilnehmer, was sie schon lange selbst praktizierten. Oder in einem Coaching erfuhren Frauen so manches über Männer und deren Rollenverhalten, bekamen Ratschläge, die voller Platitüden waren und Gemeinplätze boten wie zum Beispiel folgenden: Männer sind nur so gerne dominant, weil sie Minderwertigkeitskomplexe haben. Derart gequirlten Käse bekommt man von teuer bezahlten Coaches häufig geboten. Die Welt möchte belogen werden? Nein, eigentlich nicht. Die Suche nach Wissenserweiterung ist ehrlich gemeint. Nur, woran erkennt man die Scharlatane? Sie tragen keine Hörner, das ist sicher. Sie wirken nur sehr häufig übertrieben selbstbewusst.

 

 

21. Mai 2016

 

Summ, summ, summ, Bienchen summ herum!

Es ist etwas Schlimmes passiert, etwas, das häufiger geschieht als man denkt, zumindest als ich immer  gedacht habe. Gestern klopfte es an meine Wohnungstür. Obwohl ich eine Klingel habe, klopfte jemand. Ich legte die Kette vor und öffnete die Tür einen Spalt. Ein Frauengesicht schaute mich an. Auf dem Arm trug sie ein schlummerndes Baby. Es war die Frau, die vor zwei Wochen eine Etage über mir eingezogen war. Können sie mir helfen? fragte sie und hielt mir das Baby entgegen.
Ich muss schnell mit meinem anderen Kind zum Arzt. Reden sie mit ihm. Es wird freundlich reagieren. Ehe ich etwas fragen konnte, war sie verschwunden und ich hatte ein Baby im Arm. Ich und ein Baby. Na gut, ich fand Kinder ganz nett. Aber, wie geht man richtig mit ihm um. Ich zog ein paar Grimassen, stellte mein Nase schief, kräuselte die Lippen, grinste künstlich, lachte albern. Keine Reaktion auf dem Gesicht des knapp Einjährigen. Keine? Doch da kam eine mit einem lauten Brüllen einher, als hätte ich das Kind geschlagen. Habe ich nicht. Ich schwöre. Das Kind schrie und schrie und mein Gesicht wurde immer ratloser. Was sollte ich tun? Ich sprach ganz vernünftig, erzählte von den Nachbarn, die keinen Lärm vertragen können. Genau, das können sie nicht, denn als ich dem Kind gerade Kluges erzählen wollte, klingelte es. Vor der Tür stand der Nachbar, freundlich schimpfend: Wie kommen sie eigentlich dazu, als Unverheiratete ein Kind zu haben? Ich wollte umgehend antworten. Doch er war schneller: Sie können gar nicht mit Kindern umgehen, sie Junggesellin. Doch kann ich das? Und warum schreit das Kind? Sie haben es bestimmt geschlagen? Ich schlage keine Kinder. Und warum schreit die Kleine? Weil ihre Mama sie mir Wildfremden in die Arme gedrückt hat. Das glaube ich nicht, sie wollen sich nur herausreden. Ach, und sie sind nicht nur Experte im Nörgeln, sie kennen sich auch in der Kindererziehung aus. Er schaute mich wütend an und ging. 

Ich schloss die Tür und versuchte mit dem Kleinen ins Gespräch zu kommen. Dieser dumme Versuch war aus der Not der Unwissenden geboren. Der Kleine sprach noch nicht, produzierte nur abwehrende Laute und schaute mich voller Angst an. Was hatte ihm seine Mutter nur angetan! Aber, noch wichtiger, was konnte ich jetzt tun?Ich dachte an Essen, an Singen, an Türmchen bauen. Essen? Was ißt ein kleines Kind? Ich versuchte es mit einem Stück Banane. Das Kind weinte und drehte sein Gesicht angewidert weg. Ich versuchte es mit einem Keks. Das Kind schloss seine Augen und weinte. Ich nahm ein paar alte Schachteln aus meinem Schrank und legte sie vor das auf dem Boden sitzende Kind. Es schaute die Schachteln gelangweilt an. 

Ich besann mich endlich auf meine Gesangskunst und auf Bienen. Das war wohl die zündende Idee: Summ, summ, summ, Bienchen summ herum. Flieg nur aus in Wald und Heide, ei wir tun dir nichts zuleide ... usw. Das Kind schaute mich an und beruhigte sich, ja es lächelte sogar ein wenig. Immer wieder musste ich das Lied ertönen lassen und mich am Ende bei dem alten Hoffmann von Fallersleben bedanken.
Zwei Stunden später kam die Mutter und holte ihr Kind ab. Der Nörgelnachbar kam gerade vorbei, sicherlich nicht zufällig, und bekam die Wahrheit mit. Er lächelte und sagte ein paar freundliche Worte, so als sei er der Befürworter nachbarschaftlicher Hilfe. Tschüss, Herr Schleim, sagte ich und schloss ihm die Tür vor der Nase. Er stolzierte von dannen und der wohlgefüllte Gesäßbereich seiner Stoffhose  zeigte die 
Masse an Körper, die dieser Mann neben seiner Unzufriedenheit der Umwelt zumutete.

 

 

 

 

 

18. Mai 2016

 

Die Kälte der Herzen und der Kleine Prinz

Ich habe meine Wohnung, ich habe mein Einkommen, ich bin nicht umgeben von selbstsüchtigen Erdomanen, ich lebe alleine, was an mir und meinem Einzelgängertick liegt. Mein Alleinsein stört mich häufig, beruhigt mich jedoch auch. Ich kann Freude nicht teilen, bekomme aber auch nicht die Last anderer Trauer auferlegt. In der Summe meiner Abwägungen gleicht sich vieles aus. Emotional betrachtet bin ich eine nullwertige Frau, eine, die ein Defizit verspürt und mit der Entsagung lebt. Traurig ist, mir geht es nicht allein so. Man liest in Zeitungen von Mord und Streit, von Versagen und Gewalt. Da wirft zum Beispiel ein Zweiunddreißigjähriger  ein acht Monate altes Baby aus dem Fenster. Vermutlich hatte er nie in das kummervolle Gesicht eines Babies geblickt, das die Geborgenheit braucht, was angstvolle Blicke kleiner Kinder häufig genug signalisieren. Solche Blicke bitten um Erbarmen. Dieser junge Mörder hat sich vermutlich nie Gedanken um die Sorgen und Nöte anderer gemacht, hat nie oder nur verständnislos in fremde Augen geschaut.
Oder denken wir an die unsägliche Frau Tschäpe, die seit Jahren auf Fotos in Zeitungen zu sehen ist und sich sehr wichtig nimmt, was man auch vor einigen Tagen in der Zeitung lesen konnte. Diese Frau weiß um Morde, ihr steinkaltes Herz scheint davon nicht berührt zu werden. Warum gönnt man diesem unwerten 
Lebewesen diese Aufmerksamkeit? Hat es möglicherweise damit zu tun, dass die Medien diesen Horror gerne auf Dauerbetrieb kochen möchte?

Frau Tschäpe hat immer den öffentlichen Ort, das getötete Baby hat die kalte Erde nun als Ort. So unendlich traurig ist diese Gefühllosigkeit in der Welt. Der Name Assad steht für emotionale Tiefsttemperaturen. Er hat seinen Ort. Ob er ein glücklicher Mann ist?  Sein Gesicht zeugt häufig von einer tiefen seelischen Störung. Mit ihm habe ich kein Mitlied, nur mit den unschuldigen Opfern, deren Behausung die ewige Dunkelheit der Erde sein wird.
All diese Hässlichkeiten der Welt macht sie zu einem Jammertal, zu einem Ort der unzähligen vergeblichen Glückssuchenden. Ich habe meinen Platz auf der Welt. An vielen Orten der Welt leben Menschen ohne eigenen Raum, unbeschützt und verloren im eigenen Ich oder irgendwelchen Drogen. Manchmal glaube ich, das Elend der Welt müsse mal ein Ende haben. So ist es nicht, weil der Teufel so fruchtbar ist, wie es die Kröten in manchen Teichen sind. Er zeugt permanent neue Teufel. Ich wünschte mir, den Teufeln dieser Welt das Zeugen von Nachkommen verbieten zu können. In diesem Falle ist es von Nachteil, in einer Demokratie zu leben. Manchmal verstehe ich Erdoban, wenn er seine Feinde von der Erde entfernen möchte. Leider hat er nicht verstanden, dass er der Teufel ist. Unweit seiner Heimat spielt der kleine Putin den ehrenwerten Strategen, denn er lässt angeblich töten für einen guten Zweck. So sind die Teufel dieser Welt mit ihrer eigenen Logik, einer Logik,,die sich in kalten Hirnen entwickelt. Ja, die menschliche Spezies ist anfällig für Viren der Zerstörung. 

Eine Nichte sagte jüngst zu mir: Du, Tante Anna, warum regiert nicht der kleine Prinz die Welt, der ist doch so lieb? Vielleicht, weil der nicht über andere bestimmen möchte. Warum nicht. Weil er lieb ist und kein Herz aus Stein hat.  Schade, sagte sie und schwieg anschließend für ziemlich lange Zeit.
 

 

15. Mai 2016

 

Kinder - eine Freude oder nur Arbeit, Luxus oder Notwendigkeit?

Ich durfte eine Freundin bei der Geburt ihres Kindes begleiten, durfte erleben, wie es ist, wenn da plötzlich ein neues Erdenleben die Welt bereichert. Als Junggesellin wurde mir von einer Stunde auf die andere klar, wie wertvoll echtes und auch junges Leben ist. Dieses junge Leben ist ein immer wieder erneuertes Versprechen auf eine gute Zukunft der Menschheit. Wie gesagt: ein Versprechen, das immer wieder von jungen Eltern eingelöst werden muss. Ich bleibe noch ein wenig bei der Geburt. Erst ist da ein immer dicker werdender Bauch, der auf wunderbare Weise seinen Inhalt freigibt, der zu einem handelnden und kommunizierenden Wesen wird. Bei aller Qual der Entbindung ist die Freude über ein neues Leben groß, die Anstrengung bald  vergessen und das Staunen groß, wenn neues Leben kommuniziert mit Körper, Stimme und Mimik und Gestik. Richtige Kommunikation zwischen Eltern und Kind öffnen die Türen zu einem eigenen Glück in einem selbst verantwortlich geführten Leben. Kinder fordern Eltern heraus.

Ich habe noch kein Kind und auch momentan keine Gelegenheit in zweisamer Verantwortung neues Leben zu zeugen. Und dennoch beobachte ich schon lange das Verhältnis der Welt zu ihren Kindern. Sie sind in anderen Kulturen die Zukunft des Landes und die Stütze der Wirtschaft und Kultur, sie werden geliebt und respektiert. In Kulturen wie den westlichen zeigt bereits der allgemeine Wohnungsbau, welchen Wert Kinder haben. Die Wohnungen werden kleiner, die Kaufhäuser stellen Designerkleidung für den Outfit der neuen Namensträger zur Verfügung. So stehen Schmuck und ökonomische Enge nebeneinander. In wirtschaftlich schwachen Ländern oder Familien sind die Kinder ein zufälliger Reichtum oder ein Grund für menschliche und ökonomische Schwierigkeiten, sind Anlass für Streit und Elend, sogar Grund für Scheidungen, wenn Eltern keine Vorstellungen von den Nöten des Nachwuchses haben. Häufig geht in England zum Beispiel die Anzahl der Kinder zusammen mit dem geistigen Entwicklungsstand der Eltern oder auch Erzeugern, die keine besondere Beziehung zueinander entwickeln. Meiner Freundin zweites Kind, dessen Geburt ich beiwohnen durfte,  hat mir vieles von Menschlichkeit gezeigt.
Und dennoch breitet sich über neues Leben auch ein Ahnung von Sorge, Angst um das voranschreitende Leben. Ich sehe manchmal in den Zeitungen Meldungen über Unfälle mit Kindern, Berichte über Erwachsene, deren Einstellung zu Kindern gezeichnet ist von einer Art schwer zu erklärendem Hass, der sich abreagiert durch Quälerei und Vernachlässigung. Das scheint ein Problem der modernen Welt zu sein. Es werden immer weniger Kinder geboren. So mancher erlebt sein Glück lieber im Warenluxus, in schnellen Autos und einer für mich schwer zu ertragenden Oberflächlichkeit. 

Ein Maskottchen für diese Art Außenwelt, eine auf Materielles bezogene, hat Berlin wie fast jeder größere Ort in Mitteleuropa: Es heißt hier Rolf Eden und ist eine hohl gewordene Hülle für gelebten Lärm um fast nichts. Er hat sich rechtzeitig für Geld und den schönen Schein entschieden und spielt gerne den Affen. Gelegentlich auch in seinem Rolls Royce.

 

11. Mai 2016

 

Mein Paradies
Manchmal tun mir die Füße weh vom vielen Schreiben. Das hat zu tun mit meinen zappelnden Füßen oder auch restless legs, wie manche Neurologen oder Orthopäden es nennen. Ja, so kann man es auch sagen. Die Wahrheit ist meine rastlose Suche nach dem großen Glück. Ich wundere mich über meine Unruhe, habe ich doch das große Glück in einer Weltstadt zu wohnen, in der es neben Flüchtlingen mit schlimmen Erfahrungen auch viel Kultur gibt, an der ich teilhaben darf, manchmal kostenlos, ein anderes Mal zu bescheidenen Preisen. Es gibt so viele Museen, zum Beispiel das Bode-Museum, das von vielen schönen und wertvollen Skulpturen belebt wird, ja belebt. Schaut man manchen ins Gesicht, sind Gedanken und Charakter zu ahnen. Ich habe mir vor einigen Wochen vorgestellt, wie es wäre, eine Nacht in einem Saal meiner Lieblingsskulpturen zu verbringen. Von dieser Idee war ich so fasziniert, dass ich mir erlaubte dem Chef des Hauses von meiner Idee zu berichten. Nach einigen Tagen antwortete er und beglückwünschte mich zu meiner Idee. Er würde mir erlauben, eine Nacht dort zu verbringen, wenn ich meine Erlebnisse aufschriebe und sie ihm zur Verfügung stellte. Das sollte nicht schwer sein. Ich sagte telefonisch zu und wurde zwei Wochen später für eine Nacht in einem Saal eingeschlossen. Mir wurde vorher von den Alarmanlagen erzählt und auferlegt, nur in diesem einen Saal zu verweilen, wenn ich keinen Alarm auslösen wolle.

Es war eine Mariengestalt, die es mir angetan hatte, und eine Tänzerin aus weißem 
Marmor. Dann war da noch der Kopf einer Mutter dolorosa. Als die Nacht für mich um 22 Uhr begann, hielt ich einmal kurz den Atem an und fragte mich nach dem Sinn meines Tuns. In meinen Ohren war ein Sausen, meine Augen nahmen nur wenig wahr. Um mich herum war ein Schweigen und ein gelegentliches leichtes Knacken. Eine ganz schwache Beleuchtung schenkte dem Saal ein gespenstisches Licht. Man hatte mir einen tragbaren Faltstuhl zur Verfügung gestellt. Auf den setzte ich mich zuerst vor den Kopf der Schmerzensfrau. Ich schaute ihr auf die Wangen und glaubte nach einigen Minuten eine leichte Bewegung auf ihrem Gesicht zu bemerken, eine Art Zucken. Besonders achtete ich auf ihre tränenden Augen und sah nach einiger Zeit die Tränen fließen. Ich glaubte nicht an meine Wahrnehmung und hielt eine Hand für einige Minuten unter ihre Wange. Wie erschrak ich, als plötzlich etwas Feuchtes in meiner Hand landete. Dicht hielt ich sie vor meine Augen und bemerkte etwas Blinkendes. Es sah aus wie eine Träne. Zu nah dürfe ich mit meinem Gesicht nicht an die Wachsfigur, hat man mir vor dieser Nacht gesagt, wegen der Empfindlichkeit des Materials. Doch, was war das?  Eine wirkliche Träne in meiner Hand!? Ich wischte sie in mein Taschentuch. Meine Phantasie spielte mit mir und schenkte mir dazu die Wahrnehmung eines leisen Stöhnens. Erschrocken blickte ich in das Gesicht. Es war starr wie immer.

Langsam, ohne ein Geräusch zu machen, stand ich auf und ging zu der Figur der Tänzerin. Dieses Museum hatte ich schon oft besucht und war bei jedem meiner langen Besuche minutenlang vor der Figur gestanden, hatte sie umrundet und mich an ihren grazilen Bewegungen erfreut. Manchmal erahnte ich ein Zwinkern in ihren Augen und verfiel auf den Gedanken, es handle sich um eine wirkliche Person. In dieser Nacht wollte ich sie erleben, wollte ihren Tanz als wirklichen sehen und nicht als Ergebnis meiner Umrundungen.
Ich stand starr, blickte auf zu ihr, setzte mich und sah sie tanzen. Sie wurde schneller und schneller und schneller, sie jubelte und sang in ihrer schönen italienischen Sprache. Ihre Stimme wurde immer leiser, bis ich nichts mehr hörte. Ich weiß nicht, wieviel Zeit vergangen war. Plötzlich verspürte ich eine leise Berührung an meiner Schulter und blickte in einen leicht helleren Raum. Vor mir stand einer der Aufseher und nannte mir die Uhrzeit. Ohhhh! Ich musste eingeschlafen sein. In meinen Ohren hatte ich immer noch den Gesang der Tänzerin. Bald kommen die ersten Besucher. Ich stand auf, nahm den Stuhl und verließ langsam die Halle.

