Berliner Frauenporträts
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Johanna-Julia Spitzer - Schauspielerin

 

Zur Zeit spielt sie in Shakespeares "Wintermärchen" in der Berliner Shakespeare Company. (bis einschließlich 25. Jan. 2015)

 

Ein seltenes Erlebnis, dieses Theaterzelt der Berliner Shakespeare Company: Die Behausung in einem großen Schuppen, der vormals Platz für die Wartung und Reparatur der S-Bahnen bot. Ein Wintermärchen ist die Aufführung dieses gleichnamigen Stückes von Shakespeare. Zwei Frauen und zwei Männer spielen des Stückes  12 Rollen. Kurzweilig, sparsam ästhetisch das Bühnenbild, die Kleidung und die Requisiten. Drei wunderbar gestaltete Puppen ergänzen als Personal die Darstellung der Handlung. (Dezember 2014 bis Januar 2015)

 

 

Gespräch zwischen B.F.P und Johanna-Julia Spitzer

 

BFP:                     Frau Spitzer, Schauspieler sind doch komische Menschen, nicht wahr?

Spitzer:                Warum? Das klingt so negativ, wie sie das sagen. Wie meinen sie das?

BFP:                      Ja, sie lieben eine Arbeit, bei der es darum geht, in die Haut anderer zu schlüpfen und fiktiv  wie ein anderer Mensch zu handeln und zu reden.   Sie stehen nun schon einige Jahre auf den Brettern, die die Welt bedeuten, haben ihre Erfahrungen gemacht, haben hier und dort gearbeitet. Können sie nicht bestätigen, dass ihre Eltern Recht hatten, wenn man an die Finanzen denkt?

Spitzer:                Teils, teils. Manchmal habe ich mehr Geld, manchmal weniger. Aber – und das sollten sie nicht vergessen! – ich habe immer sehr viel Freude an der Schauspielerei. Und nicht nur daran, auch an manchen Sprecherrollen, für die ich gelegentlich auch gebucht werde.

BFP:                      Mit der Freude am Spielen, das kann ich nach dem Besuch des „Wintermärchens“  in der Shakespeare Company  hier auf dem Südgelände wohl bestätigen. Sie brillieren in drei Rollen. Ihre Lust am Komischen wird für mich besonders deutlich, wenn sie ihre Figur im Hamburgischen Dialekt reden lassen.

Spitzer:                Lacht … Ja, da haben sie Recht. In drei Rollen zu schlüpfen, in einem Stück, das ist eine reizvolle Herausforderung …

BFP: … die aber nicht nur eine freiwillige Entscheidung zu sein scheint, sondern auch mit der Finanzlage der Company zu tun hat?

Spitzer:                Nicht nur, aber auch. Sie haben gesehen, dass man breitgefächert agieren muss. Meine beiden Kollegen und meine Kollegin Katharina Kwaschik tanzen sozusagen auch auf mehreren Hochzeiten.

BFP:                      Könnte man so sagen, denn sie sind sicherlich mit ihrer Arbeit verheiratet, wenn man ihre Spiellust sieht. Was ich auch gehört habe: Sämtliche Aufführungen waren fast oder auch ausverkauft!?

Spitzer:                 Richtig. Reich geworden sind wir dennoch nicht. Das Theaterzelt ist gesponsert, der Holzfußboden auch. Wir haben einige Gönner gehabt. Ohne diese wäre eine Arbeit im Rahmen der Shakespeare Company schwer möglich.

BFP:                       Und nun? Was folgt auf Berlin?

Spitzer:                 Dies und das. Ab der nächsten Woche bin ich wieder in Cottbus.

          ( https://www.youtube.com/watch?v=pg3KPFphJ78      ) 

                     http://www.staatstheater-cottbus.de/programm/schauspiel.html

 

Immer wieder ein anderer Mensch sein

 

Rollenspiele zu lieben, das muss einem gefallen. Immer wieder aus anderer Seelen Sicht zu agieren, auch wenn es nur auf Bühnen oder im Film ist, das muss ein innerer Drang sein, dem zu folgen bei vielen Menschen zu dem Beruf des Schauspielers führt. Die ursprünglichen Beweggründe sind vielfältig. Bei Johanna-Julia Spitzer scheinen die Impulse von der Familie auszugehen, vom Beruf des Vaters, der bereits mit 18 Jahren eine besondere Rolle in einem Film spielte, dessen Grundlage ein Roman von Johannes R. Becher war. Dieses väterliche Vorbild, verbunden mit anderen Faktoren, scheint  der Hintergrund für die Berufswahl der Schauspielerin zu sein.

