Berliner Frauenporträts
   Berliner Frauenporträts

Wenn Liebe und Musik zu Literatur werden, hat das Leben gewonnen - Eine zufällige Begegnung

Die kleine Lilja als junges Mädchen

 

 

 

 

 

 

 

 

Lilja Weisenberg

Tochter und Betreiberin eines kleinen Lebensmittelladens in Berlin für russische Lebensmittel.

 

Sie wohnt noch in Weißensee. Wo, möchte sie nicht erzählen. Nur so viel: Ihre Mutter  hatte den gleichen Vornamen. Sie starb vor einiger Zeit. Davon erfuhr sie erst später. Warum ihr Leben so unruhig ist? Das hat sie von ihrer Mutter, deren Mutter Ärztin war, erst in Sibirien und dann noch an vielen anderen Orten. Sie selbst war Krankenschwester. „Für mich“, so die junge, noch lebende Lilja. „Für mich blieb nur eine Lehre im Lebensmittelhandel.“ Glück für sie, denn diese Erfahrungen brachten ihr Kenntnisse, mit denen sie momentan ihren Lebensunterhalt bestreiten kann. Sie erzählte mir vom Leben ihrer Mutter, dass sie in einen Deutschen verliebt gewesen sei, diesen aber dann aus den Augen verloren habe. In Berlin und Beelitz habe sie ihn wiedergesehen.

 

Einige Tage nach unserer ersten Begegnung traf ich sie wieder. Sie berichtete mir, das Leben ihrer Oma und das ihrer Mutter sei in einem Roman festgehalten worden. Der Schriftsteller habe all die Ereignisse von einem Pianisten erfahren, der lange in russischer Gefangenschaft gewesen sei und seine Geschichte einem Schriftsteller erzählt habe. Sie kam noch einmal bei mir vorbei und zeigte mir das Buch. Ich las den Roman eine Woche neugierig durch. Er beschrieb Höhen und Tiefen im Leben des Protagonisten Edwin, dessen Musikererfahrungen und die Begegnung mit ihrer Mutter.

 

Einen kurzen Ausschnitt möchte ich hier wiedergeben:

 

"Die Momente nach unserer Ankunft (in Beelitz) sehe ichl so deutlich vor mir, als wäre es erst gestern gewesen. Wie üblich hatte ich zunächst den Weg Richtung Magasin eingeschlagen. Als hätten wir uns verabredet, kam Lilja mir entgegen.Sie schien überrascht, schüttelte leicht den Kopf und wollte schnell an mir vorbei. Doch ich ergriff sie am Arm - was gänzlich unseren Absprachen widersprach - und wollte sie festhalten, woraufhin sie mir einen Blick zuwarf, so böse, dass es mich durchschauerte."

 

Ihre Mutter, lernte ich, war eine Frau voller Leidenschaft und Disziplin. Sie ließ die Beziehung zu Edwin nicht dauerhaft zu.

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