Berliner Frauenporträts
   Berliner Frauenporträts

Nicola Spehar - Stadtführerin und Multitalent

Spielerisch in die Vergangenheit (Copyright: Nicola Spehar)

Der übergroße Friedrich: Nicola Spehar ist Königin für einen Tag und feiert einen 300. Geburtstag

 

Friedrich der Große liebte die Frauen nicht, doch heiraten musste er. Seine Braut kam aus Braunschweig und Wolfenbüttel, hieß Elisabeth Christine von Preußen und verlernte an der Seite des großen Friedrich das Lachen. Trotz geringer Freude aus der Beziehung zu einem Mann wurde die im Jahre 1715 Geborene relativ alt. Vielleicht auch nur wegen der nicht erfahrenen Wertschätzung durch ihren Ehemann.

Nicola Spehar, Diplomingenieurin von Hause aus und seit Jahren engagierte Fremdenführerin durch das schöne Potsdam, nahm sich dieser Dame an und holte sie zu ihrem 300. Geburtstag aus der Kiste der Geschichte, um sie den Besuchern der Veranstaltung Potsdam, Stadt für 24 Stunden, leibhaftig vor Augen zu führen. Sie steigt für 24 Stunden in ein mögliches Kleid der Elisabeth Christine, frisierte sich im Stil der damaligen Zeit und führte den Gästen ihres Pop-Up-Hauses einige mögliche Erinnerungen aus vergangenen Zeiten vor. Es finden sich in ihrem transparenten Gebäude auf einem Platz nahe dem Potsdamer Hans Otto Theater Porträts damaliger Zeitgenossen und Zeitgenossinnen, Sitzgelegenheiten, ein Spiegel, ein Steckenpferd und vieles mehr. Der bösartigste Teil der Einrichtung des temporären Anwesens ist ein Käfig, in dem sich eine Friedrich-Puppe  befindet. Es scheint kein Narrenkäfig zu sein, sondern der Käfig des eigenen Ichs, in dem sich der Gemahl Friedrich sein Leben lang verborgen hat. Die Nähe zu seiner Frau suchte er selten.

Die Idee Nicola Spehars ist großes Kammertheater, besetzt mit einer Darstellerin, sozusagen eine Einfrauschau.  Sie führt ihre Besucher  zurück in die sogenannten guten alten Zeiten, in denen aus den Beziehungen zwischen Menschen freudlose Jahre  erwuchsen, die nur mit großer Kraft ertragen werden konnten. Elisabeth Christine von Preußen schuf sich ihre eigene Welt. Nicola Spehar, als deren Wiedergeburt für einen Tag, erinnerte bei Tee und gelegentlichem Lächeln an diese Frau. Außerhalb des königlichen Rampenlichts entwickelte Elisabeth Christine eine kraftbringende Stärke. Es lohnt sich, ihren Weg aus Deutschlands Provinzstädten nach Potsdam zu verfolgen und ihre Spuren zu sichern für das eigene Geschichtswissen. Man braucht nur Dr. Google zu befragen. (http://www.preussen.de/de/geschichte/1740_friedrich_ii./koenigin_elisabeth_christine.html)

Potsdam am 11. und 12. Juli 2015

Spätsommermorgen im Park des Schönhauser

Schlosses

 

Gang durch den Park in Begleitung der Hofdame Nicola Spehar

 

Als Bolle noch nach Pankow fuhr, war nicht die Rede vom schönen, kleinen Schloss in Schönhausen. Heute eher. Einige Jahre nach dem Fall der Mauer sieht es anders aus, denn ein prachtvoll renoviertes Gebäude erwartet den Besucher. Schönheit ist angesagt nach den biederen Jahren unter der Fuchtel der kulturfernen Apparatschiks der DDR. Adel war out, einfaches Leben der anderen Art zog ein. In Pankow. Jetzt kann der Besucher wieder staunen und durch den Park wandeln. Was fehlt, sind Bänke für die ermüdeten Schlenderer.

 

 

Am 30. August 2015 gab es Gelegenheit, den Garten des Schlosses kennenzulernen. Unter sachkundiger Leitung zweier Gartengestalter und  anderer Beteiligter durchschlenderten 60 Besucherinnen und Besucher den Park und wurden informiert über die ursprüngliche Form des Gartens, über Baum- und Pflanzenpflege. Historisch und ästhetisch interessant und amüsant war der Auftritt von Nicola Spehar als Hofdame. Wenn immer es in den Zusammenhang der Erklärungen passte, plauderte sie aus „ihrem“ Leben, gab Anekdoten zum Besten und zauberte den Neugierigen ein Lächeln ins Gesicht. Fakten über die Gartenwelt bereicherten das Wissen der Besucher, Plaudereien aus dem Nähkästchen des höfischen Lebens befriedigten den Bedarf an kleinen und feinen Geschichten aus dem Alltag einer Dame am Hofe. Mode und Erotik dekorierten den Weg zur Freude aller Beteiligten. Nicola Spehar war eine sehr überzeugende Erscheinung in der Kleidung aus alten Tagen.

 

 

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