Als ich mich einen Tag zu Hause an alles Gesehene und Gehörte erinnern wollte, hatte ich nur unscharfe Bilder vor meinen inneren Augen, in meinen Ohren noch den Klang der italienischen Sprache. Als ich mein Taschentuch ansah, glaubte ich einen schwachen kleinen Fleck zu erkennen. Ich legte das Stofftuch in eine Holzschachtel -für später als Beweis. Aber, wer würde mir glauben? Ich werde alles aufschreiben und meine Notizen dem Direktor geben.

 

 

08. Mai 2016

 

Die Erdogamen dieser Welt

Es gibt Männer auf dieser Welt, für die es eigentlich keinen Platz mehr gibt, Männer, die sich für so potent halten, dass sie nicht einige Frauen in Atem halten können, sondern glauben, ein ganzes Bataillon könne ihnen zur Verfügung stehen, damit sie an allen ihre Kraft messen können. Solche maskulinen Fehlentwicklungen stehen seit einiger Zeit wieder im Rampenlicht und spielen den bissigen Wachhund. Über ihren Betten scheint der Altberliner Spruch zu stehen: Mir kann keener! Man sollte sich über die Kims und Putins, die Erdowanns und den ungarischen Staatsfürsten eigentlich freuen, weil sie alles sicherstellen, was mit dem Wort mono eine Gemeinschaft eingeht, z. B. monogam, monokulturell, monobrachial, monolingual, monomanisch, monoton usw.. Das sind nun die sogenannten Großen, auch wenn sie klein sind wie Putin oder Orban. Daneben gibt es unzählige Normalos, bei denen die Männlichkeit und daraus abgeleitete Rechte wie Befehlsgewalt über Frauen, Befreiung von den niederen Arbeiten im Haushalt, Verpflichtung zum Gelderwerb für die Familie, auch wenn sie nach außen nicht als solche wirkt, in einer Art Erziehung im Verhalten verankert wurden. Ich rede jetzt nicht von muslimisch fundierten Erziehungsgrundsätzen, sondern von den im patriarchalischen Jahrhundert verbliebenen Familien oder jenen Italienern, die das Prinzip Mama auf das eigene Leben übertragen haben.
Frauen, die das Pech haben, sich in eine aus diesem Entwicklungskreis stammde Mannsperson zu verlieben, müssen mit einer lebenslangen Gefangenschaft und Zwangsarbeit rechnen. Darum: Hands off! Als ich noch jünger war und der Auffassung, das Leben sei ohne Mann weniger wert, nahm ich einmal Zuflucht bei der Ehevermittlung, auch diskret Partnervermittlung genannt, Parship. Um erfolgreich zu sein, besuchte ich auch einige Speeddatings. Was einem da so alles begegnet. Manche Männer sahen aus, als seien sie nach dem Genuss eines trockenen Frühstücksbrötchens gezeugt. Andere wirkten beim Sprechen so, als seien sie mit dem Hofhund zusammen erzogen worden, als sie ihr Tachchen über die Lippen gleiten ließen. Alle diese Versuche, einen Partner zu finden, ähnelten einer Schnäppchenjagd bei Woolworth. Nie wieder! Dann ist es doch besser mit dem Wellensittich zu talken, nicht wahr?!

 

06. Mai 2016

 

Berliner Albtraum

Wer in Berlin ein Haus besitzt, kann sich meistens glücklich schätzen, wer eine Wohnung in einem Haus mit mehreren Wohnungseigentümern hat, muss sich Freude und Pflichten teilen. Muss zum Beispiel ein Hausdach teuer saniert werden, können di e Verhandlungen über Kosten und Auftragsvergabe schon schweißtreibend sein, vor allem für solche Wohnungseigentümer mit schmalem Kapitalhintergrund. Ist man Mieter, können einem unliebsame Erfahrungen das Leben schwer machen, wenn Hausbesitzer eine Immobilie verkaufen wollen und der neue Besitzer nach schneller Verzinsung des Kapitaleinsatzes zielt. Warnend kann ich hier nur auf rabiate Vermieter in London verweisen. Geld ist wichtig in dieser Stadt, die hauptsächlich mit Geldgeschäften, Tourismus und Vermietung das bürgerliche Leben aufrechterhält. Eine sehr bekannte Londoner Tageszeitung hält ihren Lesern fast täglich vor Augen, was als scheinbar unvermeidliches Schicksal von Menschen die täglichenSchrecken verbreitet. Zum Beispiel laufen Wohnungsmietverträge in der Regel nur 12 Monate. Diese kurze Laufzeit ermöglicht Vermietern die Miete um eine vermutete Wertsteigerung zu erhöhen. So erfahren die Leser aus der erwähnten Tageszeitung, daß einer jungen Dame die Miete von 1800 £ auf 2800 £ erhöht wird. Sie gehört schon zu den besser verdienenden Berufstätigen, muss aber passen und sich eine neue Wohnmöglichkeit suchen. Das wird schwer, gibt es doch nicht genug erfreulichen Wohnraum. Üblich ist das sogenannte Flatsharing. In einer Fünf-Zimmerwohnung wohnen dann zum Beispiel fünf Personen. Je nach Standard muss man pro Raum 500 bis 1000 £ zahlen. Für ein £ muss man zur Zeit 1,20 bis  1,25 € zahlen, wenn man als Deutscher mit dem Euro rechnet. Dem Engländer sind die Wechselkurse kein Problem.
Rechnet man den Zimmerhöchstpreis auf deutsche Verhältnisse um, hieße das, für eine Wohnung in Charlottenburg bis zu 6000 € zu zahlen. Für eine normale Wohnung. Im Wedding wäre das Ganze nur halb so teuer.

Momentan sind die Mietverhältnisse in Berlin noch normal, was die Preisgestaltung betrifft, solange die Mietpreisbindung  besteht. GB hat sich von schützenden Maßnahmen verabschiedet. Bei der Wahl des Londoner Bürgermeisters wird deutlich, dass die Konservativen um den Bürgermeister Boris Johnson teure Wohnung an zentralen Stellen bevorzugen und damit die schönen Orte in London zu teuren der Reichen werden lassen möchten. Labour will  das verhindern. Der Berliner Bürgermeister Müller wird sich vermutlich nie damit abfinden, die Stadt Berlin dem Reichtum zu überantworten und zum Beispiel einen Teil des Tiergartens als Bauland für Luxusapartments ausweisen lassen. Ein Londoner sagte mir: Hütet euch vor arabischem und russischem Kapital, denn das ist verdorben.

 

 

01. Mai 2016

 

Die vorgekochte Welt des Bequemen

Computerspiele, Fertigmahlzeiten, programmierter Urlaub, Backmischungen, Pornofilme, Softeis, Fertighäuser, Musterbriefe, Bekleidungsberater, Computerhunde usw.

Ich kenne einen Menschen, der einen Menschen kennt, der sich einmal einen gelben Anzug kaufte, grüne Schuhe, lila Socken, ein blaues Hemd und einen roten Hut. So eingekleidet ging er in seiner Stadt spazieren und wurde danach irgendwie zum Stadtgespräch. Die Mehrzahl der Menschen trug graue, blaue oder braune 
Kleidung. Diese Farben standen oder stehen noch für Eleganz und Stil. Zurückhaltung ist angesagt, nicht aufzufallen, unterzugehen in der Masse der Namenlosen. Nichts Eigenes wollte niemand einbringen in das tägliche Leben, will es nicht. Luschtig zu sagen, dass die monotonalen Menschen sich für seriös schlechthin halten.
Die  sogenannten Tugenden wurden und werden allgemein geschätzt - von vielen Menschen und von Fabrikanten, denen es leicht war und ist, den Bedarf der Menschen einzuschätzen.
Die erklärte Schlichtheit des ästhetischen Gemüts fand und findet ihre Entsprechung in anderen Bereichen. Man lernte Fertignahrung zu lieben, Fernsehserien, Computerspiele. Die Beherrschung der Letzteren galt als besondere Fähigkeit, als das Können, ohne eigene Phantasie das Reiz-Reaktionsschema eines Primaten zu beherrschen. Das Bewerben solcher Aktivitäten traf auf viele Faule, die im Bedienen der richtigen Knöpfe ihre Meisterschaft erreichen und König für einen Tag werden oder auch für mehrere in einer anonymen Masse mit Namen, die im Internet ihr Ego austoben.
Die Werbebranche scheint es leicht zu haben mit jenen, die das Angerührte lieben, z. B. bei Backmischungen oder geplanten Urlaubsreisen.  Man zahlt und wird durch den Erholungsring geführt an der Longe des Urlaubsmanagers. 
Und weil das Leben ein sauberes sein soll, gibt es für alle Fälle Fertigware: Die Puppe fürs Bett, den Film für die Erotik-süchtigen Augen, das Fertighaus für die Heimkehr in die Normalität des Familienlebens. Alles muss sauber und komplikationsfrei sein, die Straßen ohne Hundehäufchen, für das Abkühlen der inneren Hitze das Softeis besonders soft und den Computerhund für die Bell-Arien und Streichelstunden.

Nichts hat man im Urlaub vermissen müssen, man gönnte sich auch die farbigen Bademoden. Zum blauen Wasser gab es grüne oder türkisfarbene 
Bikinis oder Badehosen. Oder wenn man sich  in ein nordafrikanisches 
Land gewagt hatte, weil zwar der Islam den Morgenfrieden stört mit dem Muezzin aus der Moschee,  wusste man doch, es gibt auch Schnitzel und Hamburger, Kamele zum Reiten und für den oft vermissten Weitblick. Leider auch den gedrückten Hoden. Für den gibt es dann nach der Tor-Tour die gelben oder roten Trostpflaster, mit denen das Gemäch besänftigt wird. Arme Männer! Frauen haben es da besser, sie reiten lieber auf Eseln.

 

 

27. April 2016

The Big Spender oder Wer hat, der hat.
Die Tage fiel mir ein Zeitungsmagazin aus einer überregionalen Wirtschaftszeitung in die Hände. Es war voller Werbung für Luxusprodukte. Angeboten wurde das teure Andere, dazu ein bestimmtes Lebensgefühl für potentielle Besitzer, die gerne ein Qualitätssiegel auf Stirn und Anzug tragen, um fremden Menschen und auch Freunden ihren sogenannten guten Geschmack und den eigenen Wohlstand deutlich zu machen. Ich staunte und fühlte mich abgestoßen und nicht angezogen. Warum ist das so? Ein Grund ist sicherlich der: Mir imponieren Menschen mit Bodenhaftung, Menschen, die den Wert von Bodenständigkeit schätzen, ihre Bodenwurzeln zeigen und nicht aus Luftwurzeln ihre Nahrung beziehen, die vom kreativen Atem vieler Zeitgenossen schmarotzen.
Und was nicht alles in meinen Augen schmerzte! Eine kleine Aufzählung mag genügen. Erst einmal eine Auswahl der als wertvoll geltenden Marken: Vuitton, Dolce und Gabbana, Parmigiani, Cassina, Armani, Giorgetti, Steinway, Linley, und so weiter und so fort. Namen, so der Volksmund, sind Schall und Rauch. Vielfach stehen sie für Qualität, mehrfach für den Rauch, der den beworbenen Lesern den Blick trüben soll. Frau hat keine Tasche mehr, Frau hat eine Vuitton. Und weil der fehlende Kennerblick nicht reicht für Wertschätzung, setzt man Initialen auf das Produkt. Besonders komisch ist, wenn Menschen vor lauter Produktverehrung ihre Hunde Vui und tton nennen oder ihre Söhne Armani oder die Töchter Linley und die Pferde Anna oder Tommi. Wem dabei der Filmtitel "Grays Anatomie" einfällt, der ist nicht schief gewickelt.

Die schöne Warenwelt, die das Bewusstsein trübt, das Geld in Bewegung hält und den Reichtum so mancher Produzenten mehrt. Zwischen Namen finden sich Autos der besonderen Marken, Uhren mit besonders genauer Gangart, häufig aus der Schweiz, die für Genauigkeit sehr viel übrig hat, was man bei der Regulierung des Ausländerzuzugs  gut feststellen kann. Also, wer richtig tickt, wem so manches fehlt, der stürzt sich auf teure Waren und Namen, hinter denen man sein mageres Ego verbergen kann. Wenn ich als Kind über die teuren Autos der Nachbarn staunte, sagte meine Mutter: Wer hat, der hat. oder Der Teufel scheißt immer auf den größten Haufen. Sie war ohne Neid und ihr war humorvoll bewusst, dass man Weisheiten für Kinder immer bunt einpacken muss. Wenn ich an das Magazin denke, das ich so freudvoll durchblätterte, kann ich mir ein Kopfschütteln über den neuen Warenglauben nicht verkneifen. Leisten kann ich mir davon wenig. Darum wird mein Goldfisch demnächst Maggi heißen und mein Sohn Ravioli. Ein klares Preis-Leistungsverhältnis. Nur gibt es zwei Probleme: Ich habe weder ein Aquarium noch einen Mann.

 

 

 

24. April 2016

 

Ein Leben ohne Fleisch
Die Tage traf ich eine Freundin in meinem Lieblingscafe in Charlottenburg.
Durch Zufall. Wir unterhielten uns über gleiche Bekannte, über neue Filme im Kino, über Freizeitaktivitäten und auch über unsere Beziehungen. "Na, was macht dein Sexleben?" fragte sie mich. Erstaunt schaute ich sie an. "Was hast du denn neuerdings für Themen?", wollte ich wissen. Sie lachte laut. "Das erstaunt dich, nehme ich an." "Aber klar doch. Bisher haben wir über aktive Körperertüchtigungen selten gesprochen." Sie lachte noch einmal und erzählte mir lang und breit von einem älteren Freund, der eine neue Freundin gehabt habe und jedem einigermaßen bekannten Menschen von seinen erotischen Abenteuern erzählte. Ich wurde neugierig und machte große Augen. "Was", fragte ich, "erzählt er denn so?" "Das möchtest du gerne wissen, wie?" "Na ja, wenn du mich schon neugierig machst." "Er erzählt von allen möglichen Experimenten seiner Freundin, von ihrer Gier und seiner Erfahrungslust und von schmutzigen Sachen, wie er es nennt. Dabei strahlen seine Augen und zeigen alle seine Freude über das, was er jahrelang nicht erfahren konnte."
Ich wollte dann unbedingt mehr wissen. Sie verfiel jedoch in Schweigen und fragte nur: "Ist Sex für dich so wichtig?" "Nö, ist es nicht." "Für mich auch nicht", sagte sie. 
" Sex ist immer der Anfang, die Lust am Neuen und später kommt dann die Liebe." "Liebe, was ist das für dich?" "Verstehen, reden, sich gegenseitig helfen." "Und warum bist du nicht verheiratet?", wollte sie wissen. "Hat sich nicht ergeben." Ich wollte mehr über den älteren Bekannten erfahren. "Der ist gestorben." "Eh, wieso das?" "Seine Freundin hat ihn verlassen. Zwei Monate später ist er verstorben." "Wie?" "Er hat angefangen zu saufen. Eines Morgens war er tot." "Einfach so."
Wir bestellten sofort einen Wein für jeden und lachten voller Freude. Wir wussten, dass alles in Maßen genossen werden sollte.  Darum hatte ich momentan keinen Sex und sie trank lieber abends Wein. Sie hob ihr Glas und sagte lachend: "Der macht auch müde!"

 

 

 

21. April 2016

 

Ich bekam einen seltsamen Kurztext, fast ein Heiku:

 

du liebst mich in briefen und auf wegen.
ich verabscheue dich, weil
du fahrrad fährst ohne führerschein.
wir treffen uns vor dem bahnhof.
jeder löst seine eigene fahrkarte.

 

Mein erster und bisher einziger Gedanke war: Und dann fahren wir beide in getrennte Richtungen. Das sind die Vorzüge der Freiheit.

 

 

 

16. April 2016

 

Shopping als Lebensziel: Ich kaufe, also bin ich!

Sie friert und kauft sich einen Pullover. Sie hat Hunger und kauft sich zwei Brötchen. Sie hat Durst und kauft sich eine Flasche Wasser. Sie hat Kopfschmerzen und nimmt zwei Tabletten, Spalttabletten. Das sind alles notwendige Akte. Dann wird sie ergriffen von einem enormen Sog. Sie wurde vergewaltigt, ihr wurde etwas angetan von der Warenwerbung. Von dieser Verletzung möchte sie auch nicht geheilt werden, nein, sie empfindet sie als Wohltat. In ihrem Alltag ist immer etwas los. Sie hat Schwung, sie ist in Bewegung, sie wird geschätzt, man sieht sie gerne kommen oder auch gehen, weil sie vieles verspricht, entweder neue Kleidung oder Umsatz. Ihre Freunde staunen. Niemand fragt, wie sie alles finanziert. Warum auch, sie wohnt in einem schönen Haus, das Reichtum vermuten lässt, sie fährt einen nicht zu preiswerten Wagen, sie fährt zweimal im Jahr in Urlaub. Vor allem geht sie gerne zum Einkaufen.

Sie sammelt Kleider und Hosen, Blusen und Pullover. In ihren Schränken steckt der Bedarf für alle Jahreszeiten. Sie hat zwei bevorzugte Schuhgeschäfte, deren Besitzerinnen sie als Freundinnen betrachtet. Sie wird angerufen, wenn neue Ware eingetroffen ist und als erste bedient. Nie verlässt sie das Geschäft unter vier Paar Schuhen. Bevor sie bezahlt, bekommt sie ein Glas Champagner, manchmal auch erst später. 