Johanna Julia Spitzer: Ich sah sie zum ersten Mal im Dezember 2014 in der Shakespeare Company in Berlin. Dort verlieh sie gleich drei Rollen ihre Präsenz und Stimme. Wer sie einmal beim komischen Spiel  erlebt hat, weiß, warum sie wichtig ist als Bühnenschauspielerin. Johanna Julia Spitzer lebte bis zu ihrem Abitur in ihrer Geburtsstadt Halle und verließ anschließend  diesen Ort in Richtung Berlin. Die Mutter war Lehrerin und häufig allein mit ihren zwei Töchtern. Auch ihre Schwester ist Schauspielerin.

Johanna Julia Spitzer wohnt mit ihren zwei Söhnen in Berlin im Stadtteil Prenzlauer Berg. Sie möchte nicht dauernd unterwegs sein, mal hier wohnen, mal dort, den Engagements hinterherreisen, den Wohnort wechseln. Nein, das will sie ihren Kindern nicht antun. Berlin ist der Ort, von dem die Schauspielerin regelmäßig aufbricht zu ihren Arbeitsabenden auf den Brettern ihrer gespielten Welt.

Sie hat regelmäßige Einsätze am Cottbuser Stadttheater oder im Ensemble der Berliner Shakespeare Company. Es ist nicht ohne Anstrengung, dieses Schauspielerleben, in dem immer wieder das Prinzip Hoffnung eine Rolle spielt, wenn es um Engagements geht, deren Basis meistens persönliche Bekanntschaften sind. Regisseure suchen ihre Akteure und Akteurinnen nach Qualität und eigenen Vorlieben, Stellenanzeigen wie in sogenannten normalen Berufen des täglichen Lebens gibt es nicht.

Früh lernte Johanna Julia Spitzer den Schauspieler Rolf Hoppe kennen (u. a. bekannt aus einprägsamen Rollen in Verfilmungen der Romane der Donna Leon), der sie an sein kleines Theater, (http://www.hoftheater-dresden.com/ )in der Nähe von Dresden holte. Diesen Ort empfindet sie als lehr- und erfahrungsreich für ihr Theaterspiel, vor allem auch die Nähe zum Publikum in dem kleinen Raum dieser Dresdner Spielstätte. Von Rolf Hoppe habe sie viel gelernt, genau so viel wie von Christoph Schroth, dem Regisseur, der sie 2007 zum ersten Mal nach Cottbus holte. Ihr vertraute er damals die Rolle des Gretchens an.

Sie spielt noch immer am Cottbusser Theater, auch in Dresden und an anderen Bühnen. Wer sie einmal im Ensemble hatte, holt Johanna Julia Spitzer immer wieder. Befragt nach ihren Lieblingsrollen, nennt sie keine großen Vorlieben. Was jedoch deutlich wird, das ist ihr Interesse an der Mitgestaltung von Zweierbeziehungen zwischen Mann und Frau auf der Bühne, wie sie unter anderem in Stücken von Dario Fo oder Becket thematisiert werden.

Beim Thema Zweierbeziehungen wirkt die unverheiratete Mutter sehr engagiert und plädiert für 7jährige Eheverträge. Warum gerade 7 Jahre Ehe, diskutieren wir nicht weiter. Vermutlich hat diese als notwendig erachtete zeitliche Beschränkung von Partnerbeziehungen ihren Grund in Lebenserfahrungen und gesammelten Beobachtungen.

Die Vehemenz ihrer Argumentation spricht für einschlägige Erfahrungen. Wenn sie als Kind  ihren Vater sehen wollte, musste sie ins Kino gehen. Dort konnte sie ihn auf der Leinwand erleben. Was bei ihr ein wenig ironisch klingt, verdeckt dennoch nicht eine kleine Portion Bitterkeit, aus der heraus die Schauspielerin ihre Streitbarkeit und kreative Kraft zu beziehen scheint. Ihr Motto könnte lauten: Contradico ergo sum. Eine gute Grundlage für die Theaterarbeit, die häufig auf der Basis veränderter gesellschaftlicher Zustände nach neuen Vermittlungsformen für eine verständliche Darstellung menschlicher und sozialer Widersprüche sucht.

Nach unserem Gespräch am Helmholtz-Platz machten wir noch einige Fotos. Sie erwähnte beiläufig ein Fotoshooting, bei dem der Fotograf immer wieder ein Lächeln anmahnte. Das falle ihr schwer, einfach so in die Kamera zu lächeln. Irgendwie musste ich ihr zustimmen. Dennoch gelangen einige Fotos, in denen ihr Lächeln von einer zurückhaltenden Feinheit ist. Vor unserem Gespräch bat sie um Fragen, sie wolle nicht einfach so erzählen. Beim Fotografieren scheint es ähnlich. Wenn hinter dem Bild nicht ein aus einer Rolle geborenes Lächeln steht, wird es schwierig. Mein Eindruck: Johanna-Julia Spitzer ist eine ernste Frau. Dieses Tatsache erleuchtet den Hintergrund für ihre Fähigkeit zu wirkungsfähiger Komik, wie man es unter anderem in Shakespeares Wintermärchen in der Berliner Shakespeare Company beobachten konnte.

 

 

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