Berliner Frauenporträts
   Berliner Frauenporträts
            Annette Köhn - Verlegerin und Buchautorin
 
 
 
 
Ich gehe in Neukölln eine Straße entlang. Zu viele Autos links und rechts geparkt, Schmutz und unschöne, zum Teil verfallende Häuserfronten. Die Straße wirkt von den Hausbesitzern bestraft. Sie ist lieblos und dient dem Geschäft des Vermietens. Menschen scheinen noch geduldet. Annette Köhn greift ein mit ihrer Musenstube und macht ihr Schaffenszentrum zu einer intellektuell-kreativen Zauberzentrale, in der Erwartungen und Freuden das Gegengewicht zu menschlicher Gleichgültigkeit bilden.
In diesem Berliner Wimmelbezirk Neukölln gibt es in der Tellstraße, so heißt dieser Ort vielversprechend, das Kreativzentrum, dem die Muse als Kraftspenderin ihren Namen leiht. Hier arbeitet Annette Köhn mit ihren Helfern an der Gestaltung von Kinderbüchern und anderem "Kramsums", wie sie ihre Schätze nennt. Sieht man all die kreativen Menschen, die um sie versammelt sind, dann ahnt man die unerschöpflichen Ideen, die ihre Helfer und schöpferischen Gestalter mit sich herumtragen und irgendwann zu Papier bringen oder dem Rechner mit Hilfe entsprechender Programme anvertrauen. Die Nächte in der Musenstube gehören den schlummernden Gestalten aus den von ihr herausgegebenen Büchern: Comics, Kochbücher, Kinderbücher. Man muss sich dieses Gemurmel vorstellen, wenn sich die unterschiedlichsten Bücherlebewesen auf den Sitzplätzen des Raumes ein Stelldichein geben und von ihren individuellen Papierleben erzählen. Viele junge Männer und Frauen arbeiten in der Stube und lassen dort ihre Ideen lebendig werden. 
Annette Köhn ist Impulsgeber- und Ideenverwerterin. Sie zeichnet verlegerisch verantwortlich und überlässt es den einzelnen Zeichnern und Schreibern, wie sie ihre Werke gestalten. Sie hat die Endkontrolle, weil das ästhetische, originelle Tun ihr wichtig sind. Die Entscheidung zur Produktion von materialisierten Ideen liegt bei ihr, denn das ökonomische Prinzip spielt eine wichtige Rolle. Ihre Zielgruppen kennt sie. Ins Nichts hinein zu produzieren, wäre Glücksspiel. 
Ihre Kreativen wissen das und schätzen auch die von ihr gegebenen Freiheiten. Ideen können nicht im Stile von Disney verordnet werden. Sie entwickeln sich wie Sauerteig, der eine Zeit braucht, um zu einem guten Brot werden zu können.
Buchschaffen mit dem Werden eines ordentlichen Sauerteiges zu vergleichen, scheint verwegen, hat aber etwas Gemeinsames, das mit dem Begriffen Qualität und Phantasie umschrieben werden kann.
Ich blättere in vielen Werken, in Comics und Kinderbüchern und bin entzückt. Comics können so komisch sein und Bilder in Kinderbüchern so wunderbar, dass ich die ernüchternde Welt vor der Tür vergessen könnte.
Ja, ja, ja, jaaaaaaaaaaaaaaaaaaaa!
Jaja, der Verlag. Seine Bücher und anderen Artikel sind ein wichtiges Gegengewicht zu den unbedeutenden Produkten aus manchen Häusern in Berlin und anderswo. Möge sie viele von ihren Büchern verkaufen, Bücher, die Kinder durch Berlin geleiten oder an einem Krokodilsge.burtstag teilnehmen lassen. Oder, oder, oder: Jaja! Pizza essen Kinder auch gern. Das weiß Annette Köhn.
(Fotos: Musenstube Nahaufnahme; Annette Köhn, Lihie Jacob, Sophie; Annette Köhn in der Musenstube; Leto, der Drache aus dem gleichnamigen Comic von Annette Köhn; Hausfront Tellstraße 2)
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