Ihr Bekleidungsgeschäft ist ihr Wallfahrtsort und ihr Purgatorium. Wenn sie es betritt, bläst sie Trübsal. Verlässt sie es, braucht sie zwei Wochen keinen Termin bei ihrem Therapeuten. Sie verdient ihr Gels selbst. So recht wissen nur ihre engen Freunde, wo sie arbeitet und was ihr genauer Beruf ist. Manche sagen, sie arbeite bei einer Bank, andere reden von einer Immobilienverwaltung. Allgemein scheint sie keine finanziellen Probleme zu haben. Verheiratet ist sie nicht. Freunde für nähere Kontakte hat sie zwei; einmal übernachtet der eine bei ihr, einmal der andere. Öfter hört man sie und ihren Besuch lachen. 

Sie hat eine Frau, die ihr das Haus sauber hält und für den Haushalt einkauft. besondere Aufträge schreibt sie auf einen Zettel. Ihre Angestellte ist diskret. Sie redet nie über ihre Chefin. Für alles wird sie gut bezahlt.

Manchmal, wenn sie alleine ist nach Feierabend, denkt sie über ihre Kindheit nach. Sie hat noch einen Bruder, den sie selten sieht. Als Kinder wurden sie anspruchsvoll und katholisch erzogen. Sie ging bis zum 18. Lebensjahr gerne zur Kirche. Dann entdeckte sie für sich die Welt der Waren und hielt die Kirche nicht mehr für wichtig.
Häufig öffnet sie die Türen ihrer Kleiderschränke, greift sich Kleidungsstücke und streichelt die Stoffe. Sie seufzt, wenn sie Kaschmirmaterial in der Hand hat, sie schluchzt, wenn sie sich nach dem Bad mit teuerstem Parfüm besprüht. Sie genießt den Duft und den Anblick ihres Körpers im Spiegel. Sie weiß, dass sie schön ist. Sie ahnt, dass es ihr gut geht. Wenn jemand sie als Kleiderfetischistin beschimpft, lächelt sie abwesend. Ihr Besitz beruhigt sie, ihre zwei Freunde bestätigen sie in ihrer materiellen Welt. Über ihrem breiten Bett findet sich ein teuer gerahmter Spruch:
Habeo ergo sum.

 

 

 

 

13. April 2016

 

Vom Leben im Pappkarton

 

Wenn das neoliberale Denken weiter erstarkt, können sich viele als Wohnung nur noch einen Pappkarton leisten

Viele bedauern Obdachlose, obwohl sie ihnen nicht helfen können. Dabei dürfte es jedem klar sein, das Recht auf eine  eigene Wohnung müsste alle haben. Erschwinglich müsste sie auf jeden Fall sein. Es gibt unterschiedliche Stadtteile mit weniger oder besser ausgestatteten Wohnungen. Ein jeder müsste also seine Wohnung finden. Müsste, sollte, dürfte, wenn es nicht aus neoliberalem Geschäftsverständnis heraus keine Einwände der Regierenden gäbe, Häuser in großen Mengen an sogenannte Immobilienbetreuungsfirmen zu verkaufen. Das klingt anfangs wirtschaftlich plausibel, gäbe es da nicht die widrigen Umstände bei Vermietern, die eine Immobilie als Gewinnmaximierungseinrichtung verstehen. Heute zu mieten, kann heißen mit dem Teufel zu tun zu haben, der gerne anderen die Hölle heiß macht. Ich weiß es aus eigener Anschauung. Es ist eine Berliner Firma, die harte Verträge macht mit jedem Recht für sie und wenig Recht für Mieter. Wenn man Glück hat, gehört ein Haus einem Privatmann, der die Immobilie als seine Alterssicherung ansieht, was nicht heißt, dass er etwas zu verschenken hat, der jedoch einer ist, der Mängelmeldungen ernst nimmt und nicht ignoriert. 
Ich weiß nicht, welcher Menschentyp auf dem Immobilienmarkt häufiger ist, der Abzocker oder der menschenfreundliche Vermieter?
Immobilienfreundlich und menschenkritisch scheint ein Unternehmen zu werden, das Immobilien in großem Stile ersteht und dazu dann sehr gewinnfreudig vermietet. Leider darf ich keine Namen nennen, nur eine Empfehlung aussprechen: Jeder Mieter ist gut beraten, wenn er eine von Großvermietern angebotene Wohnung genau inspiziert und Mängel schriftlich in einem Begehungsprotokoll festhalten lässt. Das schriftliche Protokoll ist genau zu lesen und Fehlendes ist zu monieren. Sollte man etwas vermissen, muss auf eine Korrektur gedrängt werden. Erfahren habe ich von betroffenen Mietern, wie es ist, wenn man nicht genau liest. Hausverwaltungen zwingen einen, die Kosten von Schadensbeseitigungen zu übernehmen. Vergessenes ist mit Vorsatz geschehen.
Ein weiteres Problem sind Großvermieter mit Gerichtsstand im Ausland. Mit ihnen im Streit zu sein, erfordert Kampfeslust und Bargeld. Ausländische Rechtsanwälte arbeiten nur gegen Vorkasse. Viele deutsche übrigens auch. Wie sagte mir einst ein Rechtsanwalt? Recht haben und Recht bekommen seien zwei Dinge. Und bekommen kann man es nur gegen Bezahlung.
Auch festzustellen sind überhöhte Kautionen, die mit fadenscheinigen Gründen festgelegt werden. Rechtmäßige Verzinsung wird garantiert, was immer das heißt.
Der schärfste Unterpunkt in einem Mietvertrag ist der Hinweis auf mögliche Verkäufe von Häusern. In solch einem Falle werden Kautionen an Neubesitzer weitergereicht. Wer glaubt, er könne sie bei Auszug sofort zurückbekommen, der kann sich täuschen. Manchmal erhöhen Neubesitzer die Mieten. Wer sich weigert, die Begründungen zu akzeptieren, der muss lange Geduld haben. 
Was viele Streitigkeiten mit Großvermietern vermeiden könnte, braucht grundsätzlich die Hilfe der Gesetzgeber. Noch sind Lobbyisten im Parlament erlaubt, die gelegentlich sehr unternehmerfreundliche Ansichten vertreten, in denen das Wort Mieterschutz seltener vorkommt als das Wort Gewinnvermehrung.
Doch es gibt Trost für alle potenziell Wohnungslosen: Ikea entwickelt ein imprägniertes Papphaus. Die Wohnfläche beträgt 20 qm. Der Preis wird bei 5000 € liegen. Im Parlament wird gerade über Zuschüsse beraten. Land stellt der Staat kostenlos für 20 Jahre zur Verfügung. Die Parteien feiern die neue Idee als einen Schritt in eine menschenfreundliche Zukunft.

 

 

11. April 2016

 

What matters? Was ist wichtig für ein Leben?
Durch Zufall fiel mir in der Bücherei  Waterstones in Greenwich ein - wie sich beim Lesen herausstellte - wunderbares Buch in die Hände. Es handelt vom Leben eines Schäfers im Lake District in Nordengland, erzählt von einem Nachfahren. Das Buch macht Staunen, weil es liebevoll und ohne großes stilistisches Spreizen aus einem Leben berichtet, in dem es um Landschaft geht, um Schafzucht, um das Verhalten und Denken der Menschen, um ein ungeschminktes Leben.
Das Werk macht nachdenklich, weil es sich auf das einfache Leben bezieht, nicht auf große Träume, sondern auf die Notwendigkeiten im Landleben eines Schafzüchters, der von Wind und Wetter, Jahreszeiten, Gesundheit und Krankheiten abhängig ist, dessen Leben also von den gegebenen Bedingungen geprägt ist, der Auseinandersetzung des Menschen mit den Erfordernissen seiner Umwelt.
Tradition und Ressourcen spielen eine große Rolle für das Leben der ländlichen Bevölkerung. Moderner Schnickschnack ist nicht wichtig für die meisten. Diese Erkenntnis wird in der Beschreibung der Bildersammlung der Großmutter deutlich, auch in der Charakterisierung des Großvaters, der Fleiß und Ehrlichkeit schätzt, ganz besonders bei sich selbst und seiner Familie.
Als junger Mensch fiel dem Verfasser auf, wie viele Fotos gerahmt auf ihrer großen Anrichte standen. Zu allen abgebildeten Menschen hat sie Geschichten, die sie gerne erzählte. Von ihrem Vater, ihrer Mutter, ihren Kindern, Nachbarn und Freunden. Die Welt ereignete sich in diesem Kreis der Zeitgenossen und schrieb ihre eigene Geschichte in der kleinen Welt des Dorfes und der umliegenden Landschaft. Leben hieß Arbeiten, Freizeit gab es fast nie. Besucher der Landschaft, die aus Vergnügen auf die Berge stiegen, wurden bestaunt, weil sie Unnützes taten und ihre Gänge nicht mit dem Einfangen von Schafen oder Lämmern verbanden.

Es gab kein Fernsehen und kein Radio. Musik machte man selbst, gelesen wurde in der Bibel, Neuigkeiten erfuhr man vom Pfarrer oder manchen Reisenden. Das Glück stellte sich ein, wenn das Leben einem keine Knüppel zwischen die Beine warf. Reichtum war nicht das oberste Ziel im Leben.

Ich erzählte einer Freundin von meinem Leseerlebnis. Beide fragten wir uns, ob man durch die Welt reisen, vieles lesen und sehen müsse. Wir waren uns einig in der Feststellung, dass Informationen über andere Leben und Schicksale, auch andere Welten, sehr interessant seien, aber dem Leben im eigenen Bereich nicht unbedingt helfen würden. Was hilft es mir in meinem Garten, wenn ich weiß, wie zum Beispiel die Berge in der Schweiz oder in Amerika aussehen. Das seien nur optische Reize ohne hilfreiche Unterstützung bei eigenen Entscheidungen. Ich kam zurück auf meine Leseerfahrung und auf die täglichen Glückswünsche von Menschen. Weil es diese Wünsche nach Glück gebe, werden z. B. organisierte Reisen entwickelt. Und warum? Weil Menschen mit dem, was sie tun, Geld verdienen wollen. Das ist eine steile These., behauptete meine Freundin. Richtig., war meine Antwort. Ist die falsch? Nein, aber destruktiv. Wieso? Ich will doch niemandem etwas verbieten, mich nur fragen, was ich brauche. Meine  Freundin nickte. Genau so ist es mit den Bildern meiner Oma. Sie braucht kein Fernsehen, sie liebt ihre Fotos. Jede dieser Aufnahmen erzählt eine Geschichte. Filme und Theaterstücke reden auch nur über menschliches Leben. Doch das ist das Leben der Anderen. Und, was bedeutet das? Sie schaute mich fragend an. Am Ende unseres Gesprächs einigten wir uns auf die Vorzüge des einfachen Lebens. Ob wir uns langfristig für solch ein Leben entscheiden können?
Wir werden sehen.

 

 

8. April 2016

London! Ich sollte dich lieben!

Wenn einen Berlin auf Reise schickt, dann dort hin, wo der Brexit droht und viel Kapital ist, das auf Vermehrung aus ist. Internationale Unzucht ist kein moralisches Problem. Wenn der Yen mit dem Dollar die Kopulationsräume der englischen Wirtschaft aufsuchen, auch der Euro mit dem Pfund turtelt, dann ist der Jubel groß in diesem englischen Paradies für produktionsschwache Vermehrung menschlichen Reichtums. Hier ist nicht nur der russische Bär los oder der Berliner, hier wackeln die Mauern beim Tausch von Knete gegen Bauten aller Art.
Ich bin eigentlich hier, um Schönes zu sehen. Das gibt es in Mengen, wenn man nicht gerade über Kuchen, nach vererbten Rezepten gebacken, redet. Wenn man ihn isst, können die Krümel sich selbstständig machen und den Hustenreiz erhöhen. 
Am losgelösten und wild gewordenen Geld ist hier so leicht noch keiner erstickt. David Camerons Vater starb zum Beispiel an einer normalen Krankheit. Als er sich von dieser Welt verabschiedete, war der Panama-Keim noch nicht entdeckt, jener schlimme Virus, der bei Menschen Fluchttendenzen auslöst, wenn es um das Pfund oder den Euro geht. Jetzt hat man ihn endlich entdeckt, und viele Infizierte bangen um ihr Leben. Wer möchte schon am sogenannten Pfundfluss sterben und Blut verlieren, das sein Leben bedeutet und dem Überfluss der Betroffenen ein Ende bereitet. Der Guardian widmet sich heute einem Nachruf auf Camerons Vater. David möchte den Brexit nicht. Versteht sich. Wer ist schon über alle Maßen selbstlos?

Da ging ich gestern in ein kleines Restaurant und bekam für relativ wenig Geld ein gutes Essen. Der Kellner erzählte allen Gästen von der Kündigung der Räumlichkeiten. Die örtliche Bürokratie wolle das Haus an eine Kette vermieten. Mir wurde klar, dass damit der schlechte Geschmack wieder mehr Raum gewinnt. Warum das so sei, wollte ich wissen. Ich erfuhr vom Siegeszug des schnellen Geldes und von den Niederlagen des guten Geschmacks. Und wer überall seine Finger drin habe, das seien die Araber, die fetten Faulen aus der Wüste.

Ich war enttäuscht von meinem geliebten England. Fuhr zur Besänftigung meines erzürnten Gemüts ins Kenwood House. Dort gab es englischen Kuchen und lauwarmen Kaffee. Schon fühlte ich mich wieder fast zu Hause. Nur dort ist der Kuchen besser, auch der Kaffee. Das Alte bleibt in England alt. Dafür muss man die Inselbewohner loben. Gäbe es nicht den Verein English Heritage oder den National Trust, wären die alten Gärten, Häuser und Landstriche sicherlich  längst verfallen und verwildert, auf  großen Grundstücken stünden die Häuser des schlechten Geschmacks.
Zu guter Letzt: Ein bedeutender Förderer der Erhaltung alter Kulturwerke ist Prince Charles. Seine letzte große Tat ist die Rettung von Dumfries House bei Glasgow. Kein Teil der Einrichtung fand seinen Weg in ein Haus reicher Mitmenschen. Alles kann noch im Haus besichtigt werden, so wie es auch im 18. Jahrhundert vorzufinden war.
Dies ist ein Ereignis, das mich wieder mit England versöhnt so wie die Optik des Kenwood Houses, auch wenn in den von Searcys bewirtschafteten Häusern der Kuchen krümelt und der Kaffee lauwarm ist. Was ist dieser Mangel schon gegen die Augenweiden alter Anwesen?

 

 

 

 

5. April 2016

Von dort nach hier in eine fremde Freiheit

Ich habe sie vor einigen Monaten kennengelernt, eine junge syrische Frau. Ihre Familie hatte sie nach Deutschland geschickt, weil sie stark sei. Für diese Reise in die Freiheit des Westens gab man viel Geld für sie aus. Die Geschichten von Kosten für Schlepper, Bootsfahrten, Flugkosten und die Reise über die Balkanroute nach Berlin, die Geschichten von Entbehrungen und Verletzungen, Demütigungen und endlosen Tränenströmen sind bekannt. In der großen Anzahl von Menschen sieht man die Gesichter von Hoffenden und Enttäuschten. Sie haben erlebt, daß Freiheit auch mit Geld zu tun hat, mit Skrupellosigkeit, mit Ignoranz. Meine Mutter erzählte früher von Kriegsgewinnlern. Leider gibt es sie heute wieder. Die Gewinnermöglicher sitzen auch im deutschen Parlament. Aber eben auch die Menschenfreunde, die Helfer und Nächstenliebenden.
Die junge Frau, ich nenne sie hier einmal Ghada, was soviel wie junges Mädchen bedeutet, lebt zur Zeit bei einer Bekannten. Als ich sie zum ersten Mal sah, machte sie einen aufgeschlossenen, freundlichen Eindruck. Da ich der syrischen/arabischen Sprache nicht mächtig bin, lief die Verständigung über Augenkontakt und Gesten, über Mimik und ein paar französische Begriffe. Sie schien erfreut über so manchen Kontakt und arbeitete angestrengt am Erlernen der deutschen Sprache.
Dann sah ich sie länger nicht mehr und erfuhr von ihrer traurigen Seele, die sie lähmt und abhält von Kontaktpflege. Das Essen schmecke ihr nicht mehr, zum Sport gehe sie nur ungern. Zögerlich erfuhr ich von Todesfällen im Kreise der Familie. Assads Bomben hatten für den Frieden zugeschlagen. Dieses Handeln wurde in der Öffentlichkeit gerechtfertigt, über die Tode in menschlichen Seelen wurde von Politikern nie hörbar gesprochen. Ghadas Seele litt unsichtbar, fast unsichtbar. Nicht nur wegen der Toten, nein auch wegen mancher männlicher Übergriffe im ICC. Islamische Männer haben gelegentlich ein menschenfeindliches Frauenbild, was sie dazu bewegt, Frauenkörper als verfügbar anzusehen zur Befriedigung sexueller Bedürfnisse. Beim Nennen des Namens der Stadt Köln wird bei vielen Deutschen Zorn spürbar über jene Kreaturen, deren Verhalten öffentlich von emotionalem Vandalismus geprägt wird.
Ghada hatte eine oder mehrere unsägliche Begegnungen, beklagt Tote in ihrer Familie und fühlt sich vereinsamt in einer ihr noch fremden Umgebung. Meine Hoffnung besteht, sie wird ihren Kummer überwinden. Wenn sie schon arbeiten dürfte, wäre ihr ein wenig geholfen. So lange jedoch die deutsche Bürokratie den individuellen Weg vorschreibt, werden Seelen wie die von Ghada durch Trauertäler gehen müssen. Per aspera ad astra! Klingt irgendwie sarkastisch, wenn man den Spruch der alten Römer in den derzeitigen politischen Kontext stellt.

