Berliner Frauenporträts
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Christiane Thiel-Gutwillinger

Zwei Seelen in einer Brust oder mehr

Sie arbeitet in Hermsdorf am idyllischen Fellbacher Platz. Zu ihrer Haupttätigkeit fährt sie häufig mit dem Fahrrad, denn sie braucht Bewegung, um fit zu bleiben für ihre zwei Berufe, die sehr widersprüchlich erscheinen: Sie ist Hebamme und Fleischereifachverkäuferin, liebt Kinder und betreut gerne werdende und gewordene Mütter auf der einen, gestaltet Wurst- und Schinkenplatten auf der anderen Seite. Während sie ihre Partyplatten füllt und dekoriert, hat sie ihren Pieper immer dabei. Es könnte ja sein, dass eine plötzliche Entbindung ihrer Hilfe bedarf. In solchen Fällen übernehmen dann ihre Verkäuferinnen. Christiane Thiel-Gutwillinger wurde als Österreicherin geboren und lebt seit Jahrzehnten in Berlin. Arbeit in sozialem Bereich ist ihr ein Anliegen. Sie freut sich über jedes gesunde Neugeborene und schätzt still die positiven Kritiken ihrer Kunden in der Fleischerei, die sie zusammen mit ihrem Ehemann betreibt. Seit 38 Jahren hält sie den Laden in Schwung als Seele des Geschäfts.
Die Fleischerei Thiel ist bekannt für die Qualität ihrer Ware. In dem räumlich kleinen Geschäft mit all den schmackhaften Produkten fühlen sich Kunden wohl und haben auch häufig Gelegenheit über die humorvollen Äußerungen der Chefin Christiane zu schmunzeln.
Als Hebamme hilft sie nicht nur  - zusammen mit den Müttern - den Kindern ins Licht der Welt. Die "Muttis", wie sie die jungen Mütter liebevoll nennt, werden von ihr vor und nach den Entbindungen betreut, am liebsten bei ihnen zu Hause, denn medizinische und mentale Betreuung sei für Mütter am besten in der gewohnten Umgebung.
Zwei Berufe und die damit verbundenen Aufgaben kosten eine Menge Zeit und so manchen Schlaf. Wer bei der Fleischerei Thiel seine Waren für die häusliche Versorgung kauft oder den Partyservice bestellt, wird die Chefin Christiane nie schlecht gelaunt erleben. Immer hat sie ein Ohr für ihre Kunden und auch die jungen Mütter. Vielleicht kommt ihr Ehemann manchmal ein wenig zu kurz. Es hat den Anschein, dass er die knappe Zeit seiner Frau mit Fassung erträgt, so lange beide in ihrer Arbeit erfolgreich sind.
 
So mancher Kunde nennt sie die gute Seele vom Fellbacher Platz, die auch mal einen  Witz auf Lager hat, um ein Lächeln in die Gesichter der Anderen zu zaubern. Schade, dass Berlin wenig Sinn für Karneval hat. Christiane Gutwillinger-Thiel würde auch beim Fleischerkarneval eine Büttenrede halten. Sie könnte so beginnen: Liebe Freunde, wir  haben viel Schwein gehabt, denn der Senat erlaubt seit neuem den Fleischern wieder das Schlachten von Rindern im eigenen Hause. Nur die Hühner müssen nicht bei uns ihr Leben lassen. Sie kommen als nackte Frischware direkt von den salzigen Wiesen der Büsumer Deiche in unsere Kühltheken.
 
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