 

 

4. April 2016

 

 

Erdogan und die Weltherrschaft
Da ist man als deutsche Frau fein raus, wenn man keinen türkischen Pass hat und in Deutschland tun, sagen und lassen kann, was man möchte. Auch wenn man türkischen Ursprungs ist und Eltern ohne nationalen Fimmel hat. Warum mache ich die Türkei zu meinem Thema? Ich liebe dieses Land und viele Menschen von dort. Beschämend finde ich den Präsidenten, der sich wie ein Halbstarker benimmt. Kaum zu glauben, aber amtlich, dass dieser Mann irgendwann vor kurzem der Meinung war, er könne einen echten Bullen reiten. Seine Hybris wurde bestraft mit einem lächerlich aussehenden Sturz von diesem tierischen Fleischberg. Vergessen wir das, denn irren ist nicht menschlich, es ist auch erdoganisch. Dieser Mann, der am liebsten diese Stadt Berlin auch zu seinem Einflussbereich erklären würde, hat nach Meinung türkischer Freunde einen an der Waffel (Türkendeutsch).
Er erdreistete sich vor nicht allzu langer Zeit, in Deutschland Wahlwerbung für seine Partei zu machen. Deklariert war diese Kleinstreise als Verwandtschaftsbesuch, denn er wollte seinen lieben Landsleuten nur erzählen, wie schön die Türkei sei. Man müsse nur ein Kreuz machen und zwar hier oder da. Genaues zeigte er an einer großen Kopie eines Wahlzettels.
Ich fragte eine türkische Freundin, was denn Türken gegen solch einen Mann machen könnten, gegen einen, der verliebt ist in das Mittelalter und nicht in seine Frau. Sie sagte, er liebe den Protz und verwies in diesem Kontext auf dessen Großkotzvilla. Despoten haben keinen Geschmack, sie haben nur sich als den Maßstab von Größe, und wenn sie noch so klein sind. Er, der Erdo, wisse wenig, nur von der Wichtigkeit der Macht sei er überzeugt. Und weil das so ist, warum wird er in der Türkei immer wieder gewählt? Logo, sagte sie, der wird von der einfachen Bevölkerung auf dem Lande und in den Städten gewählt. Die kennen nur den starken Papa, der alles zu sagen hat. Das haben die Mütter ihren Söhnen beigebracht und die Väter immer wieder bestätigt.
Eine Tür öffnete sich und ihr jüngerer Sohn kam ins Zimmer: Erdoban, irgendwann bist du dran, irgendwo ist ein Klo, wo du triffst den Popofloh. Woher hast du das denn? wollte meine Freundin wissen. Aus der Schule, sagte er. Schule ist schön, da lernt man viele Wahrheiten. Duuuuu, sagte meine Freundin, dass dich nicht der Erdo hole! Der ist viel zu lahm!! rief der Kleine, vieeel zu laahm!

 

 

2. April 2016

 

All the lonely People, where do they all come from oder An apple a day keeps frustration away

 

Es geht mir selbst auf den Geist, wenn jemand einen Satz beginnt mit der Einleitung: Früher war alles anders. Natürlich nörgle ich dann zurück und werde ironisch. Ja klar, früher war alles besser. Nur die Tage wurde es ernst, weil in mir der Satz reifte: Früher war...Das sollte eigentlich nicht wahr sein. Aber ..., es ist wahr. Wer wie ich - in letzter  Zeit -, häufig mit der U-Bahn fährt, wird auch den wirtschaftlichen und ideologischen Erfolg der Smartphone Hersteller nicht übersehen. Von den Tausenden, die in alle Richtungen durch die Unterwelt reisen zu einem imaginären Ziel, haben mindestens die Hälfte eines jener hochtechnisierten Flachgeräte in der Hand oder auf dem Schoß. Anstatt zu schlafen oder mit ihrem Nachbarn zu reden, stopfen sie sich die Ohren mit Musik voll, quatschen mit Unbekannten über Kneipen, Sport oder andere Nebensächlichkeiten. Vielfach hört man Äußerungen wie: Ich komme gleich oder ich treffe mich noch mit X oder Was gibt es heute zu essen oder Der Tag war heute wieder anstrengend. All der Senf, der früher in der Tube blieb, verschmutzt jetzt die geistige Umwelt und wirft seine Schatten auf das Nichts der Einsamkeit aller Handybesitzer. Wer jetzt nun glaubt, diese analphabetische Umweltverschmutzung sei ein deutsches Phänomen, der irrt sich. Eine oder mehrere Fahrten mit der Londoner Tube belehrt den Fragenden über die krankhafte Verbreitung der Smartophonie, deren Nähe zu aktiv-leerer Ichomanie nicht zu leugnen ist. Ein zum Zynismus neigender Philosoph sprach von der Sprachlosigkeit der digitalen Massen, die  ihre geistige und emotionale Wärme einem metallenen Kästchen anvertrauen und für ihre x-beliebigen Smartphonaktivitäten einen Bonus für geistige Leistung beanspruchen. Nur, da bewegt sich mehr im Kopfkino als normal, denn mittels eines multifunktionalen Rechners kann jeder Furz zu einer philosophischen Glanztat stilisiert werden. Wäre der Appel nicht angebissen, man könnte ihn glatt für wertvolles Obst halten.

 

 

 

31. März 2016

 

Ein langsamer Verlust der eigenen, genauen Wahrnehmung: 

Ich hatte vor einigen Jahren die Pflicht und gleichzeitig die Gelegenheit ein Altenpflegeheim im Berliner Märkischen Viertel zu besuchen. Der Freund einer älteren Bekannten war dort mit über 80 Jahren eingeliefert worden wegen fortschreitender Altersschwäche. Sie bezog sich vor allem auf seine Fortbewegungsmöglichkeit und auf seine Sehschwäche. Erschreckend war für mich ein Erlebnis in diesem Hause. Von einem großen Flur aus gingen Türen zu Einzel- und Doppelzimmern. Die Abwechslung für die Bewohner bestand darin, ihnen ein Gemeinschaftsgefühl zu vermitteln. Darum hatten die Pflegerinnen sie fast alle auf den Flur geschoben in ihren Rollstühlen. Ich stellte mich in den Raum und beobachtete Männer und Frauen. Sie saßen wenig bewegt und hatten meistens den Kopf nach vorne hängend, schweigend oder mit sich selbst sprechend. Nur einmal stand ein älterer Mann auf und schlug einer Frau ins Gesicht. Jammern und  Geschrei waren groß. Ein Pfleger kam und sah sofort, was passiert war. Er ging zu dem schlagenden Mann hin und mahnte ihn, dann schob er dessen Rollstuhl in ein Zimmer und kümmerte sich um die leidende Frau. Ohne ihn gefragt zu haben, erzählte er mir, die meisten Bewohner auf dieser Etage seien dement oder Alzheimerpatienten. Manche seien, wie der schlagende Mann, häufig gewalttätig.
An diese armen Menschen, die wohl in ihrer Normalzeit friedfertig waren, fühlte ich mich erinnert, als ich nach einiger Zeit einem alten Bekannten wieder begegnete. Ich ahnte noch nicht die Komik seines Verhaltens einige Jahre später, als er mich plötzlich siezte und in mir einen anderen Menschen sah.

Unsere Begegnung war von beiderseitiger Freude gekennzeichnet. Wir trafen uns mindestens einmal im Monat, tranken einen Wein oder waren gemeinsam aktiv. Wir riefen uns an, erzählten uns Bedeutendes und Unbedeutendes, lachten, schimpften, lästerten. Er aß gerne klassische deutsche Küche, ich kochte ihm Gulasch und Rotkohl; er trank gerne Rotwein, wir trafen uns zum Rotwein; er aß gerne Torte, wir gingen in sein Lieblingscafe und aßen Torte. Aus ihm sprach immer wieder eine kleinbürgerliche Behaglichkeit, die er nie ablegen konnte, obwohl er so gebildet wirken wollte.
Es drängte ihn ein bekannter Dichter zu werden. Seinen Roman umkreiste  er inhaltlich mit Darstellungen seiner Vorlieben in Musik und Literatur, fütterte ihn mit viel Wissen. Seine Leser sollten intellektuell überwältigt werden.  Im Zentrum stand eine Frau, die vermutlich eine verfremdete ehemalige Geliebte war. Er schrieb und schrieb, diskutierte mit Bekannten den Inhalt und Teilaspekte. Eines Tages war der Text fertig und wurde gedruckt. Geholfen hatte ihm am meisten eine Freundin mit  sehr gutem Sprachgefühl. Sie kochte für ihn, verreiste mit ihm.

Viele Exemplare des Romans wurden nicht verkauft. Ein Exemplar geriet in die Hände einer Frau, die ihn vor Jahrzehnten verschmäht hatte. Eines Tages bekam er Post von ihr. Sie lud ihn ein. 

Was seit einiger Zeit aufgefallen war, das war seine Vergesslichkeit. Kleinigkeiten nur waren es. Er wurde auch aufgeregter, unvorsichtiger, fiel mit seinem Fahrrad auf einer Rolltreppe hin und erlitt einige Monate später einen Herzinfarkt. Alles überstand er, wir lachten wieder und wieder über Fehler.

Er entschloss sich zu dieser alten Freundin zu fahren und trennte sich von der, die ihm geholfen und bekocht hatte. Sein Satz zur Begründung: Ich liebe dich nicht und habe dich noch nie geliebt. Vergessen waren all ihre Hilfen, alle ihre wunderbar zubereiteten Gerichte. Er reiste ab und schwärmte aus der Ferne von vielem, was Bett und Küche zu bieten hatten.

Mich berührte sein Verhalten gegenüber seiner alten Freundin, seine Undankbarkeit, seine Kälte. Ich schrieb ihm dies, etwas spöttisch auf den Punkt gebracht. Seine Antwort war ein ungeheurer Wutanfall voller sprachlicher Entgleisungen. Er trennte sich wutschnaubend von mir. Das unbeherrschte Schnauben machte sein Wortgebrauch deutlich: Was wollen  Sie eigentlich von mir? Kennen wir uns? Er schrie mich an. Sein letzter Satz: Ich habe mit Ihnen nichts zu tun! Seine Wangen glühten. Er stolperte über die eigenen Füße.

So hatte ich ihn noch nie erlebt. Ich fürchte, wenn ich die Summe aus meinen Beobachtungen im Altenpflegeheim ziehe, dass er Alzheimer hat. Und man kann ihm nicht helfen, weil allen Feststellungen geballte Wutäußerungen entgegengehalten werden, so als habe er den größten Teil seines Verstandes eingebüßt.

 

27. März 2016

"Du bist doch behindert"

Als ich vor zwei Tagen durch Charlottenburg spazierte, sah ich zwei sich streitende Jugendliche. Einer rief dem anderen urplötzlich zu: Du bist ja behindert! Der so beschimpfte Jugendliche verließ beleidigt den Ort des Streites.

Das Wort behindert muss wohl einen sehr negativen Beiklang haben. Ich fragte mich, warum und entschloss mich, mit einem Rollstuhl einen Teil der Stadt zu durchfahren.

Es begann schon bei meiner Wohnung in der Niebuhrstraße. Als erstes wollte ich in meine Wohnung im ersten Stock. Es gab keinen Aufzug. Wäre ich wirklich gehbehindert, müsste ich ausziehen. Eine schreckliche Vorstellung, denn ich liebe meine Wohnung, die drei sehr großzügig geschnittene Räume hat.

Ich machte mir einen Plan, nach dem ich meine normalen Ausflüge unternahm. Das Ganze war ein ziemlich anstrengendes Programm. Zuerst ließ ich mich von einem Freund zum KadeWe fahren, meinem Berliner Lieblingskaufhaus. In der Lietzenburger Straße luden wir meinen Rollstuhl aus. Ich setzte mich hinein und fuhr los, immer auf dem Bürgersteig. Das war nicht einfach, weil viele Menschen unterwegs waren mit ihren Einkaufstüten. Zweimal wurde mir eine Tüte gegen den Arm gedrückt. Dann wollte ich ins Haus. O Schreck, der Haupteingang machte Probleme, denn zu viele Menschen drängelten hinein in diese Konsumhölle. Ich hörte Polnisch, Russisch, Spanisch, Schwedisch und auch einmal Berlinisch. Deutsch aus vielen Bundesländern war zu hören. Mit mir rechnete niemand, kein einziger Mensch bot mir an, für einen Moment seinen Kaufwunsch zu unterdrücken und meinen Rollstuhl eine Stufe hochzuheben. Schließlich kam ein Türsteher und verwies mich an den Eingang für Behinderte. Ich nahm diesen Hinweis wahr und fuhr mit einem Aufzug in sie Lebensmitteletage. Schokolade konnte ich einkaufen, auch Wurst, denn die langen Arme der Verkäuferinnen reichten über die Theke. Am Kaffeestand eines dieser  schwarzen Getränke einzunehmen, gelang nur unter erhöhtem Aufwand. Ich merkte, man war auf Menschen wie mich nicht eingestellt. Auch oben im Restaurant warn nicht für Menschen wie mich ein oder mehrere Plätze reserviert. Es war voll. Wo sollte ich mich dazwischensetzen ohne andere zu behindern. Was für ein Kalauer: Ich Behinderte bin für andere eine Behinderung!

 

Der Besuch in diesem Kaufhaus war keine Freude. Ich ließ mich zum Tiergarten fahren, wo ich mich endlich frei bewegen konnte. Das Café am neuen See hatte Platz für mich und auch für einen Kakao. Als Nichtbehinderte hatte ich eigentlich genug von diesem Abenteuer. Doch, ich wollte noch eine Probefahrt durch Kreuzberg machen. An der Ecke Mehringdamm/Bergmannstraße ließ ich mich absetzen und kollidierte schon nach wenigen Metern mit einem ganz taufrischen Skateboarder. Als er mich anrempelte, motzte er: Pass doch auf, Oma! Ich reagierte wie eine

Oma und rief: Verfluchter Rotzlöffel!

und dann kämpfte ich mich mutig den Bürgersteig entlang, hupte mit meiner Elektrohupe, was ich konnte, nervte, weil ich von der Enge genervt war. Es machte keinen Spaß, sich im Wege zu fühlen. Zur Marheinekehalle gab es eine Rampe und etwas mehr Platz. Entspannt fuhr ich zu einem Bäckerstand und kaufte mein Lieblingsbrot. Draußen gesellte ich mich zu denen mit der Bierflasche am Mund. Niemand kümmerte sich um mich. Nur einer sprach mich an: Na, Olle, wie issetmittn Bia? Juute Idä, sachte ich und nahm die Flasche dankend an. Als ich sie geleert hatte, gab ich sie zurück. Dazu einen Fuffi. Der Mann staunte mich an und freute sich:

Sachik doch, wia passen zesamm. Tschüss, sagte ich und "vielleicht".

 

Zwei Straßen weiter verließ ich meinen Rollstuhl und wartete auf meinen Fahrer. "Wie war es?", fragte er. "Berlin is nix für Rollstuhlbehinderte. Die stören nur." Er runzelte die Stirn: "Wollen wir den Müller und die anderen Politclowns nicht auch mal einen Tag in einen Rollstuhl setzen?" Das bringt nichts, die haben zu viele wichtige Termine. Mit dem Rollstuhl schaffen die die nicht." Ebend!!!

 

 

 

22. März 2016

 

Prostata und Sex=Liebe

 

Neulich traf ich eine ältere Freundin. Sie ist zwischen 45 und 53, geistig sehr rege und  auch sozial. Sie sah leicht frustriert aus und schaute vor sich hin, als suche sie etwas.

Ich kannte sie bereits seit zwanzig Jahren und erlebte sie meistens fröhlich. Ihr lockiges Haar war immer sehr sportlich frisiert, ihr Lächeln meistens schelmisch. "Warum dieser betrübte Blick?", fragte ich. "Nichts Wesentliches", sagte sie. "Mein Freund hat mich verlassen." Schnippisch, wie ich manchmal bin, empfahl ich nach einem neuen Ausschau zu halten. Sie schaute mich an, als wollte sie sagen, das sei erstens nicht ihre Art und zweitens nicht so einfach.

Wie immer, hatte ich einiges zu erledigen, sagte tschüss und ging von dannen. Was mich beschäftigte, war die Art und Weise der Trennung. Darum rief ich sie einenTag später an. Wir trafen uns noch am gleichen Tag in der Berliner Kaffeerösterei bei Kaffee und Kuchen und taten so, als ginge es um gar nichts. Dabei ging es um viel, nämlich um eine ziemlich schnoddrige Art, eine fast zwei Jahre währende Freundschaft zu beenden. Ihr Freund, nicht problemlos - doch dies ist in der heutigen Welt nichts besonderes- hatte sie von heute auf morgen verlassen mit der Feststellung, jetzt endlich die Frau gefunden zu haben, die er immer auf dem Schirm hatte. "Ich liebe dich nicht, habe dich nie geliebt." sagte er zu ihr, lächelte leicht verklemmt und machte sich vom Acker, nicht ohne zu offenbaren, sie wisse eh nicht, was Liebe sei. Er wisse es jetzt ganz genau. "Stell dir vor", sagte sie, " er sprach von seinen Bettgeschichten, drängte mich geradezu ihm zuzuhören." Irritiert schaute sie mich an, als ich laut lachte. "tschuldigung, sagte ich lächelnd, "das klingt alles so komisch wie aus dem Handwörterbuch eines Kleinstadt-Casanovas". Da musste sie lachen: "Klingt gut und scheint eine treffende Bezeichnung". "Und was das Schönste ist:" Er erzählte mir von seinen Prostataproblemen und erläuterte, dass er jetzt bei dem so häufigen Geschlechtsverkehr keine Prostataoperation mehr benötige. "Ist das nicht toll?" zischte er durch seine erotisch wirken sollenden Lippen. "Willst du eine Antwort auf deine Frage?" wollte ich von ihm wissen. "Ja!" flötete er, "ja!" "Dasss ißßt toll!" lispelte ich, "ssooo thollll!". Dann drehte ich mich um und ging von dannen."Ey", rief er mir nach, ey!. Danke, dass du dich für mich freust!". Sie hatte nichts mehr gesagt. "Und, stimmt das mit der Prostata?" "Ja, er hat wirklich eine, und die hat ihm nie geholfen". Das fanden wir beide so komisch, dass wir uns vor lauter Lachen nicht mehr halten konnten. "Prostata, fiderallala" Diese beiden Wörter wurden zu unserem Schlachtruf: Prostata fiderallala...fideralla...ralla...la.

Wir schauten uns nach diesem Getratsche an. "Wie lange ist die Trennung her?" "9 Monate".  "Ist ja Zeit genug für eine Schwangerschaft" lästerte ich. Er hat mich die Tage wieder angerufen und wollte wissen, ob ich Lust hätte auf eine Radtour. "Und, hast du angerufen?" "Ich werde es übermorgen tun." "Wie alt ist er?" "59." "Und was wirst du ihm sagen?" "Prostata, fiderallala, fiderallala!" "Und?" "Sonst nichts."

 

Das war ein gelungenes Treffen. Später erfuhr ich, sie habe nie mehr von ihm gehört. Er lebte jetzt im Süden Deutschlands, hatte eine Freundin und zählte jeden Morgen seine zwanzig Hühner. Jetzt hatte er immer viel mit Eiern zu tun. Das ist schön, fand ich. So findet ein Narziss noch eine Erfüllung in der Beschäftigung mit Hühnereiern.

 

20. März 2016

 

shoppinglust und gutscheinschummel

 

als ich klein war, hatten wir einen nachbarn, dessen größtes hobby das angeln war. er hatte mich mehrere male mitgenommen und in die geheimnisse des erfolgreichen fischfangens eingeweiht. eine besondere maßnahme für die verbesserung der fangquote war das anfüttern. diese art der werbung für den angeltod war nichts anderes als das verteilen von fischfutter. mit breiter hand warf er futter ins wasser. nach einiger zeit kamen die neugierigen und fraßen. sie bissen auch in angelköder und schwupps landeten sie neben uns auf dem rasen.

anfüttern gibt es heute auch im onlinehandel. zu diesem zweck gibt es gutscheine, manchmal als zugabe zu einer lieferung, gelegentlich als gutscheincode in einem werbebrief. häufig finden sich diese glücksbringer in der sogenannten spampost und überreden die empfänger zum kauf. das gefühl, etwas geschenkt zu bekommen, macht dankbar. dankbarkeit drückt sich meist in handlungen aus. was gibt es schöneres als einzukaufen. darüber freuen sich die händler und die kunden mit ihren gutscheinen. glücksgefühle sind preiswert, glücksgefühle zahlen sich aus. das wissen auch die lottogesellschaften, die den jackpot erfunden haben zum anfüttern. besitzen, reich werden und dann ein langes leben haben. dies zu erreichen, versprechen schließlich die firmen für zusatzmedikamente, die stark machen und die haut vor dem verschimmeln retten. wenn das alles nicht wäre, könnte das leben noch viel schöner sein, trotz aller Versprechungen und glücksangebote.

 

 

15. März 2016

 

Ein echter Mann, dieser Stuckrad-Barre

 

Männer feiern gerne ihr Ego, auch wenn ihr Leben noch so verlustreiche Ereignisse ansammelt, die nichts anderes darstellen als eine Repräsentation von Wollen und Nicht-Können. Viele gibt es, denen die fehlende Fähigkeit durch ihre eigenen Worte zu spannenden Taten gerinnt, die - veröffentlicht - all die Schulden begleichen sollen, die ein lang andauerndes Versagen angehäuft hat.

 

Zu dieser Spezies gehört Benjamin von Stuckrad-Barre, der Narciss ohne Goldmund.

 

Es gibt immer Zeiten für Selbstverliebte, auch für Rotenburger Pastorensöhne wie BSB. Ihnen misslingt eigentlich so ziemlich alles: Ihre sogenannte Prosa ist stinklangweilig, ihre versuchten Fernsehserien und auch der Zwang zu Drogen misslingen. Sie sterben nicht durch deren Genuss, denn selbst Drogen verachten Pastorensöhnchen und lassen sie überleben, damit sie sich und die Welt weiter langweilen können.

Wie überleben diese geistigen Aufschneider, die so elegant und schnoddrig mit dem Nichtgedanken und der Nichtigkeit verhandeln können, dass ihre gesammelten Buchstaben immer wieder eine Rolle Papier finden, auf der sie gedruckt werden.

Alles geschieht durch den Antrieb Geld zu verdienen und bedeutsam zu wirken. Es finden sich Rezensenten oder Verlage, die geschult sind in der Publikation von Nullwertigem, die etwas als komisch bezeichnen, was so nicht benannt werden dürfte oder auch einen Furz den notwendigen Wind nennen, den es braucht, um die Bestäubung der Fruchtstände zu gewährleisten, von deren Wachstumskraft das Überleben der Welt abhängt. Wenn sie von Frucht sprechen, meinen diese Nullschöpfer das Ich und das privilegierte Du, meinen das Nichts als einen begrenzten Raum im Sinne von Tucholsky. Als moderne Menschen sprechen sie von der leeren Menge und verteidigen deren Existenzrecht.

 

Das Nichts sei auch ein Etwas, sagen sie und schlagen sich auf die Brust. Die BSBs dieser Welt besteigen den Zug nach Pankow oder anderswo hin und erkunden Dunkeldeutschland.

Ich traf einen Kollegen, der BSB mit ISIS verglich, was deren Lust am Töten betrifft. So ganz abwegig ist dieser Vergleich nicht, denn beide eint die Lust am Töten. ISIS tötet wertvolle Menschen, BSB wertvolle Gedanken. Er gräbt hauptsächlich im Mistbeet und vergisst, dass ohne Saat nichts aufgeht. Solch ein strategisches Verhalten wird von Männern aus dem Ruhrgebiet hochgelobt. Wie man sich täuschen kann, wenn man seinen Glauben höher schätzt als seine kluge Beurteilung des Soseins.

 

 

 

 

 

 

 

10. März 2016

 

Moderne Schlachtfelder

 

Der zeitungslesende Berliner ist zumindest  informiert, wenn interessiert an moderner Kriegsführung auf Deutschlands Fahrwegen. Er müsste gelesen haben über die rasenden Hirntoten auf Berliner Straßen, jener Spezies von Außerirdischen, die sich Rennen liefern mit ihren Potenzschleudern, Rennen, in deren Zentrum nicht die Vorsicht steht, sondern die Adrenalindosis für Bekloppte. Blicken wir auf die Putins und Assads von heute, sehen wir multiple Neurotiker mit Tötungslust, die von Frieden und Strategien sprechen, wenn sie mit Tausenden von Toten bezahlen, einer Währung  aus fremdem Einflussbereich. Es gibt Rechtsbereiche, in denen man bei dieser Art von zwangshandelnden Subjekten von Mördern spricht. Die Rechtssprechung gebraucht im Bereich von Verkehrsdelikten den Begriff Totschlag (versucht oder als

Kollateralschäden).

 

Ein wenig unschuldiger erweist sich die Lust von LKW-Fahrern, die ungeliebten Trucks auf den Autobahnen des freien Deutschland zu zerlegen. Manchmal erlebt man die Autobahn als Betroffener oder nur Zuschauender wie einen Besuch auf einem Schlachtfeld. Das Besondere an manchen Truckern ist ein Fehlen geeigneter Sehwerkzeuge. Sie fahren zu dicht auf, nutzen ihr Handy oder kochen in der bordeigenen Küche den Kaffee ihrer Wahl. Und irgendwann macht es dann täglich Rums-Bums-Knall-Splitter wie in einem Splatterfilm. Meistens nur mit einem beträchtlichen Aufwand an Materialzerstörung. Als Überlebende stehen dann die betroffenen Lenkradexperten für Massenguttransporte häufig am Straßenrand und betrachten den geringen Aufwand bei der Zerstörung wertvollen Arbeitsmaterials.

Die anderen Autofahrer sitzen in ihren fahrbaren Untersätzen und bestaunen ihren Zeitverlust. Wenig Ungeduldige nutzen geschenkte Zeit für Dankgebete an die Götter ihres Glaubensbereiches. Ein lautes Amen dröhnt täglich im Hoch- und Tiefland innerhalb der deutschen Staatsgrenzen oder auch ein Inschallah.

 

8. März 2016

 

 

 

 

AfD = ALTERNATIVE für DEUTSCHLAND

 

Berlin ist seine Scheiße wert

 

Berliner scheinen tierlieb zu sein, stellt man die Anzahl der Katzen und auch die der Hunde in ein Verhältnis zur Bevölkerungszahl. Es gibt sie in Massen, diese Vierbeiner. Je kleiner die Wohnung, desto größer die Köter. Große Tölen machen mehr Mist. Darum dürfen viele Hundebesitzer stolz sein und auch ihre mit Dosennahrung genährten Beller, besonders in jenen Wohnbezirken, wo auch die sozialen Zahlungen der Ämter ihren größten Umsatz haben. So weiß der sozial denkende Berliner, wo seine Steuergelder sinnvoll zum Funktionieren des sozialen Gefüges beitragen. Nur die ästhetisch Anspruchsvollen und Geruchsempfindlichen verdrehen die Augen, wenn sie sehen und olfaktorisch wahrnehmen, wie die Lumpis mit ihrem Gewölle umgehen. Sie verteilen es spontan an Bäumen oder auf Bürgersteigen, denn es gibt zwar manchmal einen Leinenzwang für Hunde, aber kein Geld für die flächendeckende Einrichtung von Hundetoiletten. Dabei zahlen die Hersteller von Hundefutter genug Steuern, mit deren Hilfe der Analverkehr von Struppis sinnvoll in sanitäre Bahnen gelenkt werden könnte.

 

  Was sage ich arme Irrende? Hundeliebende, Tabakgenießer, Alkoholschlürfer und Straßenlärm verursachende Raser sind eine wirtschaftliche Größe, die von Politikern nicht gerne gegängelt wird,  bisher. Vielleicht gibt es bald eine neue Partei? Es wird öffentlich von einer entstehenden Gruppierung gemunkelt: TfD? Tierliebe für Deutschland.  Sie haben in einigen Bundesländern schon Kandidaten. Einer der neuen Wahlslogans:  Wer Steuern zahlt, der darf auch Schmutzen. So ist das mit dem deutschen Freiheitsverständnis! Und was sagen die Katzenbesitzer zu all dem? Wenig, denn die in der Öffentlichkeit Käckelnden nutzen die öffentlichen Anlagen oder  private Gärten der Nachbarn. Katzen haben auch Innentoiletten, was  Ausdruck des Hygienestandards ist. So kann man sich als Gartenbesitzer beruhigt seinem Fernsehprogramm überantworten. Ein gelegentlicher Blick aus dem Fenster zeigt einem alle Tage die Bodensandaufwürfe. Katzen vergraben ihr Elend und schleichen sich. Manchmal möchte ich ihnen einen überbraten. Diese feigen Biester laufen leider immer weg, wenn man sich ihnen nähert. Da lobe ich mir doch meinen Kanarienvogel. Der singt und macht wenig Kaka.



 

 

 

 

 

7. März 2016

 

Multikulti ja, aber für welchen Preis?

 

An den politischen Wahlen kann man erkennen, wo Menschen hinsichtlich ihrer Entscheidungsmöglichkeiten stehen und wie labil individuelle Wahrnehmung sein kann.

Wenn ein Land 80 Mio oder mehr Bewohner hat, gibt es mindestens 1000 unterschiedliche Blicke auf die eigene Welt innerhalb der sprachlichen oder auch nationalen Grenzen. Die einzelnen bedingenden Faktoren möchte ich nicht aufzählen, ein Blick in die Zeitungen genügt, um herauszufinden, wie unterschiedlich deutsch Denkende ticken können. Bei solchen Voraussetzungen mag es wundern, all die vielen Zuwanderer ließen sich bei der unter einer psychisch und mental vielfältigen Menschenzusammensetzung mal ganz schnell integrieren, wie es so euphemistisch aus Mündern von Politikern heißt. Lern Deutsch, iss deutsch, wohne deutsch, kaufe deutsch und du gehörst dazu! Wer zum Beispiel als Schwarzer in einen deutschen Verein geht, bleibt immer ein Fremdkörper. Ein auf einem Dorfe lebender Gutmensch hatte die fabelhafte Idee, alle Mitglieder eines Vereins einzubräunen. Ihr werdet sehen, sagte er den Beteiligten, wir werden uns sehr ähnlich werden, und wenn es nur für einen Tag ist. Was für ein Schmarren, würde ein gewisser Horst Seehofer sagen. Mach mir den Horst! könnte bedeuten, die testosterongesteuerte geistige Bewegungsmöglichheit zu aktivieren und dann Chaos oder Ordnung zu erhoffen.

 

Wenn man Äpfel und Orangen zusammen in einen Korb legt, bleiben sie, was sie sind. Sie werden weder zu Ärangen noch zu Opfeln. Ich kenne in meinem Bekanntenkreis eine mit einem Marrokaner verheiratete Frau. Die Ehe ist nicht unglücklich, verlangt aber von beiden schwere Rücksichtnahmen. Ihre in Kindheit und Jugend erlernten Rollen lassen sich auf Dauer nicht unterdrücken, bedeuten von Mann und Frau immer wieder Auseinandersetzungen um die Durchsetzung eigener Bedürfnisse. Die multikulturelle Summe der gemeinsamen Erlebnisse ist erfreulich einerseits, die tränenreiche  ist bei ihr wiederkehrend, die schlechte Laune bei ihm auch. Es kostet Kraft all diese Sonnen- und Sturmtage durchzustehen. Man muss es wollen, wenn nicht, sollte man keine bikulturellen Beziehungen einziehen, möchte man sich Stress ersparen.



 

 

 

 

2. März 2016

 

Trump for Dump

Die Amerikaner haben es gut, denn aus ihren Reihen ging ein Präsidentschaftskandidat hervor, der nach einer gewonnen Wahl sagen wird: Ich nehme die Wahl nicht an. Ich habe euch alle nur verarscht und ihr habt es nicht

gemerkt. Ab jetzt müsst ihr mich anerkennen, meine Frisur mögen und wissen, wer die beste Polit-Comedy auf die Bühnen dieses Landes gebracht hat. Ich liebe euch alle, auch wenn ihr noch so dumm seid. Ihr seht mir alle sehr ähnlich. Lasst uns Politik für dieses Land machen, auch wenn ich nicht dabei sein werde. Ich mache nur noch Comedy, werde in China Hochhäuser bauen lassen und den Schlitzaugen beibringen, wie lecker Nudelburger  sind.

Ich stelle mir vor, wie es wäre, wenn die CSU es wirklich schaffen würde, den Promi von Guttenberg zum Kanzlerkandidaten zu machen. Der wäre ein guter Trump für dieses Land, denn er würde immer wieder aus seiner falschen Doktorarbeit zitieren und den bayrisch denkenden Bürgern zurufen: Ich liebe euch alle, weil ihr wie ich über eure Verhältnisse lebt und wirklich geglaubt habt, ich könnte eine Doktorarbeit schreiben. Donald Guttenberg, mit diesem Namen ist man reif für die Politbühnen dieser Welt. Am besten wäre es, den Alfred Schröder zusammen mit Trump und dem bayrischen Großkotz ein Triumvirat bilden zu lassen als Frisurjunky, Frauenverzehrer und Aalglatti. Endlich bekäme Deutschland das, was es braucht: den Willen zum falschen Pathos, zu falschen Haaren und dicken Zigarren. Diese Mischung könnte die Angst vor den Flüchtlingen vertreiben, die am Ende alle in Berlin geparkt wurde, damit diese Stadt endlich so groß wird wie chinesische Riesenstädte und genau so schmutzig und bedeutungslos. Weil der Deutsche auch der Religion bedarf, könnte Henriette Schavan, die zur Zeit den Arbeitnehmern im Vatikan beibringt, was Ernst des Lebens bedeutet, Außenminister werden wegen ihres stumpffalschen Lächelns, das jeden Wunsch nach Sex auch im Hochsommer erfrieren lässt. Auch Zwerge haben klein aufgehört!

 

 

 

 

28. 2. 2016

 

COCOROSIE

 

 

 

https://www.youtube.com/watch?v=aBWxjAiO_KQ

 

 

CocoRosie - Fairy Paradise/Zwei Stimmen ästhetisieren rätselhafte Liednachrichten

 

Es ist etwas passiert, was ich vor einem Jahr noch nicht für möglich gehalten hätte: Ich laufe mit weißen Stöpseln im Ohr durch Berlins Straßen und höre dann zum Beispiel solche Texte:

Tim and Tina were my parents' names
They got engaged
They were inflamed
Seduced by the light of butterflies
How they shimmer, how they glimmer
Those butterflies

We seven kids
We almost died
Nearly put to death
By lightening strikes
Instead there was hot, pink
Flashes in the sky
We climbed the rocks, in snow and rain
In search of magic powers
To heal our mother's pain

(Aus: Lemonade)

 

Die Stimmen zweier junger Frauen nehmen mich gefangen, auf einmal und heftig. Ihr Gesang ist es und die Texte und die Instrumentalbegleitung.

 Die Kleidung der Frauen ist fantasievoll gemischt zusammengetragen aus den Kleiderschränken der den einzelnen Stil überschreitenden Geschmack: Ein Hut aus Westernzeiten, Tücher aus dem Reich der Farben, Hosen aus Holzfällerbeständen und Underwear aus heutigen Angeboten der Dessousbranche. Die Stimme der einen Schwester engelsgleich, die der anderen rätselhaft und suchend im Bereich unterschiedlicher Klangstimmungen und Klangbildungen. Sie wirkt beim ersten Hören unmusikalisch und betroffen von Atembeschwerden, um dann im Duett mit ihrer Schwester volle Gesangskraft zu entfalten.
Die Schwestern Sierra und Bianca Casady kommen aus Iowa, begannen ihre Auftritte im Paris des Jahres 2003.
Ihre Musik wirkt auf besondere Art wunderlich und kompiliert. So richtig lässt sie sich keiner Stilrichtung zuordnen.
Ich habe diese Musik zufällig entdeckt durch einen Hinweis in einer bekannten deutschen Wochenzeitung. Text, Stimmung und Instrumentierung haben mich verzaubert und den Wunsch in mir geweckt, möglichst viele von diesen Liedern zu hören. Sie entreißen mich der Wirklichkeit des Berliner Alltags und erinnern daran, dass es mehr gibt als Waffenlärm und Straßengetöse.
Sierra und Bianca machen keine massenkompatible Musik, sie teilen mit Interessierten ihre klanglichen und inhaltlichen Höhen- und Tiefenflüge. Ich liebe sie, ihren verkappten Charme und ihre laut und auch zerbrechlich wirkenden Stimmen, die sie einkleiden durch die Instrumentalkunst ihrer Mitmusiker.

15. Januar 16

Fortschritt

Hach, wie schön! Wir können auf den Mond fliegen und durch die Galaxien trampen, können auf der Internationalen Raumstation ein Wochenende verbringen oder in der Uckermark ein Lagerfeuer machen und Stockbrot am Holzstecken backen. Letzteres mutet mittelalterlich an. Ist es auch - irgendwie. Nur, verabredet habe wir uns über Handy, genauso wie all die Flüchtlinge, die wie bestellt in Massen in unser Land strömen und auf Essen und Jobs warten. Ohne Handy wären die gar nicht alle hier. Auch wären wir nicht mit 10 Leuten in der Uckermark. Hätten wir die Schneckenpost genommen, wäre nix gewesen außer - und nicht mal das - Spesen. Die digitale Welt erleichtert sehr vieles. Mit einem kleinen Armband wissen wir immer, ob unser Stoffwechsel funktioniert, wir genug Bewegung haben, was unser Arzt uns rät. Der hat nämlich alle Daten auf seinem Rechner und kann uns jederzeit die richtigen Tips für das perfekte gesunde Verhalten geben. Das ist noch nicht alles: Unsere Armbanduhr reguliert über unser Handy unser häusliche Heizung, stellt die Waschmaschine an, kocht das Essen und füttert unsere Hühner, die wir aus der Steinzeit herübergerettet haben. Alle gelegten Eier werden von einem Roboter aus dem Stall geholt, ins Küchenregal gelegt und termingemäß gekocht, wenn wir Termine eingegeben haben.

Das Schärfste ist unser Waschroboter. Der kleidet uns aus und stellt uns unter die Dusche. Über Handy können wir die Temperatur des Wassers regeln. Nach dem Abtrocknen entnimmt er unserem Munde das Gebiss und legt es in ein Kukident-Reinigungsbad. Bevor er uns ins Bett bringt, besprüht er uns mit Duftwasser, das uns sein französischer Freund aus der Bretagne liefert.

Dieses Leben ist ein sorgloses, Tag für Tag und Monat für Monat. Alles nur mit der Hilfe unseres Handys aus den Staaten. Pech ist, wenn das Handy nicht mehr funktioniert oder gestohlen wird. Einem Freund ist das Handy neulich in die Toilette gefallen, als er beim Wasserlassen telefonierte. Seitdem ist er obdachlos und ohne Nahrung. Beim Amt für digitale Probleme wurde er vorstellig. Bis sein Handy aus den Kläranlagen gefischt worden ist, vergehen zwei Wochen. Danach müssen alle Daten wiedergewonnen werden. Kleidung und Nahrung bekommt er so lange vom Roten Kreuz.

 

 

16. Januar 16

Das ist die Berliner Luft, Luft, Luft

 

Berlin ist eine Reise wert. Böse Zungen behaupten, damit sei die Abreise gemeint, die dann wohl besser als Flucht zu bezeichnen sei. Fragt man nach den Gründen für die Verordnung dieses negativen Ansehens, dann folgt oft ein Blick nach dem Motto: Mensch Alte, du vastehst ooch janüscht nich. Und wenn man dann Genaues wissen will, kommen die Geschichten vom Flughafen BER, von der Problematik bei der  Flüchtlingsregistrierung, von den unzähligen Löchern in den Straßen und all diesen unfähigen Politikern, von der Handlungsschwäche der Polizei und so weiter und so fort.

In dem Zusammenhang fallen mir jene pfiffigen Berliner Geschäftsleute ein, die ähnlich gelagert waren in ihrer no-can-do-Mentalität wie die Kritisierten. Sie verkauften Berliner Luft in Dosen an den Stellen, die schwunghaften Handel mit Souvenirs betreiben. Man hatte erkannt, daß von vielen Reisenden dieses Produkt für ein Ergebnis Berliner Kreativität gehalten wird. Wie sonst ließ sich erklären, dass sie für nichts 3 € bezahlen und dies noch für ein gutes Geschäft halten. Ja, ja, Berlin und das Nichts! Von nichts 'ne Ahnung zu haben, scheint in der ehemals geteilten Stadt für eine Charakterstärke gehalten zu werden. Zwei Beispiele: Rolf Eden geht als Playboy durch, obwohl er nur mit seinem schicken Schlitten durch die Stadt fährt und sich beim Nennen seines Alters immer wieder verrechnet. Klaus Wowereit wird für einen guten Bürgermeister gehalten, obwohl Reden bei ihm Gold war. Blenden ist das Gold des Berliners. Ähnliche Berliner Charaktereigenschaften schien bereits Paul Lincke im Jahre 1899 geahnt zu haben, nämlich, dass in Berlin viel warme Luft produziert wird. Er nannte wohl deshalb sein mittlerweile berühmtestes Lied "Das ist die Berliner Luft, Luft ...", in dem auch von den Angebern die Rede ist, die mit wenig Moos den dicken Wilhelm machen.

 

17. Januar 16

 

Mein neuer Nachbar ist ein erfolgreicher Unternehmer, außerdem wohnt er alleine und fühlt sich scheinbar nicht einsam, denn er hat einen Vogel. Was sage ich? Einen?

Nein, viele hat er: 2 Hähne, eine ganze Anzahl Hennen und vier Pfauen. Letztere hat er sich angeschafft, weil er sie schön findet. Wer die Pfauen nicht mag, dem unterstellt er rigoros die Abwesenheit von Tierliebe, was für ihn einem sehr beschränkten Menschsein gleichkommt. Überhaupt Tierliebe und Schönheit, das sind seine aktuellen Themen. Bei einem Nachbarn zum Beispiel saßen die Pfauen frühmorgens auf dem Gartentisch und gingen einem Pfauengeschäft nach. In der Gesellschaft dieser Tiere ist der Toilettengang beliebt in der Gruppe und bevorzugt an einem erhöhten Punkt, denn ohne diesen Höhepunkt ist Darmentleerung ein No Go. Die Nachbarin schrie vor Entsetzen, weil Pfauendünger auf ihren regelmäßig gereinigten Gartenmöbeln nichts zu suchen habe. Als sie beim König der Pfauen klingelte, um ihre Beschwerde anzubringen, schaute er verständnislos und murmelte etwas von kleinlichem Verhalten.

Zwei Tage nach diesem Vorgang saßen seine Pfauen auf dem Autodach eines anderen Nachbarn. Der beschwerte sich auch. Mehr noch: der erstattete Anzeige wegen Sachbeschädigung. Am Tage der Anzeigeninformation klingelte der Vogelmensch bei eben diesem Nachbarn, stellte sich auf die Zehenspitzen und schrie: Wer sich mit mir anlegt, der spielt mit dem Feuer! Nach dieser Sprechübung drehte er sich um und ging. Er marschierte stolz wie einer seiner Hähne, kniff die Pobacken zusammen und lief wie eine Kopie von Rudolf Mooshammer durch seinen Garten. Zwei Monate später wurde der Vogelmensch von der Polizei abgeholt. Einer seiner Pfauen war bei der Flucht in einen PKW gerauscht und hatte einen Verkehrsunfall mit zwei Schwerverletzten verursacht. Dieses Großereignis war der Lokalzeitung eine Schlagzeile wert: Kein Glück mit dem Vögeln. Nur ein kleiner Druckfehler, wahrlich!

 

19. Januar 16

 

Der Schnee von gestern ist der von morgen

 

Es ist Winter, es ist kalt. Und dennoch gibt es viele Wärmegewitter, und wenn sie nur in den Herzen oder Seelen mancher Zeitgenossen stattfinden. In dieser historischen Kälte wird die Wärme durch Reibungen im gesellschaftlichen Gefüge erzeugt. Man denke nur an die Saudis und ihre deutschen Panzer oder an die Panzerfabrik und Algerien. Gut, dass wir Deutschen sie geliefert haben und nicht die Russen oder Amerikaner. So haben wir wenigstens die Knete in den Taschen und nicht die Anderen. Mit wir meine ich nicht uns alle, denn ich hab nix vom Waffengeld bekommen, obwohl ich am kollektiven schlechten Gewissen teilhaben darf. Oder erinnern wir an den Iran, der jetzt wieder unseren deutschen Kaufleuten die Türen weit öffnet. Was haben  wir ihm nicht schon alles verkauft, diesem Land mit sehr alter Kultur und immer wieder sehr fähigen Kaufleuten? Ich erinnere mich an 140 Airbusse - nichts ist schöner als fliegen. Unser aller Siggi Düsentrieb hat schon die Schlange der Verkaufswilligen in jenes Land der besten Pistazien geführt. Das tut er immer wieder, damit die SPD ihr gutes soziales Gewissen loben kann. Apropos Flugzeuge! Wir Berliner haben einen alten und sehr schönen Flughafen mit dem wunderbaren Namen Tempelhof. Diesen Namen muss man sich in den Ohren und auf der Zunge zergehen lassen: T e m p e l h o f. Das erinnert irgendwie an Frömmigkeit, an einen Ort für Götter, an Nächstenliebe, zum Beispiel, wenn es um Flüchtlinge geht, denen wir zeigen können, wie gut wir immer noch große Lager organisieren können.

 

Ich traf vor kurzem einen Mann, der mir freudestrahlend von seinen kaufmännischen Ideen erzählte. Er verkauft nämlich Container für Flüchtlingslager - auch nach Tempelhof. Schon im Jahre 1949 zeigten uns Deutschen die Amerikaner, wie man Kohle transportiert um Kohle zu machen. So ist das mit vielen Ländern: Es gibt immer welche, die die Notleidenden unterstützen und auch solche, die das gute Gewissen unters Volk bringen, nämlich den Frieden erklären und den Krieg. Und weil das alles immer wieder funktionieren muss, gibt es auch noch Banken, die den Schnee von gestern und morgen verwalten. Ich denke dabei keineswegs an das wunderbare Land Mexiko, wo es immer wieder Schnee geben wird, auch wenn die Gazetten und andere Medien gerne im Gefangenen-Chor mitsingen. Musik macht fröhlich! Money, money makes the world go round!

 

21. Januar 16

 

Das Glück des Rauchers

Mensch, war das Rauchen früher immer wieder schön! Da konnte der Qualmer noch voller  Lust mit Peter Stuyvesant auf Reisen gehen, mit den Marlboro Reitern die Wildnis der Prärie kennenlernen oder konnte mit dem HB-Männchen in die Luft gehen.

Diese Zeiten sind leider vorbei, seit die Lobby der Mediziner gegen die Lobbyisten aus Tabak- und Werbeunternehmen einen grandiosen Sieg davon getragen hat. Sind zwar alles nur Pyrrhussiege, weil immer noch zu viele Leute rauchen nach dem Motto: Es war schon immer etwas teurer einen besonderen Husten zu haben. Apropos Husten!

Den haben die Werber der Ärztelobby sofort genutzt, um die entgangenen Reisefreuden in der Tabakwerbung überflüssig zu machen. Heute nutzt man den Bronchialschleim der Raucher für sportliche Wettbewerbe. Ein sehr populärer ist das Weitspucken. Die Idee dazu hatten die Trendmediziner aus dem Ruhrgebiet. Als dort noch Kohle abgebaut wurde, gab es viele Bergleute mit kohlegeschwärzten Lungen. Um Ihnen das Atmen zu erleichtern, erfand man Wettbewerbe. Immer gewann der, der am weitesten Spucken konnte, nicht der mit dem schönsten Schleim. Die Sieger waren glücklich mit ihren Urkunden. Heute sind die Preise wertvoller. Gewinner werden dieser Tage beglückt mit der Übernahme ihrer Zigarettenkosten bis zum Tode. Da kommt Freude auf, kostet doch eine Packung Zigaretten zur Zeit um die fünf Euro. Ein preiswertes Vergnügen für die Fluppendreher, ein wirkungsvolles für die Paffer.

 

23. Januar 16

 

All das Chaos

Ich begegne immer wieder verwirrten Menschen. Manchmal sogar morgens vor meinem Badezimmerspiegel. Ich schaue hinein und entdecke ein fragendes Gesicht. Was war wieder los? Nun, die armen Flüchtlinge, besonders ihre leidenden Kinder trüben meine Stimmung. Am schlimmsten sind für mich die manchmal unfähige Berliner Verwaltung und diese ganzen menschenverachtenden Horden von Ballermännern, die in vielen Staaten dieses Planeten ihre Kugeln sprechen lassen, um

Unschuldige zum Schweigen zu bringen. Ja, ich weiß, dass viele dieser Mörder eine schwere Kindheit hatten und sich für die Loser halten. Sie wollen endlich Macht haben über andere, wollen Leben ausknipsen wie beim Computerspiel. 

Jeder Demokrat ist gehalten, all diese armen Hanserl zu verstehen. Ich will sie aber nicht verstehen, weil alles Verstehen nicht die Taten aus der Welt schafft, die sie mit ihrer zerstörerischen Lust angerichtet haben. Dieses ganze Verstehensollen geht mir auf den Senkel. Es raubt mir Zeit. Ich muss auch den Blick frei haben auf meine nähere Umgebung, vielleicht für meinen Nachbarjungen, dem Furchtbares passiert ist. Er hatte eine Freundin, mit der er viel zusammen war, mindestens zwei Mal in der Woche. Jessica mochte er. Sie war zwar manchmal etwas in sich zurückgezogen. Doch, warum soll sie nicht?, fragte er, als er mir von ihr erzählte. Und dann vor vier Wochen traf ich ihn ganz zerknirscht an. Seine Freundin hatte sich aufgehängt, einfach so. Die Mutter hatte ihn angerufen und ihm dies erzählt. Er war total verstört. Einige Tage später erfuhr er von Jessicas Krankheit. Die hatte man ihm verschwiegen, seine Freundin auch. Jetzt stand er da und schwieg. Wie sollte er mit ihrem Tod fertig werden?

Dieser Nachbarsjunge beschäftigt mich noch, seine Tränen rühren mich. Man möge mir verzeihen, dass ich momentan nicht in den großen Trauerchor einstimmen kann. Mein Hass auf die Mörder lebt weiter. Die öffentliche Moral mag keinen Hass, denn zu unserer Kultur gehört das Verstehen, wie ich immer wieder höre. Ich pfeife darauf!

 
25. Januar 16

Die geteilte Stadt

Als Kind lernte ich von meinen Eltern, dass man seinen Besitz zu teilen hat. So ging es mir mit Schokolade oder Keksen oder Bonbons. Meine Kleidung durfte ich für mich behalten. Das war eine wesentliche Erfahrung. Berlin ist auch ein Ort, an dem viel geteilt wird. Vor langer Zeit die Stadt in Ost und West. Jetzt ist wieder alles eins. Die Stadt also aus einem Stück? Mitnichten. Als Mieter in dieser Stadt macht so mancher wunderliche Erfahrungen. Zum Beispiel gibt es hier den Stadtteil Prenzlauer Berg. Wer als Westler nach der Wende dort hinkam, drehte sich erschrocken um und schüttelte seinen Kopf. So was von verfallen! Viele Mietshäuser waren versifft, weil der Sozialismus im Privatbereich eine Schönheitsallergie hatte. Bauern und Bürger sollten sich bescheiden,  bitte schön. Wo kämen wir hin, dachten die Bonzen, wenn das Volk auch Anspruch auf Glanz erhebt. Dieses Denken wirkte sich nach der Wende aus. Die Ärmeren und Phantasievollen zogen in die Schrotthütten, gingen auf die Straßen und eröffneten Cafés und Kneipen. So belebten sich die Abrisshäuser und auch der Investmenttourismus. Das Geld machte Ausflüge nach Berlin und kaufte ein. Erst Häuser, dann Straßen und Grundstücke, wenn die Wackelsteinrattenhütten nicht mehr zu retten waren. Wer Altes kauft, der verkauft Renoviertes. Mit Gottes und des Senats Hilfe wurden die Häuser entmietet. Natürlich auch mit der Hilfe der Handwerker, die aus Polen und woanders her kamen und auch für ihren Lärm bezahlt wurden. Dreck machten sie auch, dass die Mieter freiwillig flüchteten. Und wennse dann auszogen, kamen die Verwalter und Neureichen und wollten von alten Mietern Fensterscheiben von annodunnemals und Türgriffe aus dem 19. Jahrhundert  wiederhaben. Wer nicht gab, was er nie besessen, der wurde verklagt. Auf diese Weise versuchten so mancher Graf Koks und auch einige Heuschrecken extra Knete zu machen. Watt jab et da nich für Tränen und Fluchen! Scheen war et, datt viele Richter all die Raffkes zur Kostenübernahme verpflichteten. Ham wa jelacht, wa! Berlin, die geteilte Stadt. Leider nicht immer!

 

27. Januar 16

 

Ja, ich esse meine Suppe!

So mancher kennt die  Geschichte vom Suppenkasper, dem der Hungertod zu drohen schien. Dem erfindungsreichen Berliner Koch oder der Berliner Köchin wird dieser Text kein Hindernis sein auf dem Wege zur Entwicklung schmackhafter und gesunder Suppenrezepte? Wie viele wissen, heißt die schnelle Küche in Berlin Bulette oder Bratwurst. Der weltgewandte Bürger lässt sich die Bratwurst weltmännisch mit Curry würzen und wähnt sich in der kosmopolitischen Einsterneküche. Der Versuch unserer amerikanischen Freunde, mit dem Burger zu punkten, ist so langsam nur noch bei jenen erfolgreich, denen eine gute Figur Wurst ist. Aber es gibt ja noch den Döner. "Döner macht schöner." sagen die türkischen Mitbürger schon lange und erfolgreich. Aber was so richtige Köche und Köchinnen sind, die wollen nicht nur immer die schnelle Nummer, die wollen Geschmack und Gesundheit zusammenbringen. Wenn sie es dann noch schaffen, im dezenten Preisbereich zu bleiben, könnten sie erfolgreich sein. 

Eine steigende Anzahl von Suppenstuben erzählt vom Glück der Tüchtigen. Die Zeiten von Aschinger  sind vorbei. Ein Teller Erbsensuppe für eine Mark und 10 Brötchen kostenlos - das ist out. Die Phantasie ist gefragt, Gemüse bestimmt den Trend. Soup to go ist der Renner, und der Einfluss asiatischer Küche ist  nicht ungern geschmeckt.

Am Horizont winkt Frau Konopke mit der Wurstschere und ruft: Mir kann keener! Durch die Straßen am Ku'damm, in Friedrichshain oder Kreuzberg kichern die Besseresser. 

So isses: Die Schweine können im Großstall in Niedersachsen Freudentänze über ihre Geburtenrückgänge oder höheres Alter veranstalten zur Genugtuung der Tierschützer. Schwein gehabt!

 

28. Januar 16

 

Sie war das alles leid mit dem ganzen Papierverbrauch und den Mengen an Müll.

Zuallererst wollte sie ihre Tageszeitung einsparen und kaufte sich ein iPad.Sie sparte nicht nur die Tageszeitung ein, nein auch den Gang zum Briefkasten morgens. sie musste  nicht mehr die Schuhe wechseln, brauchte keine Nachsendeanträge zu stellen und hatte ihre Zeitung immer und überall. Sie hätte sich auch gerne ins Ausland gebeamt, um all die Tickets zu sparen, das Papier dafür und die Gänge zum Flughafen. Tickets konnte sie auf ihr Smartphone schicken lassen, die Kosten wurden vom Online-Konto abgebucht. Sie fand die Welt wieder schöner und bequemer. Ein Dorn im Auge waren all die Einkäufe. Da fand sie Abhilfe durch einen sich selbst verwaltenden Kühlschrank. Ab einem bestimmten Verbrauch wurde geliefert. Welch eine Erleichterung! Sie hatte keine Köchin mehr, seit ihre Mutter gestorben war. Kochen war nicht ihre Lieblingsbeschäftigung. Woher sollte Abhilfe kommen? Als technisch immer gut informierter Mensch erfuhr sie von 3-D-Druckern. Warum sollten die bei veränderter Materialeingabe nicht auch Essbares drucken? Es gelang ihr eine Firma ausfindig zu machen, die im Bereich des Lebensmitteldruckens erfolgreich experimentiert hatte und ihre ersten Maschinen auf den Markt brachte. Sie bekam ihre Maschine, kaufte einen bequemen Sessel, stellte den Drucker neben sich und ließ sich täglich die gewünschten Essen drucken, am liebsten Buletten und Gouda-Käse in Scheiben. Senf und Ketchup dachte sie sich dazu. Bewegung wurde ein Fremdwort für sie. Sie schrieb im Sitzen ihre literarischen Texte für einen Verlag, sandte diese jeweils als PDF-Datei an ihren Verleger. Das Leben war eine einzige Ruhe für ihren Körper. In Abschnitten von jeweils 2 Jahren wurden ihre Sessel immer wieder zu klein. Was tun? Es ging ihr gesundheitlich immer schlechter, sie bekam hohen Blutdruck, Verdauungsprobleme und offene Beine. Darüber wurde sie sehr traurig und schrieb als letzten Gruß folgendes in ihr facebook: Essen war meine Leidenschaft, Sex habe ich immer verachtet, bei der Bewegung hielt ich es mit Churchill. Verloren habe ich erst meine Vernunft und dann werde ich bald mein Leben verlieren. Ich war zu fehleranfällig, anfällig, fällig, igggggggg!

 

30. Januar 16

 

Gespaltenes Bewusstsein

Was ist der Unterschied zwischen mir und einem Politiker an einflussreicher Stelle in einem politischen Machtgefüge? Früher, als junge Dame zwischen zwanzig und dreißig Jahren, sprach ich Menschen mit widersprüchlichen Moralvorstellungen einen Sockenschuss zu, was so viel heißt wie dumm und dreist zusammen, auch rücksichtslos. Gelegentlich trifft sich moralischer Wahnsinn nicht immer in einer Person. Beispiel: Ein Land wie Deutschland stellt sich gerne als moralisch integer dar, tanzt und spielt in der Truppe der Guten und lässt von den einen die Waffen verkaufen und in züchtigem zeitlichen Abstand von anderen die Firmen zum Wiederaufbau andienen. Und dann werden die Grenzen geöffnet, damit all die Geschädigten, Beschädigten und Traumatisierten einen sicheren Hort für den moralischen und physischen persönlichen Wiederaufbau haben. Anschließend treten dramaturgisch korrekt die Erzkonservativen auf, wehren sich gegen die Verfremdung des Deutschtums, dröhnen die Landschaft mit ihren toten Hirngeburten voll und fühlen sich im Recht. Perfide sind dann so manche Verteidiger der menschlichen Opfer aus fremden Landen, wenn sie argumentieren, alle Flüchtlinge seien gut für die deutsche Wirtschaft. Ein Mann namens Zetsche frohlockte angesichts des Zuzuges frischer, qualifizierter Arbeitskräfte und tat dann: Nichts.

Im Schatten all dieser glücksorientierten Verteidiger und Kritiker der modernen Völkerwanderung  sitzen die ängstlichen Mitbürger dieses Landes in ihren Wohnzimmern vor den Fernsehern und fühlen sich im Stich gelassen wie viele der Flüchtlinge. Chaos lässt grüßen, Gewinnler reiben sich die Hände und die wahren Verlierer gehen allmählich zu Grunde oder füllen immer mehr die Kirchen. Amen!

Wer es merkt, der erkennt die neue Begrifflichkeit: Staatstheater mit Subventionierung aus dem Chaos-Topf.

 

31. Januar 16

 

Diesen Rausch oder jenen

In Berlin findet sich für jeden etwas, sagt man. Das ist sehr allgemein formuliert, sozusagen unterhalb der Gürtellinie. Etwas ist in die Hose gegangen. Diese Feststellung zum ersten Mal formuliert zu haben, wird einem Berliner Politiker nachgesagt. Wer an Wowereit denkt, ist schief gewickelt. Nein, der liebte zwar seine Auftritte in der Öffentlichkeit, weil er sie immer wieder als  rauschhaft erlebte, war aber ansonsten nicht weiter drogenabhängig. Seinen Rausch verschaffte er sich wöchentlich einmal, wenn sein Freund ihm von der gleichnamigen Firma jeden Freitag 500 g Schokolade mitbrachte. Deren Werbeleute halfen manchem Gewerbe, wenn es hieß: Holen Sie sich aus Berlin einen Rausch. Die Trinker dachten dabei immer an Prozente und bestellten den Likör Mampe halb und halb. Leider war der Rausch meistens schwach, das Sodbrennen dafür umso stärker.

Kommen wir zurück zur Politik, ohne die ja fast nichts geht in dieser Stadt, weder in den Medien, noch bei den Bemühungen um die Rettung der Welt. Bei dem Wort retten denken viele Menschen immer an die Wirtschaft. Die Begriffe retten und Rausch zu verknüpfen, wird auch manchem Berliner Ratsherrn nachgesagt. Und solch eine Fähigkeit auszubilden, dazu bedarf es der Lobbyisten. Das sind die, die Politik machen wollen und immerfort irgendwelchen Unternehmen helfen. Der Spandauer bei Berlin weiß, wovon ich rede. Jawoll, denn er denkt sofort an seine Motorradfabrik, die von Jahr zu Jahr mehr Motorräder baut und verkauft. Im gleichen Zusammenhang weiß man um die Freundschaft zwischen Bayern und Berlin. Hat der bayrische Ministerpräsident auch seine Hände nicht im Spiel.

 

Bei der Berliner Polizei wird auch die Unfallstatistik der im Verkehr zu Tode gekommenen Motorradfahrer im Drogendezernat geführt, also dort, wo alle Vergehen aus dem Drogenmilieu erfasst werden, sozusagen alles, was irgendwie mit einem Rauschzustand zu tun hat. Wer als Autofahrer im Sommer einmal die Autobahn von Berlin nach Leipzig oder Rostock gefahren ist, versteht den Zusammenhang, wenn er die rasenden Biker erlebt: Hui! - und schon ist er mit 160 Sachen vorbei. Diese schnellen Begegnungen sind mit jenen, die den Rausch der Geschwindigkeit lieben. Im Görli, dem berühmten Park in Berlin-Kreuzberg, gibt es dann die harten Drogen für den gelegentlichen Abendrausch, wenn man keinen Alkohol mag. Es soll ja Motorradfahrer geben, die den Doppelrausch lieben und mit Speed und einer heißen Maschine auf einen Trip gehen. Das sind manchmal schicksalhafte Begegnungen.

Gestern traf ich nach langer Zeit einen alten Kollegen und fragte ihn nach vielem und auch der Karriere seines Sohnes. Er wurde plötzlich schweigsam und schaute mich fragend an. Mein Sohn, sagte er, ist vor 9 Monaten mit seinem Motorrad im Berliner Umland verunglückt. Ein Autofahrer hat ihm die Vorfahrt genommen. Er war dabei seine Familie zu gründen. Jetzt ist er tot.

 

Wie gut, daß ich keine Spandauerin bin.

 

1. Februar 2016

Neurologischer Störfall: Frau Dr. Frauke Petry - Ein Pakt zwischen Gott und Teufel?

 

Jeder Mensch - noch jung an Jahren -glaubt an die Existenz des Teufels und dessen Widerpart Gott in einer oder mehreren Spielarten, die da heißen Gottvater, Gottes Sohn und der heilige Geist. Bleiben wir bei den Begriffen Gott und Teufel. Manch ein Erwachsener, wenn resistent gegen ein sich entwickelndes Denken oder auch nur unfähig wegen fehlender Hirnqualitäten bleibt im kindlichen Denken begrifflicher Unschuld. In Krisenzeiten, falls die momentanen dazu zählen, entwickeln sich von der Normbegrifflichkeit  abweichende Denkübungen. Diese suchen sich die Köpfe dazu unter den Lebenden. Zwei Namen seien zu erwähnen, von denen einer beim sprechenden Denken Bisswunden hinterlässt. Ausgesucht hat sich das Schicksal das Hirn einer gewissen Frauke Petry, von Hause aus promovierte Chemikerin, also einer Frau, die fast jeder für klug halten würde. Die gepflegt aussehende Dame, berufstätig und Mutter von vier Kindern entwickelt sich allen Annahmen zum Trotz zu einer aggressiven Rechtsauslegerin, die sich in ihren Redebeiträgen eigenwilliger Sprachkunststücke bedient, deren einziger Zweck es nur sein kann, sich bewährt habende politische Handlungsstrukturen zu zerstören. Fast nicht zu glauben ist die Tatsache, dass diese Frau mit dem in einer Gemeinde tätigen Pfarrer Sven Petry bis 2015 verheiratet war und mit ihm vier gemeinsame Kinder hat. Sie  ist jetzt zusammen mit dem Juristen Marcus Pretzell und bildet vermutlich eine daueraktive Brutstätte für rechtes Gedankengut. Das heißt, ihre fruchtbare Liaison mit dem Pastor ist beendet. Daraus lässt sich möglicherweise schließen, Gottes Einfluss ist schwächer als der des Teufels. Ihre Kindheit hat Frau Doktor Petry in der Niederlausitz zugebracht. Was hat diese auf den meisten Fotos sympathisch wirkende Dame dazu gebracht, sich zu radikalisieren und dem Kampfverhalten eines Rottweilers anzunähern? So mancher ist ratlos und wendet sich von ihr ab. Aus unterrichteten Kreisen wird der Gedanke lanciert, die Dame einer neurologischen Untersuchung anzuvertrauen. Vielleicht ist sie jenseits ihrer Verantwortung für sich selbst und weiß es noch nicht. Ihr weniger wohl gesonnene Menschen wünschen ihr eine Narrenkappe und ein Ticket für den rheinischen Karneval, denn dort falle sie sicherlich nicht auf. Vielleicht könne der nicht unbekannte Bayer Söder ihr behilflich sein oder dessen Landsmann Stoiber.

 

3. Februar 2016

 

Einsamkeit ist ein kalter Arsch

Das Internet ist eine Ablenkung vom eigenen Ich. Es schickt dir Angebote aller Art. Ein Robert will dich kennenlernen, ein Kaufhaus dir Waren verkaufen, Kredite kannst du fast umsonst bekommen, Billigflüge in die Welt wollen dir Fluggesellschaften andienen, Zeitungen möchten von dir gelesen werden, Parteien lieben dich als Wähler. Du erlebst ohne Nähe, wie man dich umwirbt. Erfahren wirst du nie, wer sich für dich interessiert. Alles soll und wird kosten. Umsonst ist nicht einmal der Tod.
Wenn du dich auf alle in dein Blickfeld geratenden Absender von Mails oder Spam konzentrieren würdest, gerätst
du in einen Kühlschrank, denn die an Dienstleistungen oder Waren geknüpften Erwartungen haben mit deinem Geld zu tun, mit den schwarzen Zahlen auf deinem Konto, selbst die roten werden akzeptiert, wenn sie auf dem Weg zu einem anderen Konto die stolze schwarze Farbe eines Priesterrocks annehmen.
Das Internet als Partner des Browsenden, des Suchenden, ist ein kalter Partner ohne Blutkreislauf. Wenn der Rechner einmal heiß wird, ist das keine erotische Regung, sondern ein nahender Infarkt, der vielleicht verursacht wurde durch böswillige Attacken irgendeines Vollidioten ohne soziales Hirn. Er vermehrt das Böse nicht mit seinen Spermien, eher mit Hilfe eines trojanischen Eindringlings. Er liebt den langen Schwanz der Netzviren und sich und  lacht vermutlich so geisteskrank wie die moslemischen Ballermänner der ISIS.
In einem der von mir kurz bewohnten Mietshäuser in Berlin Kreuzberg lebte eine alte Dame, die in ihrem fortgeschrittenen Alter noch lernte einen Computer zu bedienen. Das Internet war ihre einzige große Sehnsucht, denn ihr Mann war verstorben und ihre Katze auch. Sie saß täglich stundenlang vor ihrem Monitor und wühlte sich durch fremde Webseiten, schrieb Leserbriefe und bestellte sich gelegentlich irgendwelche Kleinigkeiten. Mit dem Paketboten führte sie von zeit zu zeit ein freundliches Schwätzchen. Eines Tages erlebte sie die Unfreundlichkeit des Netzes. Sie klingelte an meiner Tür und sagte: Schauen sie sich den Brief an! Ich las den Brief eines Anwaltes, der von ihr mehrere Hundert Euro verlangte. Sie hatte sich einen Pornofilm mehrere Male angesehen und nicht die Bedingungen gelesen. Aus ihrem roten Gesicht schauten traurige Augen. " Ich wollte doch einmal wieder sehen, wie das ist, so nah mit jemandem zu sein." Ich schaute sie an und zuckte mit den Schultern.
Dieser Brief des Rechtsanwalts war nicht die Nähe, die sie gesucht hatte. Das Internet bietet immer wieder Abenteuer ohne Nähe, sozusagen einen kalten Arsch.

 

5. Februar 2016

 

Berlin - ein großes StartUp

Berlin scheint wie eine Wundertüte zu sein. Wenn man genau hineinschaut, kann man sich nur wundern. Eigentlich über alles, die Bekloppten, die nach Berlin kommen und Radau machen, die Saufköppe, die Berlin nur erkennen können, wenn sie genug gesoffen haben, in ihrer eigenen Kotze wach werden und den Anblick für ein modernes Kunstwerk halten. Allen gemeinsam ist ihre pure Lust am Vergnügen, am Rauslassen vieler Säue.
Andere möchten hier sogenannte Start-ups gründen und ihre zu einer viel versprechenden Firma gewordenen Gründungen so schnell wie möglich für viel Kohle verkaufen. Vielleicht, um ihre Vergnügungssucht etwas anspruchsvoller ökonomisch ausstatten zu können. Mir fallen da einige Namen ein, deren Erfolgsversprechungen auch geglaubt wird. Wer erinnert sich nicht an Bernie Kornfeld und die wunderbare Welt der Glücksvermehrung.
Ganz besonders verabscheuungswürdig sind jene Kreaturen, die durch die Stadt rasen oder jene, die überall parken, wo es verboten ist. Tote sind reine Kollateralschäden einer anderen Art von Gewinnsucht.

Berlin hat schon viele und vieles erlebt, schlechte Politiker und gute, schön gekleidete Menschen und in der Second Hand world Bekleidete. Mode ist eh' scheiße und nur für Spießer, wie die aus zweiter Hand Lebenden.
Dieses Berlin, es raubt mir den Schlaf. Ich frage mich, warum hier so vieles Mythos und so wenig Substanz ist. Und immer mehr Menschen strömen hierher, in den Augen die Hoffnung, in den Taschen wenig Geld. Die Berliner Sozialausgaben sind verdammt hoch.

Die Tage traf ich in einem Restaurant am Alexanderplatz einen älteren Mann an einem Tisch, er aß wie ich ein Gericht von der Tageskarte. Wir kamen ins Gespräch. Er erzählte von seinem Studium an der FU, von seiner gelegentlichen Arbeit und von seinem jetzigen Leben. Er lebt, wie so viele in der Hauptstadt, auch von der Sozialhilfe. Als er davon sprach, verdüsterte sich sein Blick. Erst als er mir von seiner Webseite erzählte und von seinen kurzen Filmen, ging ein Lächeln über sein Gesicht. Schauen sie sich die mal an, wenn sie Zeit haben!

Als ich das Kaufhaus verließ, war der Alexanderplatz voller Menschen. Zu Hause schaute ich mir einen Film meiner Restaurantbegegnung im Internet an. Er zeigte eine vierminütige Kamerafahrt durch eine leere Straße. Kein Leben, so schien es, spielte sich in dieser Straße ab. Sie endete an einem großen Wasser. Auf einer kleinen Mauer stand eine androgyne Figur und starrte in die Weite. Plötzlich sprang sie ins Wasser und verschwand schwimmend in der Ferne des Horizontes.
Mit dieser Einstellung war der kurze Film zu Ende. Berlin, dachte ich, das ist Berlin 40 Jahre nach dem Ende des Krieges in Syrien. Wo waren all die Menschen geblieben?

 

8.2.2016

 

Wahnsinn, purer Wahnsinn, sich aus 4000 Büchern nur 500 aussuchen zu können, weil der neue Raum nicht für Papier gewordenen Geist gebaut wurde. Er war nach der Reichsnorm der neuen Züchtungspolitiker mit ihrem Chef aus Österreich geplant. Zwei Kinderzimmer waren die Norm für den Kleinbürger, der sein Haus secondhand im Jahre 1957 für 37 000 Mark kaufte und glücklich zu werden versuchte. Heute dient das Haus einer Kleingruppe aus Mann und Frau und den verzweifelten Bemühungen, viel Wissen zu retten für die Zukunft der am Denken noch Interessierten, die ihre Gedanken nicht nur aus digitalen Quellen speisen wollen. Und dennoch können sie nicht alles retten, sie müssen selektieren und sich fragen, was für sie wichtig ist: Goethe, Gogol, Andersch, Safranski, Botho Strauß und all die anderen wie Handke, Böll oder Grass. Wer weiß schon, was uns weiterhelfen wird: Fachbücher oder Prosa, Lyrik oder Philosophie? Das Schicksal will es, dass die Menschen in 50 Jahren vermutlich mit Sicherheit sagen können, welche Bücher aus dem Geist einer Zeit sind oder dem Geist einer Zeit perfekt dienen konnten. Zwischen dem Heute und mir muss ich eine Kluft herstellen, die mir erlaubt das Wesentliche zu erkennen. Sind unsere digitalen Werkzeuge wichtiger als ein paar virulente Gedanken, sind Dichterworte den Tag bestimmend oder ein ganz besonderer technischer Fortschritt, vielleicht sogar das Wetter? Mag sein, die zur Zeit sichtbaren Flüchtlingstrecks sind weniger wichtig für den Fortschritt oder auch gesellschaftlichen Rückschritt. Kann sein, der Zusammenschluss vieler kleiner Firmen zu einer großen löst einschneidendere gesellschaftliche Veränderungen aus als das zwanghafte Handeln des Zwergs Putin. You Never know! Dieses Nichtwissen macht die Ängste aus und am Ende den Bestand der Welt.

 

12. Februar 2016

 

Berlin hat mir frei gegeben und erlaubt mir Augenkontakt mit anderen Landflächen in diesem Staate Deutschland. Ich fuhr die Tage früh eine Landstraße entlang. Die Temperaturanzeige des Außenfühlers meines Autos zeigte Minusgrade nach tagelangen Plusgraden. Nebel stand in der Luft und umhüllte geheimnisvoll die Anlage einer größeren Unternehmens, in dem viele Menschen sich der Produktion von Baumaterial widmen. Vor einiger Zeit lernte ich den pensionierten Manager dieser Firma kennen. Er machte einen ruhigen Eindruck und erzählte von der jungen Generation der Manager, die den Betrieb selten von innen kennen. Die Arbeiter des Unternehmens interessierten sie nicht mehr. Mit Begeisterung oder Missmut studieren sie, so der Pensionär, die Produktionszahlen. Zahlen zählen wie das verdiente Geld. Geld sei für sie das Zauberwort, das Sie in eine Art kreative Bewegung versetzt, das Sie aktiviert für das, was sie ihre Arbeit nennen.
Diese Feststellungen eines Mannes der Praxis machten mir den verstärkten Wandel in der menschlichen Gesellschaft deutlich, speziell im Lebensbereich der sich dem Wohlergehen der Betriebswirtschaft und deren volksbezogener Variante ausschließlich verpflichtet fühlenden Mitmenschen. Die christlichen Pfarrer sprechen in diesem Zusammenhang vom Tanz ums goldene Kalb, die Strategen dieser unsäglich mordorientierten IS-Bande vom Gelde, das den Segen des Kampfes ermöglicht und bedingt. So weit brauchte man jedoch nicht zu gehen. Allein der Blick auf deutsche Politiker, die mit unschuldigem Blick am Chaos in der
Welt herumwerkeln und sich immer im Recht fühlen, was der doitschen Einstellung zum eigenen Tun entspricht. Ein Blick nach Amerika wirft ein Licht auf die Komik der Baumeister unserer Gesellschaft. Donald Trump tut alles, um den kreativen Geist des Unternehmertums vergessen zu machen. Für ihn ist Komik der Dreh- und Angelpunkt des guten Menschen. Die Welt wird vermutlich in absehbarer Zeit untergehen, weil der rote Faden des Barbarentums überall an seinen Fuselresten zu erkennen ist. In Anlehnung an den Titel eines alten Westernfilms könnte das Motto der Neomoderne lauten: Sie haben den Faden verloren, und dessen Fusel pflastern ihren Weg.

 

16. Februar 2016

 

Katzenmusik vom Cat Walk - Das Model

 

Wie schön sie ist und auch wie leer.
Aus ihren Augen blickt die bleiche Welt zu dir,
aus ihrem Mund erklingen Totenlieder.
Sie ist im Dienst der Kleiderträume,
durchschreitet seelenlos belebte Säle,
schaut abgewandt in ihre stoffgetränkte Welt,
als hing der Menschen Schönheitsglück an ihr.
Was sie verspricht, ist Sinnesrauschen,
ihr kalter Blick ist winterwetterweiß,
nur ihre Hand ist immer wieder glücklos heiß.

 

18.02.2016
 

Eine besondere Trauer

Berlin ist gleichzeitig Schatzkiste und Schreckenskammer. Wer die Medien regelmäßig im Blickfeld hat, erfährt von Morden und Totschlag, Hochzeiten und anderen bedeutungsvollen Momenten. Die Bildzeitung bedient die Emotionswünsche der Menschen, der Tagesspiegel auf der anderen Seite die Informationsbedürftigen. Unterschlagen wird durch den deutschen Daily Mirror auch nicht das Bedürfnis nach Anteilnahme an Schicksalen. Eines habe ich nicht aus der Zeitung erfahren. Meine eigenen Augen brachten mich zum Staunen, als in eine evangelische Kirche vier Särge getragen wurden, vier. Ich fragte die Gemüsehändlerin, die nicht weit entfernt von der Kirche ihr Geschäft betreibt. Sie ließ mich wissen, dass es sich um eine ganze Familie handele, die in Afrika bei einem Autounfall ums Leben gekommen sei. Die Zahl vier war für mich noch faßbar im Bereich von Todesopfern bei einem Vorfall. An einzelne Tote hatte ich mich lange gewöhnt. Ich weiß, sie gehören zum täglichen Leben wie Geburten. Und dennoch ist der Anblick von Toten eine schlimme Erfahrung.
Unfaßbar scheinen all die toten Flüchtlinge zu sein, denn ihre Zahlen machen ein Trauern unmöglich, sie erlauben häufig nur ein Kopfschütteln; schrecklich wird es, wenn man Zeuge eines Autounfalls wird, erleben muss, wie ein Kind überfahren wird. Derartiges raubt die Fröhlichkeit für Stunden oder sogar Tage und macht die eigene Ohnmacht deutlich. Und wenn man dann noch drei Monate nach diesem Ereignis die relativ junge Gemüsehändlerin nicht mehr in ihrem Laden antrifft, weil sie an einem Hirnschlag gestorben ist, dann verdüstert sich der Blick für Längere Zeit.

Ich ging zu jener berühmten Flüchtlingsaufnahmestelle im Zentrum von Berlin, zum berühmt-berüchtigten LAGeSo. Was ich sah, waren Hunderte von wartenden Männern, Frauen und Kindern. Der Anblick wirkte tröstlich, obwohl in den Augen vieler dieser Menschen eine Trauer lag, die das Elend unserer Welt hinaus zu schreien schien durch ein geduldiges Schweigen.

 

19.02.2016

Sachsengesocks

Meine erste Begegnung mit diesem deutschen Volksstamm war die mit der Stimme von Walter Ulbricht. Grausam fand ich diese Art von Wortschöpfung, meine Ohren ganz besonders. Noch zu DDR-Zeiten lernte ich von einem humorvoll-kritischen Menschen folgenden Witz: Warum gibt es in Sachsen keine Hämorrhoiden mehr? Ich zögerte, er antwortete: Weil es in Sachsen keine Arschlöcher mehr gibt. Die sind jetzt alle in Berlin. Er spielte mit diesem Witz auf die strebsamen Sachsen im Berliner Politikerstadl an. Sachsen scheinen - wenn man das einmal so pauschal sagen darf - einen Hang zu Macht und Dominanz zu haben. Erinnert sei kommentarlos an die Pegidamärsche in einigen sächsischen Städten und die abwehrende Sprachkraft so manches Sprechwütigen inmitten der Menschenmassen. Erstaunlich, wie Denkwut ihren Weg in Schwammgehirne findet. Das jüngste Beispiel findet sich im sächsischen Clausnitz, wo eine Hundertschaft mit Hordengeist ihr Gehirn leer rülpste mit Sätzen wie "Wir sind das Volk." Und weil sich solch ein Satz in tauben Gehirnen so wohl fühlt, wurde er zig Mal wiederholt. Die im Bus befindlichen Kinder der Flüchtlinge weinten vor Angst, weil sie nicht wussten, dass in jener Gegend der Brechreiz der Papiertiger zu Hause ist. Dennoch sollte sich jeder denkende Mensch schämen angesichts der Tatsache, dass sich taube Nüsse in Deutschland auch als wertvolles Baumgewächs fühlen dürfen.

 

21.02.2016

 

Wegelagerer

Ja, schön, wenn man sich als Glückspilz bezeichnen kann, weil man in Berlin wohnt. Hier gibt es den Hauptstadtbonus und den Segen von all unseren Politpredigern, die bei der Rettung der Welt und der Versorgung der Opfer aller Übel mithelfen. Es gibt nur eine Erbsünde, die allen vom Volke Gewählten mit in die Wiege gelegt wird: Sie leben in der Gefahr vom Wohltäter zum Übeltäter zu mutieren.

Über so manche Tätersorte wird in der Öffentlichkeit nur mit Zorn in der Stimme gesprochen. Da sind nun jene, die trotz ihrer geringen moralischen PS-Zahl Schlepper heißen und auch unter die Sorte Wegelagerer fallen, weil sie wie Schmeißfliegen auf ihre Opfer lauern. Für schlappe paar tausend Euro versprechen sie Fahrten ins Glück, wobei das Letztere eine relativ einseitige Sache ist. Manche werden reich und weniger als manche werden glücklich. Mit dem parlamentserzogenen Zeigefinger deuten im Bundestag die Profis auf jene Schmarotzer, deren Geld aus dem Kriegschaos geschöpft wird. Andererseits erwähnen der Wirtschaftsminister und die Verteidigungsministerin mit Stolz ihre Zahlen beim Verkauf von Waffen oder der Vergrößerung der Söldnerheere. Und alle dienen dem Frieden. Was für eine Heuchelei, wenn die heilige Ursula und auch der heilige Sigmar in die Politbütt steigen und von ihren Wohltaten reden. Als ob Waffen und Söldner schon einmal mehr als Tod und Teufel in die Welt gebracht hätten?!
Und wenn dann einer aufsteht und die Schlepper und schlappen Politikerinnen und Politiker in eine Wundertüte packt und Ähnlichkeiten sieht zwischen denen mit den alten Autos und Schiffen und dieser ewigen Sorte von Stahlharten, dann grollt das Rechtssystem. Die Zyniker unter den Grünen und Frömmelnden gewinnen allen Untaten auf den Fluchtwegen noch etwas Positives ab, wenn sie vom Recyceln des alten Materials sprechen.
Also, lassen wir die Kritik und die Tränen, denn gestorben wird immer, und von irgendetwas muss der Mensch doch leben. Denken wir an das Glashaus und die Steine! Irgendwann muss immer mal Glas zu Bruch gehen. Glück und Glas, wie leicht bricht daas.

 

 

24. Februar 2016

 

Das Fremde und ich

Die Friedvollen unter den Mitmenschen, wenn sie einmal die Probleme neu hinzugekommener Menschen aus irgendwelchen unfreundlichen Ländern erkannt haben, besänftigen andere menschliche Lebewesen mit Sätzen wie "Jeder ist irgendwo Fremder". Solche Äußerungen sollen zeigen, man solle keine Furcht vor Einsamkeit oder Bedenken gegen modernes Personalmanagement haben, denn alles sei ganz normal und werde sich richten. Hört sich gut an, tut aber nur so hilfreich.

Genau so ist es mit der Feststellung, der Kunde sei König. Was immer das heißen mag: Auch Könige werden manchmal schlecht bedient oder haben das Gefühl, ihre Existenz verdanken sie nur der Tatsache, dass sie Geld haben. So hat Berlin einen sehr erfolgreichen Delikatessenladen mit vielen Filialen. Worüber sich so mancher Kunde wundert? Im Abstand von Monaten wechselt das Personal. Was gleich bleibt, sind die Qualität der Waren und der Umfang des Angebotes. Warum das?, fragt sich so mancher Kundenkönig und erfährt auf Umwegen von der Firmenpolitik. Kein Verkäufer, keine Verkäuferin soll länger mit immer gleichen Kollegen und Kolleginnen zusammen sein. Die Firmenleitung fürchtet zu große Nähe zwischen den Angestellten. Diese wiederum könnte zu aufmüpfigem Verhalten führen. Warum eigentlich? Alle haben hervorragende Arbeitsplätze. Dafür sollten Sie dankbar sein. Schließlich erhalten sie eine Bezahlung unter dem Durchschnitt, damit die Sehnsucht in den Herzen der treuen Mitarbeiter erhalten bleibt, nämlich jene nach einer höheren Bezahlung. Das klingt sehr plausibel wie auch der Hinweis, man wolle Freundschaften zwischen Männern und Frauen verhindern und damit auch das Ansteigen des Testosteronspiegels bei den männlichen Mitarbeitern. So viel Fürsorge ist ein Beispiel für die christliche Tradition in unserem deutschen Lande, deren besonderes Merkmal die Nächstenliebe ist. Deutschland wird auf lange Jahre beispielhaft im Entwickeln von Arbeitsplatzmodellen sein: Freiheit und Zufriedenheit durch Enthaltsamkeit auf breiter Front. Butter Lindner is good for you!

 

 

 

 

 

 

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